Erste Erwähnungen der Chemie und ihres Namens.
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„während der Regierung Nimrods im Lande Babel zu Irak habe in Ägyptender [völlig mythische] koptische König Kalkan die Alchemie, die bis dahinnur in geheimen Zeichen aufgeschrieben war, zuerst allgemein bekanntgemacht" 1 ). Derlei ein halbes Jahrtausend überdauernde Traditionenerklären es genügend, daß man auf sie hin das Aufkommen dieser Kunstin eine weitaus zu frühe Zeit verlegte und infolgedessen auch nicht daranzweifelte, daß ihre Spuren schon in den ältesten bekannten Schriftwerkennachzuweisen seien, u. a. in den biblischen Büchern sowie in den EpenHomers.
In Wirklichkeit verrät aber, von Homer ganz zu geschweigen, keinklassischer Schriftsteller griechischer oder lateinischer Zunge die geringsteKenntnis der Alchemie, und alle Behauptungen dieser Art, alte wie neue,beruhen ausschließlich auf vorgefaßten Meinungen, irrtümlichen Deutungenoder willkürlichen Unterschiebungen, und dies gilt insbesondere auch, un-beschadet aller entgegengesetzten Versicherungen, betreff des Platow,Aristoteles und Theophrastos 2 ). Wenn z. B. Platon im Dialoge „Eu-thydemos" sagt: „Und wüßten wir selbst alle Felsen in Gold zu verwandeln,so hätte dies doch keinen Wert", so wird kein Einsichtiger diese Wortein alchimistischem Sinne auslegen wollen 3 ), und wenn er, und ihm nach-sprechend mancher Spätere, der yf\ JiaQ&evixij, yfj naQ&evia, naQ'&svog yfjErwähnung tut, so versteht er hierunter nicht die sog. „Jungfernerde"der Alchemisten, sondern einfach noch unberührte, jungfräuliche Erde 4 ),die z. B. Plinius mit einem Fachausdrucke als „unverritztes Gestein"bezeichnet 5 ), Fermicus aber als die „terra virginis", die Gott zur SchöpfungAdams benützt haben soll 6 ). Aus den Werken des Aristoteles, soweitsie echt sind, lassen sich selbst Andeutungen derartig verschwommener Artnicht zutage fördern. Was endlich Theophrastos betrifft, so entwickelter in den Bruchstücken des Buches „Über die Steine" 7 ) die zu seiner Zeitherrschende Lehre, die Metalle bestünden (wie ihre Schmelzbarkeit be-weise) im wesentlichen aus Wasser, die Erden und Gesteine aber aus einerreinen und einheitlichen Materie (vXrj, Hyle), und beschreibt als ein sehrbemerkenswertes Gestein u. a. den Zinnober, der xivräßagi (Kinnabari)oder auch äv&Qatj (Anthrax) heißt: die „natürliche" Art findet sich inSpanien und in Kolchis, wo die Einwohner sie von unzugänglichen Fels-klüften (xQrjfiv&v) mit Pfeilen herabschießen müssen 8 ); die „künstliche"erhält, wer mit den vielerlei nötigen Handgriffen genügend Bescheid weiß,durch Schlämmen eines gewissen Sandes (ä/u/xog), der an Farbe und Glanzdem üöxkoq (Kökkos, Kermes, Scharlach) gleicht, weshalb ihn auchKallias, ein Athener des 5. Jahrhunderts, anfangs für goldhaltig hieltund Gold aus ihm ausschmelzen wollte 9 ). Wie man sieht, kommt auch
*) Üb. Wüstenfeld (Göttingen 1879), 120.
2 ) Lippmann, „Abb.." 2, 55, 138. 3) ebd. 2, 55. 4 ) Nestle, A. Rel. 11, 416.
5 ) hb. 33, cap. 15; s. Kopp, „Beitr." 28. 6 ) Eibmious 1, 65.
') Eine erstaunlich gute deutsche Übersetzung und Erklärung gab schon 1770Baumgäbtneb in Nürnberg heraus.
8 ) Solche Schilderungen der Schwierigkeiten und Gefahren gehören zu denüblichen Mitteln, die fremden Wettbewerber abzuschrecken.
8 ) Theophbast a. a. O. Nr. 70, 102, 103; Blümneb 4, 490.