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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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3. Abschnitt: Chemie und Alehemie.

Wicklungen in letzter Linie auf die in Ägypten seit uralter Zeit*) ausgeübtenmannigfachen metallurgischen, präparativen und pharmazeutischen Ver-fahren zurückgehen, also auf die chemisch-technische Praxis der Künste,Gewerbe, Kunstgewerbe und Handwerke; ebenso läßt sie Berthelot inrichtiger, wenngleich nicht (wie er in Anspruch nimmt) origineller Weise,„den ägyptischen Industrien entfließen, deren Gegenstand die Herstellungvon Metallen und Legierungen, Glaswaren, künstlichen Edelsteinen undgefärbten Stoffen war" 2 ), und desgleichen erblickt Riess ihre Quelle inden seit altersher gebräuchlichen und durch die Erfahrungen vieler Gene-rationen vervollkommneten Methoden der Metall-Gewinnung und -Ver-arbeitung, der Erzeugung von Glasflüssen, Edelsteinen und Perlen, sowieder Färberei mit Purpur und anderen Farbstoffen 3 ).

Vermutlich waren derlei Verfahren ursprünglich Hoheitsrechte undGeheimkünste bevorzugter Stände, und zwar die einen, mehr die Groß-betriebe (wie die der Gold-Bergwerke und -Wäschen) betreffenden, etwasolche des Hofes und der in der Hofsprache als „Freunde des Königs"bezeichneten hohen Beamten, die anderen, mehr der Feinkunst zugehörigen,solche der Priesterschaft; diese ihre Eigenart erklärt ohne weiteres dieVorschrift, sie nur den Eingeweihten mitzuteilen und nichts über sie nieder-zuschreiben *). Während aber die Könige kraft ihrer Herrschergewaltein Monopol wie das der Goldgewinnung festzuhalten und sich und ihrenNachfolgern erblich zu bewahren vermochten, gelang es den Priesternoffenbar nicht, den gesamten Bereich geheimer Kenntnisse einem weiterenKreise dauernd zu verbergen, vielmehr trat im Laufe der Entwicklung,wie in zahlreichen gleichartigen Fällen so auch hier, allmählich eine profane„Kunst" an die Seite der sakralen, ohne diese jedoch auf ihrem Sonder-gebiete zu beeinträchtigen oder sogleich in jede Einzelheit ihrer Überliefe-rungen einzudringen. Auf das tatsächliche und schon sehr frühe Vorhanden-sein dieser Profankunst und auf ihre stetig und erfolgreich fortschreitendeEntfaltung wurde an vielen Stellen des vorhergehenden Abschnittes hin-gewiesen; neben ihr blieb aber, wie gleichfalls angeführt, die Tempelkunstnicht nur ebenfalls lebendig und fuhr fort, Götterbilder, heilige Geräte,Festgewänder u. dgl. anzufertigen und auszuschmücken, sondern auch sieerweiterte nach und nach den Umkreis ihres Gebietes, neue Verfahren auf-nehmend und sie auf neue Zweige kunstvoller Tätigkeit ausdehnend.

Es liegt nun kein Grund vor, zu bezweifeln, daß die Erfahrungen,die uns z. B. im Leidener und Stockholmer Papyrus in Gestalt eines umfang-reichen und nach vielen Richtungen weitentwickelten Systems völlig offenerNachahmung und Fälschung von Edelmetallen, Edelsteinen und Farb-stoffen entgegentreten, zuerst da gesammelt wurden, wo Veranlassungengegeben und Mittel vorhanden waren, größere Arbeiten in kostbaren Mate-rialien auszuführen, also in den Werkstätten der Tempel, und daß fernerdie „Geheimnisse der Goldhäuser" nicht nur das erste ursprüngliche Wissenum die Herstellung der Götterbilder aus Gold, Silber, „echten" Steinen

x ) Nach Diodob (lib. 1, cap. 15) schon seit der von Isis und Osibis!

2 ) Bebthelot, „Or." 245; „Coli." I, 5, 9, 54, ... 3 ) Riess, PW. 1, 1338.

*) Kopp, „Beitr." 90; Riess a. a. 0.