96
1. Abschnitt: Die Überreste der alchemistischen Litteratur.
spricht 1 ), sagt nicht mit Unrecht, wer daraus klug werden wolle, mögesich einen Oedipus zur Stelle schaffen.
d) Synesios.
Den älteren alchemistischen Werken erstanden, infolge ihrer Schwer-verständlichkeit und Unklarheit, alsbald Kommentatoren, deren oft ent-stellende und zuweilen sogar fälschende Tätigkeit zwar schon Zosimostadelt, die aber immerhin noch wirkliche Sachkenntnis besaßen, und ver-möge dieser hoch über ihren späteren byzantinischen Nachfolgern stehen,bei denen tote Buchgelehrsamkeit die Stelle der völlig fehlenden lebendigenAnschauung vertreten soll. Der wichtigste jener Kommentatoren istSynesios, den man bis vor nicht allzulanger Zeit meist für identisch mitSynesios von Ptolemais hielt. Letzterer, der Sprößling eines vornehmenGeschlechtes der Provinz Kyrene und Schüler der berühmten alexandrini-schen Philosophin Hypatia (an die er das bekannte Schreibon botreff derHerstellung eines Aräometers richtete), bekleidete seit 410, trotz seinesnur sehr oberflächlichen Bekenntnisses zum Christentum, das Amt einesBischofes zu Ptolemais in der Kyrenaika, woselbst er schon 415, erst im46. Lebensjahre stehend, einer schweren Krankheit erlag; er war ein hoch-gebildeter Mann und verfaßte zahlreiche, zum Teil noch erhaltene Schriftenund Briefe über astronomische, philosophische und religiöse Gegenstände,sowie eine Anzahl Hymnen gnostischer Richtung, in denen er, dem Zeit-geiste entsprechend, hellenistische, orientalische, ägyptische, jüdische undchristliche Ideen zu vereinigen suchte 2 ).
Die unter dem Namen des Synesios überlieferte (unvollendete)Abhandlung chemischen Inhaltes findet sich in den Codices der eben er-wähnten Werke nicht vor, und da der Bischof Synesios erst 379 geborenwurde, der in Form eines Dialoges eingekleidete, „mit Hilf o Gottes" (&eovawegysla) unternommene „Kommentar zu Demokeitos" aber vor 390vollendet sein muß, — da er dem Dioskobos zugeeignet ist, „dem Ober-priester des Serapis-Tompels zu Alexandria", welches Heiligtum um 390zerstört wurde —, so kann er unmöglich vom Bischöfe Synesios herrühren,sondern ist jedenfalls einem seiner gleichnamigen Zeitgenossen zuzu-schreiben 3 ). Seine erste Veröffentlichung (in schlechter lateinischer Übsr-setzung) erfolgte 1573 durch Pizzimenti, in dessen Werk er den zweitenAbschnitt bildet; die ziemlich zahlreichen griechischen Handschriftenweisen Spuren später Umarbeitungen und verschiedene Lücken auf, stimmenin vielen Einzolnheiten nicht üboroin, und enthalten sprachlich und sachlichso viel allegorisch Dunkles und Unverständliches, daß die wiederholtenMahnungen des Synesios, Dioskoros möge doch genauer aufmerken undseinen Verstand etwas mehr anstrengen, durchaus gerechtfertigt er-scheinen 4 ).
x ) „Conspectus scriptoram chemieorum illustrium" (Kopenhagen 1696, 9 ff).
2 ) Beitr. 144ff.; Or. 65, 188, 273.
3 ) Kopp, „Beitr." 150, 157; Schauer, „Die Alchemie" (Flensburg 1887), 18;Ribss, PW. 1, 1338; Coli. II, 60ff.; III, 379.
4 ) Beitr. 153.