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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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473. Anthemis CÖtula 1 ) L. (= Marüta foetida Cass., = M. Cotula DC). Stinkende

Hundskamille. Franz.: Camomille des chiens, camomille puante maroute; engl.: Stink

mayweed, dielweede, dog's oder fetid camomile; ital: Comomilla mezzana, cotula fetida,

tribolo, capomillone, cocola, cota. Fig. 276e bis k und Fig. 272 k.

Pflanze einjährig, 10 bis 45 (60) cm hoch. Wurzel dünn, spindelförmig. Stengelzerstreut behaart, meist vom Grunde an reich ästig. Laubblätter zerstreut behaart, doppeltfiederspaltig mit linealen, etwa 0,5 mm breiten, spitzen, ungeteilten oder 2- bis 3-spaltigenZipfeln. Köpfe einzeln, 12 bis 26 mm breit, ziemlich kurz gestielt. Hülle becherförmig,fast kahl. Hüllschuppen länglich, stumpf, bleich mit grünem Rückenstreif und ziemlich breitemHautrand (Fig. 276f). Blütenboden verlängert-kegelförmig, nur an der Spitze mit linealen,spitzen, fast borstlichen Spreuschuppen besetzt (Fig. 276 g, h). Scheibenblüten goldgelb, mitam Grunde erweiterter Röhre. Zungenblüten 8 bis 13, länglich, weiss, geschlechtslos.Früchtchen 2 mm lang, kreiselförmig, knotig-gerieft (Fig. 272 k) und warzig-drüsig (Fig. 276k),oft mit etwas gekerbtem Rand. VII bis IX.

Zerstreut auf wüsten Plätzen, Schutt, an Graben- und Wegrändern, Strassen, inDörfern, auf Dorfangern, Komposthaufen und Weideplätzen; ziemlich verbreitet, besondersim Flach- und Hügelland, nach Osten zu an Häufigkeit zunehmend. Zuweilen nur vorüber-gehend. Gern auf Sand- und Lehmboden.

Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa (nordwärts bis Südnorwegen,Nordwestsibirien; Nordafrika, Kanarische Inseln; Nord- und Südamerika, Tropisches Afrika ;Australien, Neu-Seeland. .

Die Art zeigt folgende Abänderungen: f. latisecta Thell. (= A. arvensis X A. Cotula Naegeliet Thellung). Blattzipfel breiter, durchschnittlich 1mm statt V* mm breit (Selten in der Schweiz). f. ca-nescens Thellung. Kopfstiele und Hülle weisslich zottig (Bei der Malzfabrik von Solothurn in der Schweiz).

Anthemis Cotula ist eine charakteristische Pflanze des Tieflandes, wo sie besonders in der Nähe vonDörfern (Dorfpflanze") auf Dorfangern, Gänseweiden etc. neben Potentilla anserina, Urtica urens, Pulicariavulgaris, Verbena officinalis, Poa annua usw. zuweilen massenhaft auftritt. Auf Aeckern ist sie dagegen in derRegel nicht anzutreffen. In Gebirgsgegenden ist die Pflanze im allgemeinen seltener, kommt aber auch hiernoch häufig genug, zumeist freilich wohl nur verschleppt (in Nordtirol auf einem Erdhaufen bei Seefeld, 1200 m)vor. Früher diente die Pflanze als Heilmittel. Sie besitzt einen sehr unangenehmen, widrig-aromatischen, anHundeurin erinnernden Geruch, weshalb das Kraut auch auf Getreidebühnen zum Fernhalten der Mäuse gestreutwird. Auch dient es als Ersatzmittel von Insektenpulver. Um sich gegen Bienenstiche zu sichern, reiben sich dieBienenväter gelegentlich die Hände mit dem Kraut ein. Die Früchte finden sich nach Stebler zuweilen alsBegleitsamen in Saaten von nordamerikanischem Bastard- und Weiss-KIee. Von der echten Kamille (MatricariaChamomilla) unterscheidet sich diese Art sogleich durch den soliden, markigen, nicht hohlen Blütenkopf unddurch das Vorhandensein von Spreublättern, von Anthemis arvensis durch die etwas kleineren Köpfe. AnMissbildungen sind nicht selten Stengelfasziationen beobachtet worden; auch verarmte Köpfe, bei denen dieZahl der Zungenblüten bis auf sechs sinkt, sind nicht selten, ferner eine strahlenlose Form (f. discoidea) sowiegefüllte Köpfchen, ausschliesslich aus Zungenblüten bestehend.

Ab und zu sind auch Bastarde von Anthemis-Arten beobachtet worden. Bisher sind folgende bekannt ge-worden: Anthemis Aus triaca Jacq. X A. tinctoria L. (= A. ochroleüca Celak. fil.). Von A. tinctoriaf. pallida wohl nur nach den Verhältnissen des Auftretens zu unterscheiden (Böhmen). A. arvensis L.X A. tinctoria L. (= A. adulterina Wallr.). Pflanze ausdauernd. Laubblätter feiner und weniger regel-mässig geteilt als bei A. tinctoria. Strahlblüten blassgelb (In Norddeutschland wiederholt beobachtet, ebensoin Bayern, Böhmen). A. Ruthenica Bieb. X A. tinctoria L. (Rüdersdorf bei Berlin; von Behrendsenbeobachtet). A. Cotula L. X A. tinctoria L. (= A. Böllei Schultz-Bip.). Bei Herberhausen und Kehrin Hannover, Brandenburg. A. arvensis L. X A. Cotula L. (hybr. nov.) von Thellung bei Zürichangegeben. Ausserdem bilden A. arvensis, A. Cotula und A. tinctoria Bastarde mit MatricariaChamomilla bezw. mit M. inodora (siehe dort!).

') Zuerst bei Brunfels als Pflanzenname verwendet, wohl Diminutivum von Cota; bei Caes-alpinus Name für die mediterrane Anthemis Cota L. Letztere ist wahrscheinlich von dem von Dioscorideserwähnten etrurischen NamenKantan" für Kamille abgeleitet.