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noch nicht. Auch im Jahre 1772 war sie um Wien, 1787 um Berlin noch nicht bekannt. 1728 erscheint sie beiUlm, 1736 auf der Plattform des Strassburger Münsters; 1770 tauchte die Pflanze bei Altona (hinter demSklavenhof und im Plöner Garten) auf, um in demselben Jahre auch bei Leipzig beobachtet zu werden. 1791wird sie aus der Bruckau bei Pressburg erwähnt; 1794 war sie nach Schultes in Oesterreich „zerstreut".Seit Beginn des 19. Jahrhunderts findet man sie fast in allen mitteleuropäischen Florenwerken angeführt; besondersin den 40 er und 50 er Jahren des vorigen Jahrhunderts breitete sie sich sehr rasch aus. Aus Tirol wird sieca. 1820 von Rovreit (Rovereto), 1853 von Daone, 1840 aus der Gegend von Bozen, 1858 von der eröffnetenArlbergbahn im Unterinntal genannt. Zur Zeit beginnt Stenactis in den Alpen von Oesterreich und der Schweiz(Tarasp, Trins) immer tiefer in die Täler einzudringen. In Mähren ist die Pflanze nach Laus erst in denletzten Jahren vereinzelt aufgetreten, so bei Watzenowitz nächst Gaya, bei Rohrbach, Seelowitz und beiWermsdorf. Aus der Schweiz (Wallis) wird sie 1805 von De Candolle zum erstenmal genannt, dann 1821von Custer bei St. Margarethen, 1839 von Gütighausen an der Thur, 1843 von Unterstrass-Zürich. Als.Gartenpflanze ist Stenactis heute fast ganz in Vergessenheit geraten. — Die Früchte fallen sehr leicht schonunreif ab und sind auf Belichtung angewiesen. Die Zungen der Strahlblüten sind im Anfang des Blühens etwasnach hinten zurückgebogen; später breiten sie sich flach aus, um sich schliesslich beim Abblühen (sowieabends) in die Höhe zu richten.
Die Gattungen Solidago, Bellis, Aster, Erigeron und Stenactis gehören zu der Tribus derAstereae (vgl. pag. 400), deren Vertreter durch den zweischenkeligen Griffel, der nach der Spitze zu Fege-haare und am Rande die beiden Narbenstreifen trägt, gut gekennzeichnet ist. Die Astereen sind über dieganze Erde verbreitet; besonders häufig aber sind sie in den gemässigten Zonen und hier wiederum besonders inderjenigen der neuen Welt. Mehrere Gattungen sind auf Nordamerika (Chrysöpsis, Haplopäppus, Bigelöwia,Brachychseta), einige auf das wärmere Amerika (Grindelia, Baccharis mit 360 Arten in den Pampas und Camposvon Brasilien. Egletes, Heterotheca, Guttierezia, Aphanostephus) beschränkt. In den Anden von Südamerikasind die beiden Gattungen Hinterhubera und Diplostephium, in den südargentinischen Gebirgen (Sierra Ventana)Sommerfeldtia spinulosa Less. vertreten. Für Australien kommen die Gattungen Brachycome, Calötis mit20 Arten, Achnöphora, Erodiophyllum, Oleäria etc. in Betracht, für Neu-Seeland die Gattungen Haastia mitgrossen, schafähnlichen Polstern und Pleurophyllum, für Madagaskar die endemische Gattung Rochönia, fürdie Insel St. Helena die beiden endemischen Gattungen Commidendron und Melanodendron, für die Sandwichs-Inseln die endemische Gattung Remya. Nur wenige Gattungen wie Aster (pag. 416 f), Boltönia, Erigeron(pag. 435 i), Conyza, Brachycome sind der alten und der neuen Welt gemeinsam. In Europa sind die Astereenausser den bereits besprochenen Arten im Süden noch durch die Gattungen Bellium mit 3 bis 5 Arten (be-sonders B. bellidiot'des L.) und Nolletia (N. chrysocomoi'des Cass. in Südspanien) vertreten.
Adventiv sind beobachtet worden: Chrysöpsis villösa Nutt. aus Nordamerika bei Ludwigs-hafen am Rhein, Grindelia decümbens Greene aus Nordamerika (Colorado, Idaho) bei Ludwigshafen undBasel (1906), Myriäctis Nepalensis Less. aus Ostindien in Berlin (verwildert im alten Botanischen Garten),Felicia tenella Nees aus Südafrika in der Schweiz (Bahnhof Chur, 1908), Baccharis Pingra?a DC. ausSüdamerika bei Hannover (Döhrener Wollwäscherei), Boltönia asteroides (L.) L'Herit. aus Nordamerikabei Küsnacht nächst Zürich (1907) und Boltönia latisquäma A. Gray am Neckar bei Wieblingen (1910).Früchte der klebrigen, nordamerikanischen, seit 1893 in den Vereinigten Staaten offizinellen Grindeliasquarrösa (Pursh) Dum. werden nach Stebler bei uns gelegentlich als Verunreinigungen in amerikanischerLuzernesaat angetroffen. Die auch in Europa bekannte Droge Herba Grindeliae wird von den beideneinander nahestehenden Arten Grindelia robüsta Nutt. und G. squarrösa (Pursh) Dum. gewonnen, der zuweilenauch Bestandteile von G. integrifölia DC, G. inuloides Willd. und G. glutindsa Dumal. beigemengt sind.Offizinell war früher auch die südafrikanische, bitter schmeckende Chrysöcoma Cöma-aürea L.
Von Zierpflanzen aus der Gruppe der Astereen verdient an erster Stelle Callist eph u s')Chinensis (L.) Nees (= C. hortensis Cass., = Aster Chinensis L., = Callistemma hortense Nees), Sommer-Asteroder einfach „Aster", franz. Reine-Marguerite, aus China und Japan genannt zu werden (Fig. 227a, b). Einjährig.Stengel 10 bis 80 cm hoch, 1- bis wenigköpfig, etwas aufrecht-ästig, abstehend kurzhaarig. Untere Laubblättergewimpert, gestielt, spateiförmig, grob gezähnt oder gesägt; die mittleren länglich-rhombisch, sitzend, etwasgezähnt, obere ganzrandig. Köpfe gestielt, sehr gross, einzeln an den Aesten endständig. Aeussere Hüllblätterlaubblattartig, ganz krautig, spatelig, am Rande rauhhaarig bewimpert; die inneren häutig bis trockenhäutig.Strahlblätter verschieden gefärbt, purpurrot, blau, lila bis weiss. Scheibenblüten gelb, meist ± in Strahlblütenverwandelt (Köpfe deshalb häufig halbgefüllt). Frucht zusammengedrückt. Pappus doppelt; ausser den Borstennoch ein äusseres, aus kurzen, unten verwachsenen Borsten (Fig. 227 b) gebildetes Krönchen (bei der GattungAster ist der Pappus meist ziemlich gleichlang). Der Sommer-Aster wird in zahlreichen Farbenabstufungen meist miti gefüllten Köpfchen entweder als „Röhren"- bezw. „Nadel-Aster" oder aber als „Zungen-Aster" als ein all-
') Von Cassini gebildeter Name; von xaÄög [kalös] = schön und aTeqpog [stephos] = Kranz, Strahl.