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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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Griffel in zwei halbzylindrische, weisse, an der Spitze stumpfe Schenkel gespalten, unterder Teilungsstelle nicht verdickt. Narben mit 2 randständigen Streifen, länger als dieFrucht. Pappus aus einer Reihe einfacher Haare bestehend, etwas rauh. Frucht länglich,5-kantig, oben abgestutzt, bellwarzig-drüsig, 3 mm lang. VII bis IX.

An feuchten Waldstellen, in Schluchten, Auenwäldern, Holzschlägen, an Ufern, Bö-schungen, Gräben, auf den Schotterbänken der Flüsse, zwischen Buschwerk, mitunter auchauf Ruderalsteilen. Sehr häufig und verbreitet von der Ebene bis in die Voralpen (in Bayernbis 1040 m, in Tirol bis 1200 m, im Wallis bis 1550 m).

Allgemeine Verbreitung: Ganz Europa (nördlich bis Südost-Norwegen, Norr-land, Aland, Nyland, Südsawo, Ladoga- und Nordkarelen); Nordafrika; Syrien, Kleinasien,Persien, Kaukasien, Westsibirien.

Aendert ab: f. indivi'sum DC. Alle oder doch die meisten Stengelblätter ungeteilt (Selten undeinzeln unter der Normalform). f. valdepilösum Beck. Stengel und Laubblätter langhaarig-zottig (Selten).

f. angustisectum Murr. Blattabschnitte schmal-lan-zettlich.- Gelegentlich können auch dreiblätterige Blatt-quirle beobachtet werden. Eupatorium cannabinumist eine stets gesellig auftretende Art, die sonnige undetwas feuchte Standorte aufsucht und demnach gern imUfergebüsch, in lichten Auenwäldern, in feuchten Holz-schlägen auftritt. Den tiefen Waldesschatten meidet diePflanze, ebenso den sauren Boden der Sumpfwiesen.Häufige Begleitpflanzen von Eupatorium sind Saponariaofficinalis (Bd. III, pag. 344), Cucubalus baccifer, ViciaCracca, Epilobium hirsutum, Angelica silvestris, Sym-phytum officinale, Solanum Dulcamara, Menta longi-folia, Scrophularia nodosa, Cirsium arvense (vgl. auchBd. III, pag. 345). Die leichten, von haarigem Pappusgekrönten Früchtchen werden vom Winde weit ver-tragen und so kommt es, dass Eupatorium häufig sichauch rasch in jungen Holzschlägen ansiedelt nebenEpilobium angustifolium, Gnaphalium silvaticum, Seneciosilvaticus, Cirsium lanceolatum etc. Die prote-randrischen, zwitterigen Blüten werden von zahlreichenInsekten, besonders auch von Tagfaltern, besucht. Imersten Blütenstadium befindet sich das unterste mit Narben-papillen besetzte Griffelstück noch in der Kronröhre;nur die mit Fegehaaren besetzten oberen drei Viertelder Griffeläste ragen frei hervor und divergieren soweit, dass die die Blüten besuchenden Insekten mit ihnenin Berührung kommen und so die an den Fegehaarenhaftenden Pollenkörner abstreifen können. Im zweitenBlütenstadium treten auch die unteren papillösen Teileder Griffeläste aus der Blumenkrone hervor, so dass jetztdie in die Kronröhre eindringenden Insekten die Narbenberühren müssen. Ist zu dieser Zeit der Pollen von den Fegehaaren schon entfernt, so kann nur Fremdbestäubungerfolgen; im gegenteiligen Falle ist auch Selbstbestäubung möglich. Sämtliche Blüten sind gleichgestaltet undzwitterig; sie gehören der Urform der Compositenblüte an. Die Stengelfasern werden gelegentlich technischverarbeitet; mit Eisenvitriol gibt die Pflanze eine schwarze Farbe. Eupatorium cannabinum ist ein ver-breiteter Typus der europäisch-asiatischen Waldflora (silvestres Florenelement).

Die Blätter von Eupatorium cannabinum enthalten ein noch wenig gekanntes Glycosid, das Eupatorin.Die Pflanze gilt als giftverdächtig. Die Wurzel und die Blätter waren ehedem als Radix et herba Cän-nabis aquäticae sive Eupatöriae oder Cunigündae offizinell, werden aber heute selbst als Volksmittelgegen Wassersucht, Hautausschläge, Leberflecken etc. kaum mehr verwendet. Wurzel und Kraut schmeckenbitter und scharf; sie wirken brechenerregend. Das brasilianische Eupatorium Ayapäna Vent. (= E.triplinerve Vahl), das schwach nach Cumarin duftet, ist früher ebenfalls medizinisch verwendet worden. Es

Fig. 207. Eupatorium cannabinum L. bei Wien.Phot. K. C. Rothe.