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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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aneinander und bilden so einen von langen, abstehenden Haaren dichtbesetzten Zylinder. Die Antheren umgebendiesen Zylinder nach Art eines Hohlzylinders und springen nach innen auf, so dass sie sämtlichen Pollen andie Griffelhaare abgeben. Nun erst öffnet sich die Blüte und der mit Pollen dicht beladene Griffel wächstaus dem Antherenzylinder weit heraus. Die den Honig suchenden und in die Blüte kriechenden Insektenkommen mit der pollenbeladenen Griffelbürste unbedingt in Berührung und bestäuben sich auf diese Weise mitPollen. In einem zweiten Blütenstadium treten die 3 Griffeläste auseinander, so dass ihre mit Papillen (Fig. 180d)besetzte Innenseite frei liegt. Kommt nun ein mit Pollen beladenes Insekt in die Blüte, so wird es, da dieNarben gerade dort liegen, wo früher die Griffelbürste stand, die Narbe mit Pollen bestäuben. Bei ausbleibendemInsektenbesuch aber kann bei vielen Arten dadurch noch Selbstbestäubung eintreten, dass die Griffelästeschliesslich sich so weit zurückrollen, dass die empfängnisfähige Innenseite mit der pollenbestäubtenAussenseite in Berührung kommt. Abgesehen von den honigsuchenden Insekten werden die Campanula-Artenoft auch von Insekten besucht, die die Blüten als Unterschlupf benützen. In erster Linie kommen als Be-stäuber verschiedene Bienen in Betracht, dann aber auch Käfer, Fliegen, Schmetterlinge etc. Bei vielenCampanula-Arten ist der Pollen vor Nasswerden durch den Regen dadurch geschützt, dass der Blüteneingangnach abwärts gerichtet ist, z.B. bei C. cochleariifolia, pulla, excisa, rotundifolia; bei C. patula sind die Blütennur bei Regen nickend, bei Sonnenschein aufrecht. Bei C. Zoysii wird der Blüteneingang durch die zusammen-neigenden Kronzipfel geschlossen.

Das Oeffnen der Früchte geschieht durch 3 Poren, die sich auf den 3 Seiten der Fruchtkapsel, denScheidewänden gegenüber, vorfinden. Nach Leclerc du Sablon wird das Oeffnen durch die verschiedene Dick-wandigkeit der Zellelemente der Innen- und Aussenseite an den betreffenden Stellen bedingt und durch Aus-trocknen hervorgerufen. Bei vollständiger Reife schlägt sich diese Wandpartie als kleines Läppchen herausund öffnet so den Ausgang für die winzigen, bei manchen Arten noch mit einem Flugrand versehenem Samen.Diese Poren bleiben nicht ständig geöffnet; bei feuchtem Wetter schliessen sie sich. Bei den Arten mit auf-recht stehender Frucht öffnen sich die Poren am obern Teile (Taf. 256, Fig. 4 a) der Kapsel, bei den Arten mithängenden Kapseln jedoch am unteren, dem Stiele benachbarten Teile (Taf. 257, Fig. lb) derselben. Infolgedieser Anordnung können die Samen nur durch eine Erschütterung des Fruchtstandes und mit einer gewissenWucht aus den Poren herausgeschleudert werden. Dadurch erlangen sie aber eine grössere Verbreitung(Dr. Hegi nach Brenner).

Blütenmissbildungen sind bei den Campanula-Arten nicht selten zu beobachten. Häufig ist eine Ver-mehrung der Kronblätter (6- bis 8 [30]-zipfelige Blumenkrone), ferner ein Auswachsen der Kelchblätter zu Laub-blättern (Verlaubung"), Vergrünung der Blüten, Füllung der Blüten durch Vermehrung der Kronblätter (be-sonders bei C.Medium; hier auch Calycanthemie [vgl. Fig. 176c], d.h. der Kelch ist kronblattartig ausgebildet,so dass die Blumenkrone doppelt erscheint). Auch Exemplare mit bis zum Grund 5-spaltiger Korolle wurdenbeobachtet. Endlich sind auch Stengelfasziationen nicht gerade selten anzutreffen. Ebenso können fast beiallen Arten gelegentlich weisse Blüten beobachtet werden.

1. Buchten zwischen den Kelchzipfeln mit zurückgeschlagenen, lappenf örmigen Anhängseln (Fig. 177c, d). 2.1*. Kelchbuchten ohne Anhängsel........................ 4.

2. Anhängsel zwischen den Kelchzipfeln sehr kurz (Fig. I77i). Kelchzipfel lineal, viel länger als diehalbe Blumenkrone. Ostalpen; fehlt in der Schweiz...............C. alpina nr. 326.

2*. Anhängsel in den Kelchbuchten fast so lang wie die Kelchröhre (Fig. 177c, d). Kelchzipfel kürzerals die halbe Blumenkrone.............................. 3.

3. Blumenkronzipfel innen dicht bärtig. Stengel meist einfach. Alpen. . . C. barbata nr. 325.3*. Blumenkronzipfel kahl. Stengel meist ästig............C. Sibirica nr. 324.

4. Blüten sitzend, zu Aehren, Knäueln oder Büscheln vereinigt............. 5.

4*. Blüten gestielt............................. 8.

5. Blüten zu einem endständigen Köpfchen vereinigt; darunter meist noch + entfernt-stehende,blattwinkelständige Büschel............................. 6.

5*. Blüten eine deutliche Aehre bildend..................... 7.

6. Pflanze stechend-steifhaarig. Untere Laubblätter in den Stiel verschmälert. Griffel bedeutendlänger als die Krone (Fig. 180m)...................C. Cer vicaria nr. 329.

6*. Pflanze verschiedenartig behaart, aber nicht borstig-steifhaarig. Untere Laubblätter am Grunde abge-rundet oder herzförmig. Griffel meist so lang oder kürzer (selten etwas länger) als die Krone. C. glomerata nr. 330.

7. Blütenstand sehr dicht, kolbenförmig. Blüten gelblichweiss. Alpen.. . C. thyrsoidea nr. 328.7*. Blütenstand sehr lang, locker. Blüten blauviolett.......... C. spicata nr. 327.

8. Kronzipfel innen dicht bärtig, am Grunde jederseits faltig-geöhrlt und zusammenschliessend(Fig. 1901). Südliche Kalkalpen von Kärnten, Krain und Steiermark........C. Zoysii nr. 356.

8* Kronzipfel innen nicht oder wenig bärtig, auseinanderstehend, am Grunde nicht geöhrlt. . . 9.