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Tafel 256.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Campanula cochleariifolia(pa.g349). Habitus.„ 2. Campanula rotundifolia (pag. 352). Habitus.„ 3. Campanula patula (pag. 361). Blütenspross.„ 3 a. Blüte im Längsschnitt, Blumenkrone entfernt.„ 4. Campanula persicifolia (pag. 360). Habitus.„ 4a. Aufrechte Kapsel, die Samen ausstreuend.
Fig. 5. Campanula Trachelium (pag. 343). Blüten-spross.„ 5 a. Staubblätter, die ihren Pollen dem Griffel
angedrückt haben und welken.„ 5 b. Fruchtknoten im Querschnitt.
gebogenen Narben fallen, wodurch Selbstbestäubung möglich ist. Bei den Gattungen Phyteuma, Edraianthusund Jasione sind die zahlreichen, relativ kleinen Blüten wie bei den Kompositen zu Köpfchen mit Hüllblätternvereinigt. Diese Arten haben mit den Kompositen ausserdem die allgemeinere Zugänglichkeit des Nektars unddas freie Hervorragen der Geschlechtsorgane aus den Blüten gemein. Kleistogame Blüten sind bei mehrerenLegouzia- und Campanula-Arten festgestellt worden. Die Samen besitzen keine besondern Eigentümlichkeiten;nur selten ist ein häutiger Saum ausgebildet. — Verwandtschaftliche Beziehungen besitzen die Campanulaceeneinerseits mit den Cucurbitaceen (epigyne und 5-zählige Blüten, Cystolithen, Kieselablagerungen), andrerseits mitden Kompositen (gegliederte Milchröhren, kopfiger Blütenstand, Vorkommen von Inulin, Verwachsung derAntheren, klappige Knospenlage), ferner mit den Lobeliaceen, Goodeniaceen, Candolleaceen und Caricaceen.Verschiedene Campanulaceen sind als Zierpflanzen in unseren Gärten oder in Kalthäusern zu finden,so ausser Arten von Campanula (vgl. pag. 331), Adenophora und Phyteuma: Symphyändra pendula Bieb.aus dem Kaukasus mit gelblichen Glockenblumen und ausgesprochener Antherenröhre und die ihr ähnlicheS. Wanneri Roch, aus dem Banat und aus Siebenbürgen. — Michaüxia camp anul oi d es L'Her. ausKleinasien, mit einer meist in 10 schmal-bandförmige Zipfel zerteilten, freien (also choripetalen!) Blumenkrone. —Trachelium caerüleum L. aus Spanien und Italien, mit in dichten Trugdolden (an Statice erinnernd)stehenden, metallisch violett-blauen (in der Kultur auch weissen oder fleischfarbigen) Blüten.— Canarfna Cam-panula L. von den Kanarischen Inseln, mit quirligen Blättern, grossen, ziegelroten Glockenblumen und Beeren-früchten. — Cyanänthus lobätus Wall, aus den zentralasiatischen Hochgebirgen, mit einzeln stehenden,langgestielten, nickenden, blauen Glockenblumen, röhrigem Kelch und oberständigem Fruchtknoten. — Roellac iliäta A. DC. aus Südafrika. Halbstrauch mit nadeiförmigen Laubblättern und blauen, oft weiss gebändertenGlockenblumen. — Wahlenb ergia Capensis A. DC. vom Kap und W. lobeliofdes A. DC. von denKanaren. Einjähriges Kraut mit nickenden, rosenroten oder violetten Glocken. —. Oströwskia magnificaRegel aus Mittelasien und Buchara, hat die grössten Blüten der Familie und wird neuerdings zu kultivieren versucht.Einige besonders auffallende Gallbildungen kommen in dieser Familie vor. Der Fruchtknotenverschiedener Cam panula-Arten, am häufigsten bei C. rapunculoides, schwillt frühzeitig, meist schonwährend des Knospenzustandes, allseitig oder auch nur an einem Teile seines Umfanges bedeutend an. DerKelch bleibt meist unverändert; die Blumenkrone dagegen wird in der Entwickelung gehemmt, bleibt oft ge-schlossen und vergrünt mehr oder minder. Staubblätter sowie Griffel und Narben bleiben kurz und verdickenich. Querschnitte durch einen missgebildeten Fruchtknoten zeigen, dass die Plazenten stark angeschwollen sinduass die Samenanlagen sich abnorm weiterentwickelt haben, besonders durch kräftiges Wachstum des Nuzellus.Urheber dieser Bildungsabweichung ist die 2 bis 3 mm lange, weissliche Larve des Rüsselkäfers Miärusmpanulae L. — Die Gallmilbe Er iophy e s Schmardai Nah verursacht bei verschiedenen Campanula-' am häufigsten an C. Trachelium, eine abnorme Entwickelung der Laubknospen und verschiedenstarke Vergrünungen und Verlaubungen der Blüten. An Stelle einer Blüte oder eines Seitenzweiges des Blüten-standes finden sich bisweilen kräftig entwickelte Laubsprosse mit kleinen Blättern. Da die Länge der Gall-milben etwa /i mm beträgt, sind dieselben nur mit einer guten Lupe oder besser unter dem Mikroskop zuerkennen. -■ Bemerkenswerte Veränderungen erleiden die Blüten verschiedener Phy t eum a-Arten durch dieLarven der Gallmücke Dasyneüra (= Perrisia) phyteümatis F. Low. Die Blüten bleiben geschlossen,sind blasig aufgetrieben (Fig. 193 c ), stark vergrössert und heller gefärbt. Die Missbildung beruht haupt-sächlich auf einer starken Grössenzunahme der Krone. Auf der Innenseite, besonders am Grunde, findensich zahlreiche lange, mehrzellige Haare, zwischen denen mehrere 2 bis 3 mm lange, orangefarbene Mücken-larven leben; dieselben gehen zur Verpuppung in die Erde. Der Kelch erleidet in der Regel keine Ver-änderung. Staubblätter und Stempel sind + gehemmt und missgebildet. In der Regel sind zahlreiche oderfast alle Blüten einer Infloreszenz vergällt, wodurch dieselben viel grösser erscheinen als normale Früchte, mitdenen die Gallbildung verwechselt werden könnte. Ausserdem ruft der bereits erwähnte Rüsselkäfer Miaruscampan ulae Anschwellungen des Fruchtknotens hervor, ähnlich wie bei den Glockenblumen. — Bei Jasionemontana werden durch die Gallmilbe Eriophyes enänthus Nah tiefgreifende Veränderungen der ganzen