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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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DCCV. Adöxa 1 ) L. Moschuskraut. Franz.: Adoxe; engl.: Moschatel; ital.:

Adoxa, dentaria.

Die Gattung weist nur unsere Art auf.

262. Adoxa Moschatellfna 2 ) L. Gemeines Moschuskraut. Franz.: Adoxe mosca-

telline, moscatelle, muscatelle, herbe musquee, herbe du musc, petite musquee; engl.:

Moschatel; ital.: Dentaria moscatellina, ranuncolino muschiato, erba fumaria, fumaria.

Taf. 252, Fig. 3, Fig. 143 b bis f und Fig. 144.

Nach dem bisam- (moschus-) artigen Geruch der Blätter heisst das Pflänzchen im Elsass Bisele-krut, in der Schweiz Bisam-Rösli (Aargau), Bismet-Blueme (Appenzell), Moschus-chrut (Churfirsten-gebiet), im romanischen Graubünden müs-ch.

Ausdauernde, zarte, schwach nach Moschus riechende, 5 bis 15 cm hohe Pflanze.Wurzelstock weiss, fleischig, knotig, wagrecht kriechend, mit zahnartigen Niederblätternund einzelnen Laubblättern besetzt. Stengel aufrecht, kahl, nur in oder über der Mitteeinen Blattquirl tragend, sonst unbeblättert. Grundständige Laubblätter lang gestielt,doppelt 3-zählig mit 2- bis 3-spaltigen Blättchen und ganzrandigen oder eingeschnitten2- bis 3-lappigen Abschnitten. Stengelblätter 3, quirlig, kahl, unterseits glänzend, kurzgestielt, 3-zählig mit 2- bis 3-lappigen Blättchen und ganzrandigen oder lappig-einge-schnittenen Zipfeln. Tragblatt selten ausgebildet. Vorblätter klein, rudimentär. Blüten ineinem lang gestielten, endständigen, kugeligen Köpfchen, gelbgrün, etwa 5 mm breit. DieGipfelblüte des Köpfchens mit 2-lappigem Kelch und 4-spaltiger Blumenkrone; die übrigenBlüten mit 3-lappigem Kelch und 5-spaltiger Blumenkrone (Fig. 143 f und e). Staubblätterso viele als Kronblätter, aber gespalten und jede Hälfte eine Anthere tragend (Taf. 252,Fig. 3a); demnach scheinbar 8 oder 10 Staubblätter. Antheren intrors aufspringend. End-blüte mit 4 Griffeln und 4-fächerigem Fruchtknoten; Seitenblüten mit 5 Griffeln und mit5-fächerigem Fruchtknoten. Frucht steinfruchtartig, grünlichgelb, von den bleibenden Kelch-zähnen umgeben, niedergedrückt, kugelig, 4 bis 5 mm breit, anfangs 5- (oder 4-), späterdurch Fehlschlagen weniger-fächerig (Fig. 143 d). Köpfchenstiel zur Zeit der Fruchtreifebogig herabgekrümmt. III bis V (VIII).

Stellenweise in feuchten Gebüschen, Hohlwegen, Hecken, an Waldrändern, in Obst-gärten, in Auenwäldern, in Erlenbrüchen, an schattigen Felsen, Mauern, um Heustadel,Sennhütten, in Baumstrünken; von der Ebene bis in die Alpen (in Bayern bis 900 m,in Kärnten bis 2370 m, im Wallis bis 2000 m, in Graubünden bis 1950 m) verbreitet undvielerorts häufig; streckenweise aber, wie z. B. auf den Nordseeinseln, fehlend.

Allgemeine Verbreitung: Ganz Europa, nördlich bis zum 70. Breitegrad (mitAusnahme von Lappland, Portugal, Sizilien, Sardinien, Korsika, Türkei und vielleicht auchvon Griechenland); Kleinasien, Kaukasus, Sibirien, Kamtschatka; Nordamerika (südlich biszum 35° nördl. Breite).

Der Nektar wird in den unscheinbaren, schwach proterandrischen Blüten von einem fleischigen Ringam Grunde der Staubblätter abgeschieden und ist auch kurzrüsseligen Insekten leicht zugänglich. Die Be-stäubung erfolgt durch Honig und Pollen sammelnde Insekten, nach Sturm durch Dipteren, Chyronimus-Arten,ausserdem durch Ameisen sowie durch eine kleine Schnecke, Hyalfnia m'tens Mich. Die Insekten berührenmit dem Kopf bald die Antheren, bald die Narbe. Bei ausbleibendem Insektenbesuch biegen sich die an-fangs aufrechten Staubblätter gegen die Narbe ein, so dass durch Berührung der Narbe mit den Antherenspontane Selbstbestäubung eintritt. Aber trotz Fremd- und Selbstbestäubung ist es mit der Fruchtbildung sehrschlecht bestellt. An sonnigen Stellen sowie auf trockenem Boden entwickeln sich überhaupt keine Früchte. Einen

*) Vom griech. ädo^og [ädoxos] = unscheinbar, ruhmlos; also die Unscheinbare. Mit diesem Namenwollte Linne zugleich den gegen sein Sexualsystem gerichteten Einwand seiner Gegner, der sich auf die Ver-schiedenheit der Zahlenverbältnisse in den Blüten dieser Pflanze bezog, als einen unscheinbaren kennzeichnen.

2 ) Die Blätter geben einen bisamartigen Duft von sich, während den Blüten ein Fäulnisgeruch entströmt.