Druckschrift 
6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
Entstehung
Seite
207
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

*&

207

Tafel 248.

Erklärung der Figuren.

Fig. 1. Galium cnitiatum (pag. 225). Blütenspross. 1 a. Zwitterblüte von oben (vergrössert). Ib. Männliche Blüte von oben (vergrössert). 1 c. Frucht (vergrössert).

2. Galium rotundifolium (pag. 224). Habitus. 2a. Frucht (vergrössert).

Fig. 2b. Frucht im Querschnitt mit Keimling. 3. Galium palustre (pag. 221). Blütenspross. 3a. Frucht (vergrössert).

4. Galium uliginosum (pag. 221). Blütenspross. 5. Galium boreale (pag. 223). Blütenspross.

DCXCIX. Gälilim 1 ) L. Labkraut. Franz.: Gaillet, caillet; engl.: Bedstraw;

ital.: Caglio, gaglio.

Einjährige oder ausdauernde, krautige Pflanzen mit eiförmigen bis linearen, sitzenden,gegenständigen Laubblättern; zwischen ihnen stehen jederseits 1 bis 4 diesen gleichgestalteteNebenblätter, die Blätter also scheinbar zu 4 bis 10 quirlig. Blüten zwitterig oder polygam-ein-geschlechtig, trugdoldig, sehr selten einzeln, in den Achseln der oberen Blätter stehend,oft zu grossen, rispigen Blütenständen vereint. Kelch fast fehlend. Blumenkrone radförmig(Tat. 249, Fig. 5 a), flach ausgebreitet, 3- bis 5-, meist 4-spaltig mit an der Spitze verdicktenund oft stachelspitzigen Zipfeln. Kronröhre sehr verkürzt. Staubblätter dem Kronsaumangeheftet (Taf. 249, Fig. 3b), aus der Krone hervorragend. Griffel tief zweispaltig (Taf. 249,Fig. 3 c) mit kopfigen Narben (Fig. 115 i). Fruchtknoten unterständig (Taf. 249, Fig. 3 a).Frucht zweiknotig, kahl oder behaart bis weichstachelig (Fig. 121k), bei der Reife in zweiTeilfrüchtchen zerfallend. Samen mit der Fruchtschale verwachsen (Fig. 131 n).

Die Gattung umfasst gegen 300 Arten, von denen über 100 in Europa zu Hause sind. Aus Nord-amerika sind über 30, aus Indien 20, aus Australien 8, aus dem tropischen Afrika 8, vom Kap 14, aus Süd-amerika etwa 5 Arten bekannt.

Von den einheimischen Arten sind ca. 10 Arten (G. cruciatum, rotundifolium, boreale, uliginosum,palustre, Aparine, verum, silvaticum, Mollugo, asperum) als eurasiatisch zu bezeichnen, 6 Arten (G.Pedemontanum,aristatum, cinereum, purpureum, rubrum und vernum) als südeuropäisch-mediterran, 2 Arten (G. rubioides undSchultesii) als osteuropäisch-pontisch, 1 Art (G. Hercynicum) als westeuropäisch-atlantisch, 2 Arten (G. trifidumund triflorum) als hochnordisch-alpin und schliesslich 4 Arten (G. Baldense, anisophyllum, Helveticum undmargaritaceum) als endemisch-alpin. G. anisophyllum und das kalkstete G. Helveticum sind in den Alpen allgemeinverbreitet, während G. Baldense auf die Ostalpen und G. margaritaceum auf die Dolomiten beschränkt ist.Mehrere, meist einjährige Arten (G. spurium, tricorne, Vaillantia, Parisiense) repräsentierenArchaeophyten",d. h. alte, ursprünglich fremde Unkräuter.

Die kleinen, weissen, gelben oder rötlichen, zu rispigen Blütenständen vereinten Blüten der meistenGalium-Arten sondern freiliegenden Honig ab, der auch kurzrüsseligen Insekten leicht zugänglich ist. DieBlüten werden daher auch vorzüglich von Fliegen und Käfern besucht, die den Pollen wahrscheinlich mehrmit den Füssen als mit dem Rüssel von einer Blüte zur andern tragen. Bei allen Arten ist übrigens Selbst-bestäubung durch Herabfallen des Pollens auf die Narben tieferstehender Blüten möglich.

Von Missbildungen werden getrennte oder verwachsene Nebenblätter, Zwangsdrehung des Stengels,sowie 3-, 5- und 6-zählige Blüten erwähnt. Früchte von Galium Aparine, spurium, palustre und Mollugo sindin den neolithischen Pfahlbauten nachgewiesen worden und zwar wurden sie zuweilen in solcher Menge ge-funden, dass sich die Vermutung aufdrängt, sie seien vom prähistorischen Menschen zu irgendeinem Zweckeverwendet worden. In Irland werden die Früchte von Galium Aparine noch heute als Kaffeesurrogat benützt.Früher fand das Kraut von Galium verum (Herba Galii lutei), G. Aparine (Herba Galii Aparinis) undG. Mollugo (Flores et Herba Galii albi) medizinische Anwendung gegen Wassersucht, bei Brust-und Leber-leiden, bei Hautkrankheiten. Als Viehfutterpflanzen haben die Galium-Arten keine grosse Bedeutung, obgleichdas grüne Kraut von G. Mollugo und rotundifolium vom Vieh gern genommen wird. Beim Dörren wird dasKraut schwarz und liefert ein schlechtschmeckendes Heu. Galium verum ist eine beliebte Bienenblume. Das

') Vom griech. yäla [gäla] = Milch; weil das Kraut ähnlich wie das Labferment des Magens dieMilch zum Gerinnen bringt. Auch der deutsche Name Labkraut ist auf diese Eigenschaft der Pflanze zurück-zuführen. Lab = innere Haut des 4. Magens junger Kälber.