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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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Zahlreiche orangerote Larven finden sich im Innern der taschenförmigen Galle, besonders in ihrem unterenTeile. An verschiedenen Veronica-, Linaria-, Serophularia-Arten bringen Gallmücken und RüsselkäferMissbildungen an Blüten hervor. In der Regel bleiben dieselben geschlossen und die Fortpflanzungsorgane bleibenrudimentär oder sind missgebildet. Bemerkenswert sind die durch die Gallmücke Asphondylia verbasci hervor-gerufenen Blütengallen an Verb ascum-Arten, bei denen die Innenseite der Galle von Pilzmyzel ausgekleidet ist,

das augenscheinlich mit der Ernährung der Larvenin biologischem Zusammenhang steht, da es inkeiner Galle fehlt und das Galltier zusammen mitdem Pilz stets seine normale Entwicklung durch-macht. Vergrünung von Blüten, verbunden mitZweigsucht usw., wird bei verschiedenen Artendurch Gallmilben verursacht, z.B. bei Veronicaofficinalis und Chamaedrys durch Erio-phyes äneeps. Gefüllte Blüten werden beiVeronica officinalis durch eine noch nichtnäher bekannte Gallmilbe hervorgerufen. Weitverbreitet sind auch Fruchtgallen, die besondersRüsselkäfer als Erregerhaben. Diejenigen an Vero-nica Anagallis (Fig. 78d) und anagalloidessind die grössten und daher auffallendsten und wer-den durch Gymnetron villösulus bedingt, die-jenigen von V. Beccabunga und scutellatadurch Gymnetron Beccabüngae, die vonLinaria vulgaris durch Gymnetron antir-rhfni und netum (Mitgeteilt von Dr. H. Ross,München.)

Fig. 78. a und b Fleischige Gallen von Rüsselkäfern an den Spross-achsen von Linaria vulgaris, c Sprossspitzen-Gallen an VeronicaChamaedrys. d Fruchtgallen an Veronica Anagallis.

118. Fam. Orobanchäceae. Sommerwurzgewächse.

Einjährige oder ausdauernde, nicht grün gefärbte, schmarotzende Pflanzen. Stengel ein-fach oder wenig ästig. Laubblätter schuppenförmig. Blüten in endständigen Trauben, selteneinzeln, zwitterig, 2-seitig symmetrisch. Kelch röhrig, 2- bis 5-zähnig oder aus 2 seitlichen,1- bis 2-zähnigen, vorn oft verwachsenen Teilen bestehend (Taf. 245, Fig. 2b). Blumenkroneverwachsenblätterig, röhrig, mit 2-lippigem Saum; die Oberlippe 2-spaltig oder ungeteilt, dieUnterlippe 3-lappig. Staubblätter 4, 2-mächtig, der Blumenkronröhre eingefügt. Antheren amRücken, selten seitlich befestigt, der Länge nach aufspringend (Taf. 245, Fig. 2 a). Fruchtknotenoberständig, aus 2 oder seltener3 Fruchtblättern gebildet, stets 1-fächerig (Taf.245, Fig.2d), mit2 oder 4 gelappten, wandständigen Plazenten. Griffel 1 (Fig. 90 d, h). Narbe 2- bis 4-lappigoder trichter- oder scheibenförmig. Samenknospen zahlreich, anatrop. Frucht eine fach-spaltig aufspringende, vielsamige Kapsel (Taf.245, Fig. 2c). Samen zahlreich, klein (Fig. 84kund 90 e). Keimling ungegliedert, wenigzellig (Fig. 79g), im fettreichen Nährgewebe eingebettet.

Die Familie umfasst ca. 10 Gattungen, die sich auf 120 Arten verteilen, von denen die weitaus grösste Zahl(ca. 100) auf die Gattung Orobanche entfällt. Fast alle Arten gehören der nördlichen Hemisphäre an und zeigen inder gemässigt wärmeren Zone ihren grössten Artenreichtum. In der neuen Welt sowie in den Tropen finden sich nurartenarme Gattungen. Die Orobanchäceae werden häufig als eine parasitische Seitenlinie derGesneraceen aufgefasst, vondenen sie sich aber durch den vollkommen oberständigen Fruchtknoten unterscheiden. Von den Scrophulariaceen, mitdenen sie ebenfalls vieles gemein haben, trennt sie genügend der 1-fächerige Fruchtknoten (vgl. übrigens Lathraea).

DCXCI. Orobanche 1 ) L. Sommerwurz,Würger. Franz.: Orobanche,fausse asperge,boy-aux du diable; engl.: Broomrape; ital.: Succiamelei, branchia d'orso, mal d'oechio, sparagioni.

Die Volksnamen der Angehörigen dieser Gattung deuten zum grossen Teil auf die Schädlich-keit des Schmarotzers hin: Kleeteufel, Kleewürger (Büchername und volkstümlich), Kleepuppe,Puppe (Rheinprovinz), Kleefresser (Württemberg), Chlezapfe (Aargau); Hempblom [Hanfblume

*) Griech. ögoßdyzV [orobanche] bei Dioskorides mat. med. II 142 Name einer auf Hülsenfrüchtlernschmarotzenden Pflanze; angeblich vom griech. ögoßog [örobos] = eine Linsenart und ay%tiv [änchein] = würgen.