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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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DCLXXXIV.

Melämpyrum 1 ) L. Wachtelweizen,engl.: Cow-wheat; ital.: Melampiro.

Franz.: Melampy re;

Einjährige Halbschmarotzer mit grünem, beblättertem Stengel. Laubblätter gegen-ständig, ungeteilt, ganzrandig oder am Grunde gezähnt. Blüten in lockeren oder dichten,tragblätterigen Trauben. Kelch röhrig, fünfzähnig. Blumenkrone mit deutlicher, nachoben allmählich erweiterter Röhre und zweilippigem Saum (Taf. 241, Fig. la); die Ober-lippe helmartig mit etwas eingeschlagenen Rändern, die Unterlippe flach, kurz dreilappig.Staubblätter zweimächtig, der Blumenkronröhre eingefügt (Taf. 241, Fig. 3a). Anthereneinander paarweise genähert, mit gleichen, getrennten Fächern (Taf. 241, Fig. 2b). Frucht-knoten zweifächerig, mit je zwei Samenanlagen in jedem Fach. Frucht eine fachspaltigeKapsel mit zweisamigen Fächern. Samen ellipsoidisch, gross (Taf. 241, Fig. 4b), glatt.

Die Gattung umfasst 25 einander sehr nahestehende Arten, von denen 3 in Japan, 1 in Ostindien,1 im östlichen Nordamerika zuhause sind; die übrigen Arten bewohnen Europa und Vorderasien.

Die Melämpyrum-Arten sind, wie auch die Arten von Pedicularis, Euphrasia, Alectorolophus usw. Halb-schmarotzer, d.h. Pflanzen, welche mit Hilfe eigener Saugwurzeln aus der Wurzel ihrer Wirtspflanze Nahrungsstoffeentnehmen, andrerseits aber auch befähigt sind, durch ihre chlorophyllhaltigen Laubblätter die Kohlensäure derLuft zu Nahrungsstoffen zu assimilieren. Kulturversuche haben ergeben, dass als Wirtspflanzen für Melämpyrumbarbatum und M. arvense hauptsächlich Gräser und krautartige Pflanzen in Betracht kommen, währendM. pratense, M. silvaticum und M. nemorosum hauptsächlich auf Holzgewächsen (verschiedenen Waldbäumen,aber auch auf Heidelbeeren) schmarotzen. Versuche, Melämpyrum silvaticum und M. pratense ohne Wirts-pflanze zu kultivieren, gelangen nicht; es wurden nur kümmerliche Exemplare, die nicht zur Blüte gelangten,erzielt. Es sind daher auch die wiederholt beobachteten Haustorien, welche Humus, Gesteinstrümer undandere tote Gebilde erfassen, nur als funktionslose Organe anzusehen. Näheres bei Heinricher in Prings-heims Jahrbüchern f. wissenschaftl. Botanik, Band XLVI, Heft 3.

Die Melampyrum-Arten besitzen ein einen einseitigen Lappen am Grunde des Fruchtknotens dar-stellendes Nektarium, das reichlich Honig absondert; letzterer sammelt sich im Grunde der Kronröhre an. Dielange, enge Kronröhre lässt nur langrüsselige Insekten, besonders Hummeln, bis zum Honig gelangen, welchedann mit ihrem Kopf an die eng aneinanderliegenden und so einen gemeinsamen Behälter für den Pollen bildendenAntheren anstossen und sich so den Pollen auf den Rücken laden. Noch vor den Antheren aber wird dieNarbe gestreift und auf diese Weise Fremdbestäubung vermittelt. Doch kommt bei fehlendem Hummelbesuchauch Selbstbestäubung zustande. Mehrere Melampyrum-Arten besitzen überdies am Grunde ihrer Tragblätternektarabsondernde Trichome, durch welche besonders Ameisen angelockt werden. Letztere spielen bei derSamenverbreitung der Wachtelweizen-Arten eine wichtige Rolle, da sie die an Gestalt und Grösse den Ameisen-puppen ähnlichen Samen (Taf. 240, Fig. 4b) in ihre Nester schleppen.

Nach den Untersuchungen von K. Ronniger (Vierteljahrschr. d. naturf. Gesellsch. Zürich, LV.) trittdie Mehrzahl der einheimischen Melampyrum-Arten in drei verschiedenen Unterarten oder Rassen auf, nämlich1. in einer spät blühenden, reichverzweigten Form tieferer Lagen mit mehreren Paaren vonInterkalarblättern",d. h. Blattpaaren, die zwischen dem obersten Astpaar und dem endständigen Blütenstand eingeschaltet sind:Talrasse; 2. in einer meist früher blühenden, etwas weniger reichverzweigten Form höherer Lagen mit0 bis 2 Paaren von Interkalarblättern, mit zahlreichen unteren Internodien und schräg nach aufwärts gerichtetenAesten: montikole Rasse; 3. in einer früh blühenden Wiesenform ohne Interkalarblätter mit wenigen, ge-streckten Internodien, zur Blütezeit meist noch vorhandenen Kotyledonen und wenigen, kurzen und schräg auf-wärts gerichteten Aesten: aestivale Rasse. Ueberdies kommt bei einzelnen Arten noch eineAckerrasse"und eineHochgebirgsrasse" vor. Ronniger vermutet, dass die Talrasse die ursprünglichste Form darstellt,aus der sich unter dem Einfluss der Wiesenmahd durch Selektion die früher blühende aestivale und Ackerrasseentwickelt habe, während die der aestivalen Rasse habituell ähnliche montikole Rasse durch Anpassung an dasGebirgsklima mit seiner kürzeren Vegetationsperiode aus der Talrasse entstanden sei.

1. Blüten in sehr dichten, allseits wendigen, ei- oder kegelförmigen oder vierkantigen Aehren 2.1*. Blüten in lockeren, einseitswendigen Trauben oder aber die Blüten einzeln, blattwinkelständig 4.

2. Tragblätter in der Mitte längsgefaltet, eiförmig, kämmig-gezähnt. Aehren dicht dachziegelig,vierkantig............................M. cristatum nr. 86.

] ) Von griech. aeXag [melas] = schwarz und nvQÖg [pyrös] = Weizen.