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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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117- Fam. ScrophulaHäceae*). Rachenblütler.

Einjährige oder zweijährige Kräuter oder Stauden, selten Holzgewächse oder gar (abernicht in Europa) Bäume (Paulöwnia). Laubblätter Wechsel- oder gegenständig, meist un-geteilt, ohne Nebenblätter. Blüten meist in traubigen oder trugdoldigen Blütenständen,seltener einzeln, stets + deutlich zygomorph. Kelch frei- oder verwachsenblätterig, 4- bis 5-blätterig. Blumenkrone verwachsenblätterig, fünfteilig bis fünflappig oder durch Verwachsenzweier Lappen vierteilig (Veronica), sehr verschieden gestaltet, radförmig, mit kurzer Röhreund fast regelmässigem Saum (Verbäscum, Taf. 234, Fig. 1 bis 4; Veronica, Taf. 238,Fig. 3 a), häufiger mit krug- bis röhrenförmiger Röhre und ± deutlich zweilippigem Saum,wobei die Oberlippe aus zwei, die Unterlippe aus drei Lappen gebildet wird (Scrophularia,Taf. 236, Fig. 4a; Melampyrum, Taf. 241, Fig. 1 a, 4a; Pedicularis, Taf. 243, Fig. 1), dieRöhre der Blumenkrone am Grunde mitunter gesackt (Antirrhinum, Taf. 236, Fig. 1) odergespornt (Linaria, Taf. 235, Fig. 4a), der Schlund der Blumenkrone zuweilen durch eine Aus-stülpung der Unterlippe verschlossen,maskiert" (Linaria, Taf. 239, Fig. 4, 4a). Staub-blätter fünf (Verbäscum), meist aber durch Abort des obersten (hintersten) nur vier und diesedann meist zweimächtig, oder nur zwei (Veronica, Wulfenia). Diskus hypogyn, ringförmig.Unter dem Fruchtknoten meist ein ringförmiges oder mehrere seitliche Nektarien. Frucht-knoten oberständig, aus zwei median gestellten Fruchtblättern gebildet, zweifächerig, sel-tener einfächerig. Griffel 1 mit zwei Narben. Samenanlagen meist zahlreich, an marginalen,meist scheidewandständigen Plazenten angeheftet, anatrop. Frucht eine Kapsel, die sichauf verschiedene Weise öffnet, selten eine Beere. Samen klein und zahlreich oder grossund wenige, verschieden gestaltet. Keimling gerade oder gekrümmt, im Nährgewebeeingeschlossen.

Diese etwa 2600 Arten umfassende Familie wird am besten in drei Unterfamilien geteilt: a) Pseu-dosoläneae. Die zwei oberen Kronzipfel die seitlichen deckend. Meist alle fünf Staubblätter entwickelt.Nektarien fehlend oder blumenkronartig. Laubblätter stets alle wechselständig, b) Antirrhinof deae. Staub-blätter 2 bis 4. Krondeckung wie bei voriger oder wie bei folgender Unterfamilie. Nektarien am Grund desFruchtknotens, meist ringförmig. Autotrophe Pflanzen (Antirrhinum bis Erinus). c) Rhinanth oideae. Diedrei unteren Kronzipfel in der Knospe die oberen deckend. Nektarien am Grunde des Fruchtknotens. Schmarotzeroder Halbschmarotzer (Melampyrum bis Lathraea). Die Familie der Scrophulariaceen ist in den wärmeren undgemässigten Gebieten der ganzen Erde verbreitet; einige Gattungen (Veronica, Euphrasia, Pedicularis) kommenauch noch im arktischen Gebiete vor. Im Mediterrangebiete von Europa und in Vorderasien sind besonders diePseudosolaneen mit den Gattungen Verbäscum und Celsia sowie Scrophularia, Linaria und einigeGattungen der Rhinanthoideae (Trixägo, Parentuce 1 Iia) sehr verbreitet. In Zentral- und Nordasien ist ins-besondere die Gattung Pedicularis reich entwickelt, ferner auch Scrophularia und Melampyrum; inJapan tritt die baumförmige Gattung Pauldwnia auf. Südafrika und die afrikanischen Gebirge sind dieHeimat der Gruppe der Selagineae mit den Gattungen Selägo und Hebens treitia; in Südafrika sind auchdie mitLathraea verwandten Gattungen Harveia undHyobänche heimisch. Nordamerika ist insbesonderedie Heimat der grossen Gattungen Mimulus und Pentstemon. In Australien und Neuseeland tretenzahlreiche, z. T. immergrüne Veronica-Arten auf.

Wegen der schönen Blüten finden zahlreiche Scrophulariaceen als Zierpflanzen Verwendung. MehrereArten der südamerikanischen Gattung Calc eo läria 2 ) mit sehr kleiner Oberlippe und schuhförmig aufgeblasenerUnterlippe gehören zu den beliebtesten Garten-und Topfpflanzen, insbesondere C. arachnoidea Grah., C. corym-bosa Grah., C. crenatifölia Grah. und zahlreiche künstliche Hybriden derselben. Paulöwnia 3 ) tomentösaBaill. (= r imperialis Sieb, et Zucc.) mit ihren grossen hellblauen, wohlriechenden Blüten ist einer der schönstenZierbäume unserer Anlagen. Häufig kultiviert werden ferner Collinsia*) bicolor Benth. mit zu dreien quir-ligen, eilanzettlichen, gesägten Blättern und in Scheinquirlen stehenden Blüten mit weisser Ober- und violetter

') Vgl. bei der Gattung Scrophularia nr. DCLXXV.

2 ) Von lat. calceolus = kleiner Schuh, Pantoffel; vgl. Cypripedium calceolus Bd. II, pag. 326.

3 ) Nach der russischen Prinzessin Anna Paulowna, Tochter des Kaisers Paul I.*) Nach Z. C ollin s, Vicepräsident der naturf. Gesellschaft in Philadelphia.