Druckschrift 
1 (1914) Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
28
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

28

Metalloide.

konzentrierter Schwefelsäure dar. Die Pyroschwefel-säure kann aufgefaßt werden als ein extramolekularesAnhydrid der Schwefelsäure:

2H 2 S0 4 H 2 0:

H 2 S 2 0 7 ,

SO,

oder als eine Verbindung von Schwefeltrioxyd

mit konzentrierter Schwefelsäure:

S0 3 + H 2 S0 4 ==H 2 S 2 0 7 .

Früher, schon um 1525, gewann man rauchende Schwefel-säure namentlich in Nordhausen am Harz und in Böhmendurch Erhitzen von geröstetem Eisenvitriol in Tonretorten.

6FeS0 4 + 30 = Fe 2 0 3 -f 2Fe 2 (S0 4 ) 3 ;Fe 2 (S0 4 )3 = Fe 3 0 3 + 3S0 3 .

Eisenvitriol geht zunächst über in Ferrisulfat, das inder Glühhitze in S0 3 und Pe 2 0 3 zerfällt. Das abdestillierteSchwefeltrioxyd wurde in konzentrierter Schwefelsäure ge-löst. Läßt man den Eisenvitriol an feuchter Luft vorhersich oxydieren, so entsteht zunächst basisches Ferrisulfat,das bei der Destillation sofort Pyroschwefelsäure liefert.

Fe 2 (S0 4 ) 2 (0H) 2 = Fe 2 0 3 + H 2 S 2 0 7 .

Nach diesen Methoden stellte man früher in Nordhausenauch die Schwefelsäure dar, indem man das Destillat inWasser auffing; daher rührt auch noch die Bezeichnung,Vitriolöl für Schwefelsäure; vgl. S. 26.

Das nach diesem Verfahren als Nebenprodukt ge-wonnene Eisenoxyd findet als Anstrichfarbe Verwendung,Caput mortuum, Totenkopf, Colcothar, Pariser-rot, Englischrot, Terra anglica rubra; s. S. 128.

Zurzeit stellt man rauchende Schwefelsäure dar, in-dem man nach dem Kontaktverfahren (S. 26) gewonnenesSchwefeltrioxyd in konzentrierter Schwefelsäure löst.

Eeine Pyroschwefelsäure H 2 S 2 0 7 bildet bei 35°schmelzende Kristalle, die sich in Wasser unter Er-hitzen lösen. Die rauchende Schwefelsäure des Handels,deren Gehalt an Pyroschwefelsäure 4075 °/ 0 beträgt,