Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
383
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

383

Tafel 76.

Erklärung der Figuren.

Fig. 1. Epipogium aphyllum. Habitus. 1 a. Längsschnitt durch eine Rhizomspitze. 2. Listera ovata. Habitus. 3. Listera cordata. Habitus.4. Neottia Nidus avis. Habitus.

Fig. 5.

» 6.

6a

.. 7.

8.

Liparis Loesdii. Habitus.Malaxis monophyllos. Habitus.Blüte vergrössert.Malaxis paludosa. Habitus.Coraüorrhiza innata. Habitus.

mittleren äusseren Perigonblatt umhüllt. Pollinien ungestielt, zu 2, ungeteilt, dem quer-eiförmigen, 2-lappigen Klebkörper anhängend. Fruchtknoten 6-kantig, allmählich in denStiel übergehend, nicht gedreht. Narbenhöhle breit, fast oval. V bis VII.

Selten an bewachsenen Bergabhängen, in sonnigen Föhrenwäldern, an Weinbergen,an dürren Hügeln, in Eichenwäldern; in den Tälern der Südalpen bis 1200 m ansteigend.Gern auf Kalk.

In Deutschland nur im westlichen Teile in Baden (Kaiserstuhl, Forlenwald bei Kenzingen), Elsass-Lothringen (Mülhausen, Lützeltal, Metz), in der Rheinprovinz (im Moseltal bei Machtum, im Siretale beiMertert, im sog. Ralinger Röder des Sauertales, Casbachtal bei Linz a. Rh.). In Oesterreich vereinzelt inMähren (Gurdau bei Auspitz, Klobouk), in Niederösterreich (vom Kahlenberg durch den Wiener Wald stellen-weise bis nach Reichenau; im Leithagebirge), in Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten (einzig an2 Stellen bei Oberdrauburg, unter der Ruine Hohenburg auf dem Rosenberge [Preissmann] und im Burgforstvon Oberdrauburg nach Zwickenberg [Keller]), Krain und Südtirol (im Etschtal aufwärts bis Meran). In derSchweiz im Süden und Westen (am südlichen Jurarand westlich bis Gerlafingen [hier jetzt erloschen], fernerbis in den Bezirk Rheinfelden [Mägden, Olsberg] und bis Bern); ausserdem ganz vereinzelt in Graubünden(Scheid im Domleschg, 1000 m; hier neben Galium rubrum).

Allgemeine Verbreitung: Mittelmeergebiet (im Westen nördlich bis an denNiederrhein, bis Luxemburg, Belgien und durch Ungarn bis Ost-Mähren), Transkaukasien.

Dieser echt mediterrane Typus verhält sich pflanzengeographisch ähnlich wie Himantoglossum (nr. 703)und Aceras (nr. 702). Sehr oft (nach Pedicino regelmässig) findet bei Limodorum Selbstbestäubung statt.Die Vermehrung durch Samen scheint, wie bei Epipactis, Neottia und Cephalanthera, etwas häufiger zu seinals auf vegetativem Wege (Christ. Rameau de sapin, vol. 40, 1900).

CXCVI. Epipogium 1 ) Sw. Oberkinn, Widerbart, Bananen-Orchis.

Zu dieser Gattung gehört einzig die folgende, saprophytisch lebende Art.

723. Epipogium aphyllum (Schmidt) Sw. (= Epipögon Gmelini Rieh., = E. Epipogium.

Karsten, = Orchis aphvllus Schmidt, = Limodorum Epipogium Sw., = Satyrium Epipogium L.)

Blattloses Oberkinn. Taf. 76, Fig. 1, Taf. 68, Fig. 3 und 4 und Fig. 445.

Ausdauernd (oder auch 2-jährig ?), (5) 10 bis 20 (32) cm hoch, blassgelb. Grund-achse braun, fleischig, ohne Wurzeln, korallenartig oder elengeweihartig verzweigt, mitziemlich langen (bis mehrere dm), weissen, dünnen, kleine Schuppenblätter tragendenAusläufern, oberwärts mit einem becherförmig erweiterten Niederblatte, aus welchem derBlütenstengel hervortritt. Stengel zart, saftig, röhrig, kahl, etwas durchscheinend, blassgelb,oberwärts häufig rötlich oder violett überlaufen, blattlos und mit wenigen, anliegenden,fast gestutzten, spitzen, gelblichen, zuweilen rötlich berandeten, -±- stengelumfassenden

') Gr. inC [epf] = auf, aufwärts und jitiyav [pogon] = Bart; nach der Stellung der Lippe. Diehäufig vorkommende Bezeichnung Epipögon ist nach Schinz und Thellung (Bull, de l'Herb. Boissier 1907)zu verwerfen.