Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
372
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

372

CXCII. Piatanthera 1 ). Breitkölbchen.

Knollen ungeteilt. Blätter ungefleckt, meist (bei uns immer) 2, dem Grunde desStengels genähert. Lippe ungeteilt (Taf. 68, Fig. 16 und Fig. 439 b). Tragblätter kraut-artig. Sporn länger als der gedrehte Fruchtknoten. Staubbeutel ganz verbunden, mitparallelen oder spreizenden (Fig. 439b) Fächern. Schnäbelchen kurz, niedrig, ohne deutlichenFortsatz. Klebkörper scheibenförmig, nackt, den Seitenlappen des Schnäbelchens aufsitzend.

Die Gattung ist mit ca. 70 Arten in den gemässigten und tropischen Gebieten der ganzen Erdeverbreitet.

1. Pollenfächer meist parallel stehend, einander genähert (Taf. 68, Fig. 16). Sporn fadenförmig,gleich dick. Blüten stark duftend....................P. bifolia nr. 713.

1*. Pollenfächer unten weit auseinander tretend (Fig. 439 b). Sporn keulenförmig. Blüten fast nichtduftend............................ P. chlorantha nr. 714.

713. Piatanthera bifölia (L.) Rieh. (= P. solstitialis Boenningh., = Örchis bifölius L.,

= Gymnadenia bifölia Mey., = Lysias bifolia Salisb., = Satyrium bifölium Wahlenb.).

Zweiblätteriges Breitkölbchen. Engl.: Butterfly Orchis; ital.: Bisorchis, Foglie

d'uovo, Cipolla da due foglie. Taf. /4, Fig. 7 und Taf. 68, Fig. 16.

Nach dem angenehmen Duft heisst die Pflanze Waldhyazinthe (Braunschweig, Schlesien. Kärnten);Waldfeigel (Steiermark); Maierisli (Baden: Vögisheim), Falkrikan (Böhmerwald) vgl. Convallaria majalis,{pag. 273). Den weissen Blüten verdankt die Pflanze Namen wie Waldlilie (Kärnten); Weisser Nacht-schatten (Westpreussen: Carthaus). AusOrant" (vgl. Antirrhinum) ist Uranken (Sassnitz auf Rügen)geworden. Frauentränen (Kärnten) bezieht sich wohl auf die Form der Blüten oder ist von Orchis(vgl. pag. 336) auf diese Gattung übertragen worden. Die Bezeichnung Stierkraut (Oststeiermark) weistdarauf hin, dass Piatanthera ebenso wie Orchis bei Rindern als Aphrodisiacum benützt wird.

Ausdauernd, (15) 20 bis 50 (60) cm hoch. Knollen ungeteilt, ziemlich gross, etwaslänglich, fast rübenförmig, allmählich in eine Wurzel verschmälert. Stengel aufrecht oderzuweilen etwas hin und hergebogen, hohl, ± kantig, blass gelbgrün, am Grunde mit 2schmal-lanzettlichen, zugespitzten, braunen Scheidenblättern. Laubblätter kahl, hellgrün,glänzend, die grundständigen in der Regel zu 2, oval bis länglich, an den Rändernzuweilen etwas kraus, zumeist in einen geflügelten Stiel verschmälert, mit zahlreichenLängsnerven; am Stengel ausserdem meist 1 bis 3 kleinere, lanzettliche, spitze, ± tragblattartigeBlätter (seltener am Stengel noch ein drittes [f. trifoliata Thielens] oder ein viertes[f. quadrifölia Peterm.] länglich-ovales Laubblatt). Blütenstand meist locker, fastzylindrisch. Tragblätter lanzettlich bis eiförmig-lanzettlich, 5- bis mehrnervig (mit starkemMittelnerven), gelblichgrün. Blätter ziemlich gross, weisslich, angenehm (besonders abendsund nachts, sowie bei trübem Wetter) nach Maiblumen duftend. Perigonblätter frei, ziemlichgleichlang, die äusseren weiss, stumpf (das mittlere etwas kürzer und breiter), die seitlicheninnern meist grünlichgelb (seltener weiss oder gelblich), kürzer, fast sichelartig gekrümmt(Taf. 68, Fig. 16), ungefähr doppelt so lang als das sehr stumpfe Säulchen, mit dem mittlerenäusseren locker zusamenneigend. Lippe ungeteilt, 10 bis 15 mm lang und bis 2,5 mm breit,zungenförmig, nach vorn verschmälert, nach abwärts gerichtet, ganzrandig, grünlichweiss.Sporn fadenförmig, 13 bis 21 mm lang, l l ji bis 2mal so lang als der linealische, gedrehtebis fast S-förmig gekrümmte Fruchtknoten, ziemlich wagrecht abstehend, mit nach abwärtsgebogener Spitze, nach der Spitze zu gewöhnlich verschmälert, weiss bis grünlichweiss, ander Spitze fast stets grünlich und mit Honig gefüllt. Staubbeutel schmal, mit einandergenäherten, gewöhnlich parallel verlaufenden (seltener oben etwas zusammenneigenden)Hälften. Pollinien hellgelb. Klebdrüsen flach. V bis VII.

') Gr. a/.atvg [platys] = breit und dwffojgd [antherd von v.vdo; Blüte]

Staubbeutel.