356
Fig. 434. Gruppe von Orchis sambucinus L., bei Salvan im Wallis.Phot. E. Ganz, Zürich.
700. Orchis sambucinus 1 ) L. (= O. Schleichen Sweet, = O. saccätus Rchb., = O. salinusFronius, = O. pallens Moritzi nee L.). Holunder-Knabenkraut. Taf. 73, Fig. 2,
Fig. 420 h und Fig. 434.Ausdauernd, 10 bis 25 cm hoch. Knollen länglich-spindelförmig oder fast zylindrisch,ziemlich dick, anfänglich ungeteilt und ohne Nebenwurzeln, später an der Spitze kurz2-lappig oder durch weitere Spaltung handförmig-geteilt (Fig. 420h). Stengel hohl, blass-grün, zuweilen etwas kantig, am Grunde mit weiten, spitzen Scheidenblättern, bis über die
Mitte hinauf beblättert. Laub-blätter länglich, zu 4 bis 6, lebhaftgrün, stets ungedeckt, stumpf oderspitz, stark nervig, aus schmäleremGrunde länglich bis lanzettlich.Blütenstand kurz-eiförmig, zuletztzylindrisch, ziemlich dicht- undreichblütig, Blüten hellgelb odernicht allzu selten trübpurpurrotbis fleischfarben (f. purpüreusKoch), geruchlos oder schwachnach Holunder duftend. AeusserePerigonblätter eiförmig-lanzettlich,stumpf, 3-nervig, abstehend; dieseitlichen innern kürzer, länglich-eiförmig. Lippe 8 bis 10 mm lang,nach abwärts gebogen, fast so lang als die äusseren Perigonblätter, flach, etwas dunklergefärbt (zuweilen mit rötlichen Punkten oder Flecken), rundlich oder eiförmig, am Grundeschwach sammetartig behaart, seicht- bis undeutlich 3-lappig (Taf. 73, Fig. 2 a), seltener5-lappig. Mittellappen stumpf, ganzrandig oder etwas ausgerandet, schmäler als die stumpfenSeitenlappen. Sporn so lang oder etwas länger als der Fruchtknoten, kegelförmig-walzlich,leicht gekrümmt, nach abwärts gerichtet. Säulchen stumpf. Samen mit netziger Schale. — IV, V.Stellenweise auf trockenen Wiesen, gern auf Bergwiesen, buschigen Abhängen, auflichten Waldstellen; stellenweise von der Ebene bis in die Voralpen (im Wallis bis 2000 m).Diese prächtige Orchidee, welche zuweilen gesellig — in beiden Farben gemischt — auftritt, zeigtim südlichen und mittleren Deutschland ein sehr zerstreutes Verbreitungsareal (in Bayern selten und nurim nördlichen Gebiet sowie in der Pfalz [früher in Südbayern bei Harlaching und Massenhausen an derMoosach]; in Württemberg ganz fehlend). In der norddeutschen Ebene nur in der Nieder-Lausitz, im Oder-und Warthegebiet, in Hinterpommern (Natzmershagen bei Rügenwalde). Fehlt auch im Nordwesten (fürWestfalen zweifelhaft) vollständig; in der Rheinprovinz einzig bei Kreuznach und Trier. — Aendert wenig ab:f. bracteäctusM. Schulze. Laubblätter und Tragblätter sehr stark entwickelt, letztere bis 36 mm lang und bis7 mm breit, die obern die Blüten überragend (Zerstreut). — Von Unkundigen wird diese Art leicht fürO. incarnatus subsp. ochroleucus gehalten (vgl. pag. 352).
Allgemeine Verbreitung: Zerstreut durch Süd- und Mitteleuropa (nördlich bisSüdskandinavien; fehlt in Belgien, Holland, Grossbritannien sowie in der ungarischen Tief-ebene und in der immergrünen Region des Mittelmeergebietes).
Eine weitere Orchis-Art, welche nahe an der Grenze des Gebietes (zw. Menaggio und Tremezzo amComersee sowie mehrfach in Istrien [u. a. bei Görz], jedoch nicht in Süd-Krain) vorkommt und deshalb imSüden vielleicht noch aufgefunden werden könnte, ist O. papilionäceus L., aus dem Verwandtskreis vonO. Morio. Lippe aber ungeteilt, hellviolett oder violettrosa, mit purpurroten Adern. Blütenstand ziemlich locker,mit 6 bis 10 grossen Blüten. Untere Tragblätter länger als der Fruchtknoten. Sporn kegelförmig, nachabwärts gerichtet, wenig gekrümmt, '/« bis 2 /3 so lang als der Fruchtknoten.
1 ) Vgl. Iris sambucina, Bd. II, pag. 290. Die Blüten dieser Art duften zuweilen schwach nach Holunder.