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Tafel 72.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Orchis maculaius. Habitus.„ 2. Orchis globosus. Habitus.„ 3. Orchis latifolius. Habitus.
Fig. 3 a. Knollen.
4. Orchis militaris.
Habitus.
Formen bekannt geworden. O. purpureus erscheint gern in den Laubwäldern, besonders in dem Heidewald oderin den Eichenwäldern (daselbst im Oberelsass mit Orchis Simia (pag. 342), Inula salicina, Vicia tenuifolia,Coronilla varia, Anacamptis [Bd. II, pag. 334], Ophrys-Arten [vgl. Bd. II, pag. 331], Melampyrum cristatum etc.).
688. Orchis globosus L. (= O. Halleri Crantz, = Traunsteinera globösa Rchb.).Kugel-Knabenkraut. Taf. 72, Fig. 2 und Fig. 425.
Ausdauernd, 15 bis 50 cm hoch. Knollen länglich, ungeteilt, mit kurzen Neben-wurzeln. Stengel aufrecht, gelblichgrün, gerade oder etwas hin und hergebogen, am Grundemit 2 oder 3 spitzen, braunen Scheidenblättern besetzt. Laubblätter nur wenige, ziemlichaufrecht abstehend, langscheidig, ungefleckt, besonders auf der Unterseite bläulich-grün,das oberste schuppenartig, spitz. Blütenähre anfänglich kurz pyramidenförmig, dann fastkugelig, zuletzt kurz zylindrisch, mit zahlreichen, kleinen, schmutzig-hellpurpurroten oderrosafarbenen, sehr selten rein weissen, schwach riechenden Blüten. Tragblätter so lang oderlänger als die Fruchtknoten, schmal-lanzettlich, zugespitzt, 1- bis 3-nervig, hellgrün (amRande purpurn bis violett), Perigonblätter frei, zuerst helmförmig zusammenneigend,später glockig abstehend, gewöhnlich mit verdickter Spitze (Fig. 425 a, c, d). Sporn dünn,fast zylindrisch, etwa x jz bis J / 2 so l an g a l s der Fruchtknoten, hellrosa - violett. Lippedunkler punktiert, 5 bis 8 mm lang, vorgestreckt oder aufrecht-abstehend, schmal, 3-spaltigoder 3-lappig. Seitenlappen ziemlich klein, rhombisch oder fast 3-eckig, vorn gewöhnlichgestutzt (Fig. 425 b). Mittellappen grösser, länglich, gestutzt oder ausgerandet, zuweilenin der Ausrandung mit einem kleinen Spitzchen. Pollinien blassgelb. — V bis VIII.
Ziemlich zerstreut auf feuchten Gebirgswiesen, an kräuterreichen Abhängen derAlpen und Voralpen und des Jura, von ca. 1000 bis 2400 m;besonders im Kalk- und Schiefergebirge.
Allgemeine Verbreitung: Pyrenäen, Alpenkette, Jura,Appenninien, Karpaten, Balkan, Kaukasus, Podolien, südwestlichesRussland, Moldaugebiet.
Diese im allgemeinen sehr wenig veränderliche Art steigt aus den Alpenan zahlreichen Stellen in die Täler (bei Feldkirch bis ca. 600 m, an der Mendel bisca. 700 m, bei Kühbach in Südtirol bis ca. 400 m, Zelltal in den Karawanken) oderin die vorgelagerte Hochebene hinab (so mehrfach im südlichen Bayern, nördlichKempten, Steingaden, Kaufbeuren, Schwarzer Filz südlich von Wolfratshausen[620 m], Kraimoos am Chiemsee etc.). Ausser in den Alpen kommt O. globosus vorin den Hochvogesen (verbreitet im Hoheneckgebiet, Rotenbachkopf, Spitzköpfe,Gebweiler Belchen, Lützel), im schweizerischen Jura (vereinzelt auch am Schloss-randen bei Schieitheim im Kanton Schaffhausen, 750 m), im Schwarzwald (im Feldberg-gebiet [von 800 bis 1050 m] und von hier bis nach Thingen [500 m] hinab, Nessel-lache), auf der Schwäbischen Alb (von Randen bis ins Filsgebiet und bis zum süd-lichen Härtsfeld, 550 bis 900 m), im Erzgebirge (jedoch nur im östlichen Teil, aufder böhmischen Seite z. B. bei Zinnwald, Nollendorf, Spitzberg bei Schönwald,Strobnitzberg bei Ossegg, Mückenberg, auf der sächsischen Seite z. B. bei Altenberg),im böhmischen Mittelgebirge und an zahlreichen Stellen in den Sudeten und Gesenke,westlich bis Friedek und Jägerndorf in Schlesien sowie bis zu den Beskiden (inMähren bei Roznau, Wsetin, Smrk etc.). — Diese leicht kenntliche Art tritt in den Kalk-alpen mit Vorliebe auf den Bergwiesen auf, in tiefern Lagen in den Alpentälern(Geitau in Oberbayern 800 m) in Gesellschaft von Gymnadenia conopea oder odora-tissima (Bd. II, pag. 369, 370), Phyteuma orbiculare, Anthyllis vulneraria, Hippocrepis,
H egi, Flora. 51
Fig. 425.Orchis globosus L.a EinzelblÜte mit Tragblatt.b Lippe, c Inneres, (/äusseresPerigonblatt (Sämtliche
Figuren vergrössert).