Druckschrift 
2. Monocotyledones 2 (1907)
Entstehung
Seite
183
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

183

565. Luzula campestris (L.) DC. (= Jüncus campestris L.). Gemeine Hainsimse.

Taf. 57, Fig. 1 und Fig. 309.

Der Name Marbel für Luzula-Arten dürfte heute wohl kaum mehr im Volke gebräuchlich sein. Früherwar er in Tirol üblich. Die süsslich schmeckenden Blütenstände der Pflanze werden an manchen Orten vonKindern gegessen, daher Benennungen wie: Hasenbrot (Niederösterreich, Böhmerwald, Voigtland), Khannes-bra(u)t [Johannisbrot] (Egerland), Hasen futter (Württemberg: Rauhe Alb), Hasenschmiele (Riesen-gebirge); Rehgras (Nahegebiet); Guggerhirs [Kuckuckshirse], Guggerhaber (Schweiz: Zug); Hersch-gras, Herschriet [= Hirse-] (Nahegebiet). Die Volksnamen Herrgottsbart (Böhmerwald), Hasenpfitl[= -pfötchen] (Nordböhmen) beziehen sich auf die Form der Aehren; Teuferl [vgl. Juncus lampocarpus,Bd. II, pag. 171] (Böhmerwald), Schlotfegerl (Oberpfalz) auf deren schwarze Färbung. Uebrigens werdendie Luzula-Arten in der Volksbenennung häufig mit Juncus-Arten oder Gramineen zusammengeworfen.

Ausdauernd, locker oder dicht rasenbildend, zuweilen etwas röt-lich überlaufen, 4 bis 50 (60) cm hoch (in der Tracht sehr veränderlich).Grundachse kriechend, meist bogig aufstrebende Ausläufer treibend.Stengel meist straff aufrecht, seltener schlaff oder aufsteigend. Blätterflach, grasartig, in der Länge und Breite stark wechselnd, jedochniemals länger als der Blütenstand, an der Spitze schwielig-stumpf.Blütenstand endständig, aufrecht, gewöhnlich zusammengesetzt. End-ährchen meist sitzend, Seitenährchen ± lang gestielt, zuletzt überhängend,5- bis 10-blütig. Blüten 2 bis 3 mm lang. Perigonblätter gleich lang(Taf. 57, Fig. 1 a) oder die äusseren deutlich länger zugespitzt. Staub-beutel so lang oder doppelt so lang (zuweilen bis 6 mal so lang) als dieStaubfäden. Griffel in der Regel so lang oder länger als der Frucht-knoten (selten kürzer). Narben aufrecht, grünlich-weiss. Kapsel ei-förmig, stumpf, kurzstachelspitzig, so lang oder etwas kürzer als diePerigonblätter. Samen 1,2 bis fast 2,5 mm lang, mit grossem, deut-lichem Anhängsel (Taf. 57, Fig. lb). III bis V (gelegentlich noch-mals im Herbst).

Häufig und verbreitet auf Triften, an Wegrändern, auf Feld-rainen, an Waldrändern, auf mageren, trockenen Grasplätzen, zwischenGebüsch; von der Ebene bis in die alpine Region (vereinzelt bis2200 m).

Allgemeine Verbreitung: Fast über die ganze Erdeverbreitet (in den Tropen nur auf den Gebirgen).

Diese Kollektivart ist äusserst vielgestaltig und könnte in ca. 20 ver-schiedene Formen gegliedert werden. Als Ausgangsform wird von Buchenau die subsp. multiflora be-trachtet. Der Uebersichtlichkeit gliedern wir die Sammelspezies in 3 grössere Unterarten, die von ver-schiedenen Autoren allerdings auch als Arten (namentlich die subsp. Sudetica) angesprochen werden.

1. subsp. vulgaris Gaud. (= L. campestris aut. plur., = L. campestris a) longistyla Celakovsky). GemeineHainsimse, Hasenbrod. Ital.: Giunco secco, Bagnamacolo, Legamane. Taf. 57, Fig. 1. Pflanze locker rasen-bildend. Grundachse gewöhnlich kurze Ausläufer treibend. Stengel aufsteigend (selten über 10 bis 15 cm hoch).Blätter "/s bis 3 mm breit, meist behaart (Behaarung später zuweilen ganz verschwindend). Blütenstand dolden-ähnlich. Aehrchen meist (4-) 6- bis 10-blütig, gewöhnlich zu 3 bis 6 beieinander, kugelig bis eiförmig, dieseitlichen ziemlich lang gestielt, zuletzt meist herabgebogen. Blüten ca. 3 mm lang. Perigonblätter dunkelkastanienbraun, selten gelbbraun oder bleich, hautrandig, ziemlich gleich lang. Staubbeutel 2 bis 6 mal so lang als dieFäden. Griffel länger als der Fruchtknoten. Häufig auf sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen, an Wald-rändern, auf Heide- und Waldwiesen, an Rainen, auf Dünen usw., von der Ebene bis in die Nähe der Gletscher.

2. subsp. multiflora (Ehrh.) Celak. (= Luzula erecta Desv., = Jüncus multiflörus Ehrh.). Viel-blütige Hainsimse (Fig. 309). Pflanze sehr veränderlich, dichtrasig, ohne Ausläufer, meist höher (30 bis 55 cm). Blättermassig behaart (Behaarung später oft ganz verschwindend), 1 bis 3 (4,5) mm breit. Blütenstand aufrecht, doldenähnlich,meist stark zusammengesetzt (aus zahlreichen [bis 10] Aehrchen bestehend), mit aufrechten, starren Aesten, dieseitlichen zuletzt etwas abstehend. Aehrchen eiförmig oder länglich, 8- bis 16-blütig. Hüllblatt so lang oder länger als

Fig. 309. Luzula cam-p c str isDC subsp. mul t i -

flora (Ehrh.) Celak.a Habitus ('/a natürl. Grösse).

i Blute, c Staubblatt.