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2. Monocotyledones 2 (1907)
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Aehrchen gross, vielblütig. Tragblätter häutig, silbergrau (Taf. 42, Fig. 3 a), spiralig an-geordnet, die untersten ohne Blüten in ihren Achseln. Perigon aus sehr zahlreichen, geraden,bandartigen, glatten Fäden gebildet, die nach der Blüte zu langen, schneeweissen, diedie Tragblätter weit überragenden Fäden (Wollschopf) auswachsen und später mit derFrucht (Taf. 42, Fig. 3 b) abfallen. Staubblätter 3. Griffel fadenförmig, abfallend. Narben 3.Frucht zusammengedrückt, dreikantig (Taf. 42, Fig. 3 c).

Die Blüten der Eriophorum-Arten sind protogynisch, so dass Selbstbestäubung ausgeschlossenist. Der Haarschopf bleibt bei der Reife an der Basis der Früchtchen sitzen und dient als Flug-apparat. Durch den Luftgehalt werden die weissen Haare spezifisch leichter gemacht und dadurch für diekleinen Früchtchen als Windfang und Fallschirm besonders geeignet. Die Gattung umfasst ca. 10 Arten vonrecht charakteristischer Tracht, die in der gemässigten und zum Teil auch in der arktischen Zone weit ver-breitet sind. Ausser unseren Arten kommen im nördlichsten Europa noch die beiden zierlichen ArtenE. russeolum Fr. mit hellrosa farbenem Wollschopf und E. callithrix Cham. vor. (Ueber das ähnlicheTrichophorum alpinum vgl. pag. 21).

Fast alle Volksnamen dieser Gattung beziehen sich auf die auffälligen Wollhaare der Frucht, diebald mit Flaum oder Federn, bald aber auch mit den weichen Haaren gewisser Tiere (besonders der Katze)verglichen werden. Da die einzelnen Arten der Gattung vom Volk meist nicht näher unterschieden werden,sollen deren Namen hier zusammen behandelt werden. In den Büchern werden die Eriophorum-Arten meistWollgräser genannt, ein Name, der auch als Volksbenennung z. B. Wullgras (Untere Weser), Wulla-gräs (Schweiz: St. Gallen) verbreitet ist. Aehnlich sind die Bezeichnungen: Dunengras [= Daunen-] (Liv-land); Moosflam [= -flaum] (Kärnten), Flümli (Schweiz: Waldstätten); Riedfähndli [= -fähnchen](Schweiz: Waldstätten); Judenfedern, Federbüschel (Erzgebirge), Weiherfedern (Böhmerwald),Federn (Böhmerwald, Egerland, Schwaben), 'Bettfedern (Schwaben), Moosfedern (Pinzgau, Salzburg),Fäderächrut, Fäderäried, Fäderliried (Schweiz: Waldstätten); Side(n)-Gras [Seiden-] (Schweiz:Thurgau); Besen (Lüneburger-Heide); Pänseli [= Pinsel] (Schweiz: Waldstätten); Wüschi-Gras [= Wisch-](Graubünden). Originell sind Vergleiche wie Ala Made [= Alte Mägde] (Riesengebirge) mit den grauenHaaren alter Weiber oder wie Hüll an er [= Ulanen] (Nordböhmen) mit den Fähnchen an den Lanzen derUlanen. Da die Fruchtwolle leicht vom Winde fortgetragen wird, heisst E. latifolium in Kärnten Flug.Sehr gross ist die Anzahl der Benennungen, in denen diese weiche Fruchtwolle mit einem Kätzchen etc. ver-glichen wird: Katzl, Filzkatzl [Filz = Moor], Mooskatzl (Böhmerwald), graue Katzeln (Niederösterreich),Chätzli (Schweiz: Waldstätten), Chutzstreu (Schweiz: Churfirstengebiet), Chütz, Riedchütz (Schweiz:St. Gallen); zu Maunl, das wohl Katze bedeutet (vgl. maunen, mauen = wie eine Katze schreien] gehörenwohl: Maunl, Moni (Niederösterreich), Maunzerl, Fölzmaunln (Böhmerwald); Maukel [be-deutet etwas weiches] (Nordböhmen), Waugln (Niederösterreich); Munneli, Maueli (Schweiz:St. Gallen), In der Schweiz bezeichnet ganz ähnlichbüsi" etwas zottiges und zugleich auch die Katze, daherheissen die Wollgrasarten auch: Bauseli, Buseli, Buslä, Busel, Moosbuseli, Riedbuseli etc. (Wald-stätten), Büseli (Thurgau, Zürcher-Oberland), Buseligras (Zürich, Solothurn), Bauzeli (Graubünden:Schiers), Baueli, Bauelgräs (St. Gallen), Bauelblümli (Thurgau); Miezchen [Mieze = Katze](Böhmerwald, Riesengebirge), Muza(r)lgro s, Muza(r)la (Bayr. Wald: Cham); Heinzewunsen [= Katze],Weinzekätzchen, Wuinsekatzen (Gotha); Mimeli (Schweiz: St. Gallen, Thurgau). Analog sind wohldie Benennungen: Zimeli, Zizali (Schweiz: St. Gallen); Püesken, Püesk, Püeskegras (UntereWeser), Püüskes, Moorpüüskes (Emsland), Puschen (Ostpreussen) [vgl. zu diesen Namen auch TyphaBand I, p. 112!]. Herrgottsb art (Niederösterreich); Geishaar (Schweiz: Waldstätten), Gitzib ärtli, Gais-zöggali (Schweiz: St. Gallen); Lämmerschwanz (Nassau, Oberhessen), Ratten schwei f (Böhmerwald);Muse, Müschen [= Mäuschen, für E. vaginatum] (Untere Weser); Schäfchen (Riesengebirge); Chüngäli[= Kaninchen, aus dem mittellat. cuniculus?] (Schweiz: St. Gallen). Andere Benennungen sind noch: Möerk,Mölken, Wintermölken, Molken (Nördl. Hannover: Kr. Stade), Möörkers (Emsland: Ahlen);Dremocksbläder (Oldenburg: Ammerland); Moosbole, Pobala (Erzgebirge); Hujauf (Kärnten). Aufden Standort endlich deuten hin: Moorgras, Moorluuk [== -lauch] (Untere Weser); ecke(n)-Gras[Sücke(n) = Pfütze] (Graubünden). In vielen Gegenden führen die Rasenhorste besondere Bezeichnungen,so Bülten [vgl. auch Carex stricta!] (Norddeutschland); Luuk [= Lauch] (Nördl. Hannover: Rotenburg);Kooflesch [= Kuhfleisch, E. vaginatum wegen der zähen Rasen] (Oldenburg); Kölsch, Kälberstöck[die ganz jungen Triebe gelten als gutes Viehfutter] (Böhmerwald); Kaupen (Nordösterreich); Hoppen(Schwaben). Die vertorften Blattscheiden heissen in Mecklenburg Splittlagen; in der Schweiz (Einsiedeln)Lindbast, in Salzburg Schoder, im Böhmerwald Fetzentorf.