377
Tafel 41.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Aehre von Seeale cereale.
,, 2. Aehre von Triticum monococcam.
„ 3. Aehre von Triticum dicoecum.
„ 4. Aehre von Triticum vulgare (unbegrannt),
von vorn und von der Seite.
„ 5. Aehre von Triticum vulgare (begrannt).
„ 6. Aehre von Triticum spelta.
„ 7. Aehre von Triticum Polonicum.
Fig. 8. Aehre von Triticum vulgare subsp. turgidum.
„ 9. Aehre von Hordeum murinum.
„ 10 u. 11. Aehre von Hordeum distichon (von
vorn und von der Seite).
„ 12. Aehre von Hordeum hexastichon.
„ 13. Aehrchen von Seeale cereale.
„ 14. Aehrchen von Triticum vulgare.
„ 15. Aehrchen von Hordeum distichon.
samen und verschiedene Krankheiten, die in Teuerungsjahren bei grosser Nässe auftraten, wurden auf dieAnwesenheit von Taumellolchsamen zurückgeführt. Nicht selten treten dieselben als Verunreinigungen imGetreide und Brotmehl auf. Sie enthalten ein syrupartiges Alkaloid, Temulin (C7 H12 N2 0), welches beimMenschen Kopfschmerz, Schwindel, Taumeln, Schlafsucht, Verwirrung der Sinnesgebiete, Erbrechen, Harndrang,Zittern der Extremitäten, Trübung des Sehvermögens etc. verursacht. Zuweilen sollen die Samen auch ab-sichtlich unter die Gerste gemischt werden, um damit das Bier betäubend zu machen. Im Getreide kann dieBeimischung von Taumellolch durch Weingeist nachgewiesen werden (das Mehl wird dann grünlich und be-kommt einen widerlichen, zusammenziehenden Geschmack). Regelmässig wächst in den Samen (unter derSamenhülle) ein steriles Pilzmycelium, von welchem eventuell die Giftwirkung des Samens ausgehen kann.Durchschnittlich 96 °/o aller Samen enthalten diesen Pilz, der zwar niemals Sporen erzeugt. Die systematischeStellung des Pilzes ist bis jetzt noch ganz unbekannt; eine gewisse Aehnlichkeit mit einigen Ustilagineen ist aller-dings nachgewiesen worden. Aber es ist noch völlig unsicher, wo der Pilz ausserhalb der Pflanze vorkommt.Der Pilz geht bereits bei der Keimung in die junge Pflanze über, ohne dieselbe jedoch in ihrer Entwicklungzu hemmen. Interessant ist es, dass der Pilz auch in Samen aus den altägyptischen Königsgräbern (beiAbusio), die aus der Zeit der 5. Dynastie um 2500 vor Chr. stammen, sich hat nachweisen lassen. (Vgl.Lindau, G., Ueber das Vorkommen des Pilzes des Taumellolches in alt-ägyptischen Samen. Sitzungsber. derK. Preuss. Akademie der Wissenschaften. 1904. XXXV.) In der in diesen Gräbern enthaltenen Spreu vomEmmer (Triticum tricoecum) fanden sich ganz unverletzte Aehrchen des Taumellolches vor und zwar mit so wohl er-haltenen Samen, dass sich dieselben von frischen Samen einzig durch die leichte Bräunung unterschieden. Alleenthielten das Pilzmycel. Für die Pfahlbauten wird die Anwesenheit dieser Art in neuester Zeit angezweifelt.
Fig. 164. a Seitenährchen vonLoliumremotum Schrank, b von L. perenneL., c von L. rigidum Gaud., d vonL. temulentum L„ e Gipfelährchenvon L. temulentum L. / GefalteteKnospenlage von L. perenne L. (Quer-schnitt), g Gerollte Knospenlage vonL. multiflorum Lam.
340. Loliutn remötum Schrank (= L. arvense Schrad.,= L. limcolum A. Br., = L. tenue Noul.) Acker-Lolch.
Fig. 164 a.
Die Bezeichnungen Leethardel (Pommern), Leetharl (Mecklen-burg), Ledharle (Göttingen), Leigherl (Lippe) sind in ihrem erstenBestandteile vielleicht verwandt mit „Löthe" (vgl. unter Lolium temulen-tum, pag. 376). Im Egerland (Böhmen) heisst die Art „Schmitzen".
Pflanze gelbgrün, einjährig, 30 bis 60 (80) cm hoch(steht nr. 339 sehr nahe, jedoch in allen Teilen feiner).Stengel dünn, schlank, meist ± knickig aufsteigend, oberwärtsmeist rauh. Blattscheiden meist glatt. Spreiten schmal (nichtüber 3 mm breit), meist glatt oder oberseits rauh. Aehrchenkleiner, 7 bis 10 mm lang (Fig. 164 a), dicht (3) 4- bis 8-(9) blutig, hellgrün, zuletzt breit elliptisch. Hüllspelzen 7 bis10 mm lang, fast immer etwas kürzer als das Aehrchen (selten solang oder länger als dasselbe). Deckspelzen 4 bis 5 mm lang,P/2 bis 2 mm breit, meist unbegrannt. — VI bis VIII.
28 a