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XCV. Molinia 1 ) Schrank. Pfeifengras.
Ausser unserer Art besitzt diese Gattung noch eine zweite Art in Japan (M. Japönica Hackel).
245. Molinia caerulea Moench (= M. varia Schrank, = M. variäbiiis Wibel, = Aira
caerulea L., = A. atrövirens Thuill., = Festüca caerulea Lam. et DC, = Enödium caerüleum
Gaud.). Blaues Pfeifengras, Besenried. Franz.: Molinie bleue; ital.: Gramigna liscia;
tschech.: Bezkolenec, modry, Smodi. Taf. 32, Fig. 2.
Wegen seiner langen, knotenlosen Stengel wird das Gras häufig zur Reinigung von Tabakspfeifen ver-wendet und heisst daher in vielen Gegenden Pfeifengras, in der Schweiz Pfifegräs, Pfifengräs, Pfeifen-riedt. Vielerorts verfertigt man aus diesem Grase „Halmbesen", daher die Namen: Bäsähalm, Bäsächries,Bäsäried, Bäsäschmalä, Binsebäsa, Riedbäsähalm etc. (nordöstl. Schweiz). Nach den oft dunkel-gefärbten Aehren heisst es in den Waidstätten (Schweiz) Schwarzschmälä, nach den süsssehmeckenden Halmenebendort Zuckerschmälä. Im nordwestlichen Deutschland heisst das Pfeifengras: Bäent, Baenthalm(Hannover), Baentgras, B en te, Bijünt, Pijünt (Ostfriesland), Pioon (Emsland). Zu diesen Bezeichnungenvgl. niederl. Bentgras, Pienten-Molinia coerulea und das engl. Bent, das für mehrere Gräser z. B. für Ammophilaarenaria, Agrostis-Arten etc. gebraucht wird. Oft führt unsere Art dieselben Namen wie andere einigermassenähnliche Gräser, z. B. Schmale (Schweiz: Aargau), S chm eel (Ostpreussen) oder nach dem Standort Binsen(Waldstätten, Oberrhein). In Brandenburg und stellenweise in der Schweiz nennt man sie „wilde Roggen-halme". Zu der Benennung Marl, die die Pflanze in Mecklenburg führen soll, vgl.unter Agrostis spica venti, pag. 228. Die Streue wird als Riedstreue (Luzern), Halm-streue (östl. Schweiz), Samenstreue, Schmalenstreue, Binsenstreue, Rieseistreue etc.bezeichnet.
Ausdauernd, 10 bis 90 (200) cm hoch, horstbildend, mit sehrlangen, starken Wurzeln, selten bis / cm lange, mit Schuppen be-setzte Ausläufer treibend. Untere Stengelglieder sehr kurz, sichkaum über den Boden erhebend, das oberste unter der Rispe sehrlang, fast den ganzen oberirdischen Stengel bildend. An den Knotender kurzen Internodien entwickeln sich die Wurzeln und Knospen(„Bestockungsknoten"; vgl. Fig. 113a). Einzelne Internodien sind an-geschwollen (Speicherinternodien) und enthalten Reservecellulose.Stengel knotenlos (Knoten am Grunde genähert), glatt, über demGrunde meist unbeblättert, zuweilen aber bis zur Mitte von Scheidenumhüllt. Blätter blaugrün, etwas steif, am Rande der obern Hälfterückwärts rauh. Blattspreite mit weisslichem Mittelstreifen, 3 bis 5(10) mm breit, bei feuchtem Wetter offen, bei trockenem halb einge-rollt (auch nach dem Abschneiden rollt sich die Spreite ein). Blatt-scheiden offen, glatt, anliegend. Blatthäutchen fehlend, am Scheiden-mund bebartet. Rispe aufrecht, bis 40 cm lang, schmal zusammen-gezogen, seltener (besonders bei Waldformen) mehr ausgebreitet.Rispenäste dünn, steif schief aufrecht oder anliegend, bis 20 cm lang,rückwärts rauh, gleichmässig mit gestielten Aehrchen besetzt, dieuntersten Aeste oft mit zahlreichen, grundständigen Zweigen oderZweiglein. Aehrchen 6 bis 8 mm lang, 1- bis 6-blütig, das oberstegewöhnlich verkümmert, meist schieferblau, zuweilen violett oder grün-lich, seltener weisslich. Aehrchenachse kurz behaart. Hüllspelzen ein-Ä^^UiÄUS nervig, länglich gekielt, bis 2 mm lang, stumpf, mit kleiner Stachel-
stebier). iWurzeistock mit den gpjtze, die obere etwas grösser, zuweilen dreinervigf. Deckspelze ne-untem Stengelgliedern. r > » ' » r O
wölbt rundlich, fünfnervig, 3 bis 6 mm lang, unbegrannt. Vorspelze
') Nach dem spanischen Jesuiten und Missionar Juan Ignacio Molina (geb. 1740, gest. 1829), Ver-fasser einer Naturgeschichte von Chile.