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69. Lycopodium inundätum 1 ) L. Sumpf-Bärlapp. Tat. 11, Fig. 4.
2 bis 10 cm hoch. Stengel kurz, wenig verzweigt, durch viele Wurzeln an denBoden befestigt, alljährlich nur einen, seltener mehrere sich aufrichtende und mit einerAehre abschliessende Sprosse entwickelnd. Laubblätter am kriechenden Stengel von derErde abgewendet, an den aufrechten Stengeln allseitig abstehend, lmeal-pfriemenförmig,ganzrandig. Sporangienähre ungestielt, bis 5 cm lang, oberwärts verschmälert. Sporangien-tragende Blätter aus eiförmigen, gezähneltem Grunde in eine abstehende, zuletzt aufwärtsgebogene, lanzettliche Spitze übergehend. — VII bis X.
Ziemlich häufig auf sandigem, halbnackten Heide- und Torfboden, oft in Gesellschaftvon Drosera- und Rhynchospora-Arten, oder im Schlamme an Seeufern und Tümpeln vonder Ebene bis ins Gebirge, bis ca. 2200 m; scheut mineralreiches Wasser, daher besondersauf Hochmooren. Tritt zuweilen in grosser Menge auf, um jedoch bei Veränderung desStandortes wiederum zu verschwinden.
Allgemeine Verbreitung: Nord- und Mitteleuropa (südlich bis zu den Pyrenäenund Oberitalien), Nordamerika.
Vereinzelt treten bei dieser Art Missbildungen auf. Die Fruchtähre kann bis zur Mitte zwei- oderdreispaltig sein (f. biceps Milde und triceps Milde) oder zwei Aehren treten nebeneinander auf demselbenSpross auf (f. distächyum Milde). Schliesslich kann der aufrechte Spross in der Mitte gegabelt sein undjeder Sprossteil eine Aehre tragen (f. furcätum Milde).
70. Lycopodium clavatum 2 ) L. Keulenförmiger Bärlapp. Schlangenmoos. Franz.:Jalousie; ital.: Erba strega, Stregonia. Taf. 11, Fig. 3.
Die Bärlapp-Arten werden vom Volke meist nicht näher unterschieden, sodass die hier aufgeführtenNamen auch für Lycopodium annotinum, L. complanatum etc. gelten können. Der Bärlapp wird vom gemeinenManne wegen seines Aussehens zu den „Moosen" gerechnet: Langmies [= langes Moos] (Schweiz: Wald-stätten); Strangamoos (Schweiz: St. Gallen). Nach der Form der wie zottig behaart aussehenden Zweig-spitzen wird die Pflanze mit den Klauen verschiedener Tiere verglichen: Bärlapp [mittelhochdeutsch lappo =Hand, Pfote]; Bärätapä, Bäratäpli [mittelhochdeutsch täpe = Pfote] (Schweiz: Waldstätten); Wolfsklauen(Thüringen), Wulfsklauen (Unteres Wesergebiet), Wolfsranke (Mark Brandenburg: Zossen); Löwenfuss(Ostpreussen). Die gabelartig angeordneten Fruchtähren werden mit Krähenfüssen verglichen: Gaberlstupp(Steiermark), Gäbali (Schweiz: St. Gallen); Krahnhax'n [= Krähenfüsse] (Niederösterreich), Krahnfuas(Niederösterreich, Kärnten, Steiermaik, Nordböhmen), Kroapfüta [= Krähenpfoten] (Nordböhmen). Nach denlanggestreckten, am Boden hinkriechenden Zweigen: Schlangenmoos (Mark Brandenburg, Schlesien),Schlangengras (Riesengebirge, Eger in Böhmen); Schlangämies (Schweiz: St. Gallen); Schosswurz[von Schoss = Trieb] (Ostpreussen). Nach den mehlartig aussehenden Sporen: Mehlwurzel; Bäckengras[von Bäcker] (Kärnten); Pudertäpli (Schweiz: Waldstätten).
In manchen Gegenden (z. B. in Schwaben, Krain) wird Lycopodium clavatum zu Ofenwischernbenützt: Kearoch, Ofenkearoch [von kehren] (Krain: Gottschee). Auch gilt die Pflanze im Volke alsHausmittel gegen den Krampf und gegen Harnbeschwerden: Gramkraud, Krankraut [= Krampfkraut](Niederösterreich), Krampfchrut (Schweiz: St. Gallen); Harnkraud (Niederösterreich), Seichkräutel[„seichen"-= harnen] (Kärnten), Seihgras (Tirol: Lienz).
Der Bärlapp wurde früher gegen die Hexen (mittelhochdeutsch trute = Zauberin) an die Türen derStälle genagelt: Drudenfüsse (Böhmerwald); Drudenkraut (Thüüngen, Westböhmen, Eger); Hexenkraut(Harz, Riesengebirge, Westböhmen: Eger). Auch hing man die Pflanze an der Decke von Schlafzimmern auf,wahrscheinlich zum Schutz gegen die „Drud-* (Nachtmahr), die den Schlafenden quälte (Alpdrücken). Das leichte,ausgetrocknete Kraut, das sich an einem Faden befestigt natürlich bei dem leisesten Luftzug hin und her bewegte,nannte man „Unruhe". Im Herzogtum Gotha heisst daher die Pflanze auch Zab elk räudig [= Zappelkraut].Ein Nachklang an die vermeintlichen zauberbrechenden Eigenschaften des Bärlapps dürfte vielleicht folgender,in manchen Gegenden der Schweiz noch heutzutage geübter Brauch sein: Viele Sennen schieben in die Oeffhungder hölzernen Trichter, bevor sie die Milch zur Reinigung durchmessen lassen, eine Hand voll Bärlappkraut. Es istdies wohl ursprünglich ein Mittel, um den „Milchzauber" zu verhüten, d. h. um das Melkvieh vor Verhexung
') überschwemmt (lat. unda = Welle); nach dem Standort.a ) lat. cläva = Keule; nach der Gestalt der Sporangienähren.