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44. Ophioglossum VUlgätum L. Gemeine Nattzunerge. Franz.: Langue deserpent, herbe aux cent miracles, herbe sans couture. Taf. 8, Fig. 1.
5 bis 30 cm hoch. Stengel unterirdisch, mit Blattresten besetzt. Laubblatt meisteinzeln, selten zu zwei, kahl. Blattstiel etwa so lang wie die gelbgrüne, fettig glänzendeBlattspreite, über den Boden hervortretend. Blattspreite eiförmig bis länglich, am Grundekurz scheidenförmig herablaufend, den fruchtbaren Abschnitt umfassend. Sporangien zubeiden Seiten der Mittelrippe eine spitz zulaufende Aehre bildend, mit jederseits 12 bis 40,reif gelben, durch Parenchymgewebe miteinander verbundenen Sporangien, am Ende in einestielrunde, sporangienlose Spitze ausgehend. ■— VI, VII.
Vereinzelt auf feuchten Wiesen, lehmigen Weiden, grasigen Triften und Abhängen,oft in Gesellschaft von Orchis militaris, Gymnadenia conopea und Juncus-Arten, von derEbene bis ins Gebirge, bis ca. 1400 m. Gerne auf Kalk. — Wird leicht übersehen.
Allgemeine Verbreitung: Im grössten Teil von Europa (nördlich bis Russland;fehlt aber in der ungarischen Tiefebene und im russischen Steppengebiet), West-, Nord-und Ostasien, Nordamerika.
Von Formen wurde bis jetzt einzig bei Gräfenberg in österr. Schlesien die var. polyp h y llu m A. Br.beobachtet. Blätter 2 bis 3, viel kleiner, nur 4 bis 10 cm lang. Der sporenlose Blatteil ist lanzettlich undzugespitzt. Aehre jederseits mit 7 bis 13 Sporangien.
XIX. Botrychium 1 ) Sw. Mondraute, Traubenfarn.
Sporenloser Blatteil fast immer geteilt, einfach bis mehrfach gefiedert, bis zurAehnlichkeit mit Schierlingsblattformen. In jedem Jahre tritt meist nur ein Blatt hervor,das mit seiner Scheide gewöhnlich die folgenden Blätter vollständig umschliesst. Die braunen,faserigen Reste der Blattstielscheiden früherer Jahre umhüllen das diesjährige Blatt.Sporangien auf der Unterseite der scnmalen Abschnitte des sporentragenden Blatteiles, frei,meist eine mehr oder weniger stark verzweigte Rispe darstellend.
Die Gattung umfasst 16 Arten, die über den grössten Teil der Erde verbreitet sind. In unserer Florahat nur B. lunaria eine grössere Verbreitung; die andern fünf Arten gehören zu den Seltenheiten und tretennur sehr sporadisch auf.
1. Unfruchtbarer Blattabschnitt im TJmriss länglich-eiförmig oder dreieckig-eiförmig, länger als breit,stets ganz kahl................................. 2.
1.* Unfruchtbarer Blattabschnitt im Umriss breit-dreieckig, breiter als lang, in der Jugend behaart 5.
2. Unfruchtbarer Blatteil meis't unter der Mitte der Blattlänge sich von dem fruchtbaren trennend.
B. simplex nr. 48.2.* Unfruchtbarer Blatteil in oder über der Mitte der Blattlänge von dem fruchtbaren sich trennend 3.
3. Fruchtbarer Blatteil meist lang gestielt, einfach fiederteilig. Fiedern ohne Mittelnerv. B. lunaria nr. 45.3.* Fruchtbarer Blatteil kurz oder sehr kurz gestielt................ 4.
4. Unfruchtbarer Blatteil und dessen Fiedern stumpf oder abgerundet. Fiedern fiederspaltig.
B. ramosum. nr. 46.4*. Unfruchtbarer Blatteil und dessen Fiedern spitz, gesägt oder fiederspaltig. B. lanceolatum nr. 47.
5. Unfruchtbarer Blattabschnitt lang gestielt, fleischig...... . • • . B. matricar i ae. nr. 49.
5.* Unfruchtbarer Blattabschnitt sitzend, nicht fleischig........B. Virginian u m nr. 50.
45. Botrychium lunaria 2 ) L. Gemeine Mondraute; ital.: Erba Lunaria. Taf. 8, Fig. 2.
Der Name Mondraute rührt davon her, dass die Fiedern des Wedels einem Halbmonde gleichen. ImMittelalter wurde der Farn daher in geheimnisvolle Beziehungen zum Monde gesetzt; so sollten die Fiederngenau mit dem Monde ab- und zunehmen und des Nachts leuchten. Auch sollte er die Kraft haben, unedleMetalle in Gold zu verwandeln. Noch heute gilt die Mondraute im Volke als ein Zauber- und Hexenkraut,wie die folgenden Benennungen andeuten: Manrute [= Mondraute] (Schweiz: Waldstätten); Ankehrkraut(Oesterreich, weil die Fiedern wegen ihrer halbmondförmigen Gestalt ankehren, d.h. wieder zurückkehren);St. Petersschlüssel (Tirol, Niederösterreich); Eisenbrech (Oesterreich). In der Walpurgisnacht (Nacht zum1. Mai) sollen die Hexen ihre Zusammenkünfte (Blocksberg!) abhalten, daher: St. Walpurgiskraut (Schwaben,Schweiz), Maienkraut, (Württemberg, Franken), Maikräutchen (Niederhessen). Die Aelpler glauben, dassdas Melkvieh nach dem Genüsse der oberen Teile dieser Pflanze „b'seiche" (von versiegen), d. h. weniger Milchgebe, ja dass das Kraut dem Kleinvieh tödlich sei, daher: Bseichkräutl (Tirol, Steiermark), Geisstödi(Schweiz: Graubünden). Findet im Volke auch als Abortivum Verwendung: Hurengras, Hurenkraut(Tirol: Lienz).
2 bis 30 cm hoch. Stiel meist grün, bis 15 cm lang und bis 5 mm dick. Sporen-loser Blattteil länglich, oben abgerundet oder gestutzt, gelbgrün, fettglänzend, einfach ge-
*) ßÖTQVXog (ßÖTQVg = Traube) = Traubenstengel; nach der Gestalt der fruchtbaren Blattabschnitte.2 ) Vom lateinischen lüna = Mond.