Druckschrift 
Grundriß der organischen Chemie
Entstehung
Seite
IV
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

— IV —

verzichten muss, nach grossen Lehrbüchern zu arbeiten,der Mediziner, der Pharmazeut, der wissenschaftlicheLandwirt, sie werden vergebens in den kleinen Leitfäden,die sie benutzen, diese so notwendige allgemeine Grund-lage suchen.

Sie werden hier von vornherein mit einem Tat-sachenmaterial belastet, welches, nur halb verstanden,ihnen ungeheure Schwierigkeiten macht und, schliesslichmechanisch auswendig gelernt, ihrem Wissensschatz nurnotdürftig einverleibt ist. Dem, hoffe ich, soll diesesBüchlein abhelfen. Zum ersten Male ist hier der Versuchgemacht, die allgemeinen Grundgesetze, die in den grossenLehrbüchern zwischen dem Tatsachenmaterial sozusageneingesprengt sind, herauszuheben, sie in ihrer Gesamtheit

So

und in ihrer genetischen Verbindung darzustellen,wird, wie ich hoffe, der Lernende das Skelett unsererWissenschaft leichter verstehen und mit geringerer Mühedie Einzeltatsachen einordnen können, als wenn er ge-zwungen ist, umgekehrt aus den Tatsachen das Knochen-gerüst herauszuschälen. Dieser „Osteologie" ist der „All-gemeine Teil" gewidmet. Dann erst folgt im speziellenTeil das für die obengenannten Berufszweige notwendigetatsächliche Material.

Doch nicht bloss diese Kreise werden nach desVerfassers Hoffnung das Ileftchen mit Vorteil benutzenkönnen; der Lehrer, der z. B. an den Realschulen seinenSchülern einen Einblick in das Gebiet der organischenChemie gewähren will, möge es ihnen in die Handgeben; die Gebildeten, welche sich für die organischeChemie interessieren, mögen hier ein bequemes Orien-tierungsmittel finden.

Das Bestehende in seinem Werden zu erkennen, istjetzt der oberste Grundsatz der Naturwissenschaft. Ichglaube, dass auch die organische Chemie am schnellstenund leichtesten in ihrer Entwicklung verstandenwerden kann. Und hier noch mehr, wie in anderenDisziplinen ist verstehen fast gleichbedeutend mit wissen.

Berlin, Mai 1895.

Der Verfasser.