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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmazeuten : mit 125 Abb.
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110 Magnetismus.

Magnetismus.

§ 145. Definition. Magnetismus 1 wird die ihrem Wesen nachnoch nicht genau erforschte Kraft genannt, welche Körper befähigt,Eisen und ähnliche Körper anzuziehen und, wenn sie in horizontalerEbene frei beweglich aufgehängt sind, eine bestimmte Richtung ein-zunehmen. Der in der Natur vorkommende Magneteisenstein Fe s 0 4 ,der schon den Alten bekannt war, heißt natürlicher Magnet imGegensatz zu den künstlichen, die meist aus Stahl hergestellt werden,indem man diesen mit einem natürlichen Magneten in geeigneter Weisebestreicht (s. u.).

§ 146. Magnetische Anziehung. Die künstlichen Magneteunterscheidet man nach ihrer Form in Stab- und Hufeisenmagnete,sowie (frei bewegliche) Magnetnadeln. Jeder Magnet hat zwei Stellennahe an seinen beiden Enden, an denen die Anziehungskraft amgrößten ist, die Pole (Nord- und Südpol). Von hier nimmt die An-ziehungskraft nach der Mitte hin allmählich ab, bis sie in der Indiffe-renzzone gleich Null ist. Man kann dies leicht zeigen, wenn maneinen Magneten in Eisenfeilspäne legt. Je nach den Polen gibt esNord- und Südmagnetismus, und es besteht das wichtige Gesetz, daßgleichnamige Pole sich abstoßen, ungleichnamige sich an-ziehen. Also z. B. Nordpol und Nordpol stoßen sich ab, Nordpolund Südpol ziehen sich an. Hierbei gilt das dem Gravitationsgesetzeanaloge CouLOMB'sche Gesetz, daß die Intensität der magne-tischen Anziehung direkt proportional der magnetischenKraft beider Körper, umgekehrt proportional dem Quadrateder Entfernung ist.

Der ganze Kaum, auf den sich die magnetische Wirkung er-streckt, heißt magnetisches Feld. Ein Magnet wirkt nicht nurdurch Luft, sondern auch durch andere Körper hindurch, Eisen aus-genommen. So kann man die Richtung der magnetischen Kräfte er-kennen, wenn man z. B. auf die Pole eines Hufeisenmagneten einKartenblatt legt und darauf Eisenfeilspäne streut. Letztere ordnen

1 Etymologie unklar; entweder nach dem sagenhaften Hirten Magnesoder nach der Landschaft Magnesia oder von n&ym bezaubern.

2 Durch das Minuszeichen ist die ßichtung bestimmt. Sind nämlichm und tri gleichnamig, so folgt aus (-)- m . -\- tri) oder ( m . tri), daßAbstoßung stattfindet; sind sie ungleichnamig, so ergibt (-\-m . tri) An-ziehung.