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Wärmelehre.
begünstigt er natürlich den Übergang in einen niedrigeren Aggregat-zustand.
§ 88. Schmelzen und Erstarren. Der Übergang vom festenzum flüssigen Zustande heißt Schmelzen, der umgekehrte VorgangErstarren oder Gefrieren. Schmelzpunkt und Erstarrungspunktsind also identisch und nur bezüglich des Ausgangspunktes verschieden.Druck muß den Schmelzpunkt erhöhen [§ 87], nur das Wasser bildeteine Ausnahme [§ 84]. Wenn es sich in Eis verwandelt, dehnt essich dabei aus, und zwar mit einer enormen Gewalt. Umgekehrtzieht sich Eis beim Schmelzen zusammen, ein Prozeß, der offenbardurch Druck begünstigt werden muß, daher erniedrigt Druck denSchmelzpunkt des Eises. So kann man Eis unter hohem Druck be-liebig formen (sog. Plastizität des Eises). Ferner beruht das Fließender Gletscher darauf. Die Eismassen der Gletscher erfahren in engenSchluchten einen solchen Druck, daß trotz der großen Kälte eineSchmelzung stattfindet und der Gletscher fließt. Kommt er in breitereBahnen, so gefrieren die Eismassen wieder (Regelation). Wichtigist auch, daß der Schmelzpunkt von Legierungen meist tiefer ist alsder der einzelnen Bestandteile.
§ 89. Lösungen. Zur Überführung eines festen Körpers inden flüssigen Zustand ist, wie gezeigt wurde, Arbeit nötig. Diesekann von außen durch Zufuhr von Wärme geleistet werden. Einfester Körper kann sich aber auch spontan in einer Flüssigkeit auf-lösen, dann entzieht er die dazu nötige Wärme seiner Umgebung;es entstellt somit Abkühlung. Darauf beruhen u. a. die Kälte-mischungen. Bringt man z. B. gestoßenes Eis und Kochsalz zu-sammen, so verändern beide ihren Aggregatzustand, es entsteht eineFlüssigkeit von geringerer Temperatur. Bei manchen Lösungenfindet allerdings eine Temperaturerhöhung statt; dann handelt es sichaber um chemische Verbindungen, z. B. beim Auflösen von Natriumin Wasser.
Ebenso wie Legierungen einen niedrigeren Schmelzpunkt haben,ist auch der Gefrierpunkt einer Lösung erniedrigt. Meerwasser ge-friert z. B. bei —2°. Die Gefrierpunkts- (bezw. Schmelzpunkts-)Erniedrigung (gewöhnlich mit J bezeichnet) ist nun erfahrungsgemäßproportional der Menge der gelösten Substanz, umgekehrt proportionalder Menge des Lösungsmittels. Diejenige Gefrierpunktserniedrigungnun, die 1 Gramm Substanz in 100 Gramm Lösungsmittel bewirkt,heißt nach Raotjlt reduzierte Gefrierpunktserniedrigung.
Die reduzierten Gefrierpunktserniedrigungen, die zwei Substanzen ineinem und demselben Lösungsmittel unter sonst gleichen Verhältnissen be-