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Rhodanverbindunsen.
Knallquecksilber, (CNO) 2 Hg, entstellt durch Vermischen einer Lösung vonQuecksilber in überschüssiger Salpetersäure mit Alkohol. Es bildet in Wasser kaumlösliche Nadeln. Durch Stoß oder Schlag oder beim Erhitzen explodiert es mit großerHeftigkeit. Im Gemisch mit Salpeter und einem Bindemittel dient es zur Füllungvon Zündhütchen;, die vorzugsweise den Zweck haben, als Explosionserregerfür größere Mengen anderer Sprengstoffe zu dienen. Knallsilber, CNOAg, ist nochexplosiver als das Quecksilbersalz und dient zur Füllung von Knallerbsen usw.
4. Schwefelverbindungen des Cyans.
Wie durch Addition von Sauerstoff an Cyanwasserstoff die Cyan-säure entsteht, so entsteht durch Addition von Schwefel die Thio-cyansäure. Auch für sie lassen sich zwei Formeln aufstellen:
I H — S — C=.N
Thiocvansäure, Rhodanwasserstoffsäure.
II H — N = C = S,
Jsothiocyansäure.
doch ist auch hier sowohl von der freien Säure, als auch von ihrenSalzen nur eine Modifikation bekannt, die der Formel I entspricht.Hingegen existieren zwei Reihen von Estern, von denen namentlichdie der Isothiocyansäure, die die Senföle darstellen, von Wichtig-keit sind.
Rhodanwasserstoffsäure, II . S • C '■ N, Thiocyanwasserstoff säure, kannaus ihren Salzen, den Rhodaniden, durch Schwefelsäure abgeschieden werden.Sie bildet eine kristallinische Masse von stark ätzenden Wirkungen, ist sehr un-beständig, schmilzt bei +5° und erstarrt dann zu einem Polymerisationsprodukt.Sie findet sich in sehr geringen Mengen im menschlichen Magen.
Kalinmrhodanid, KSCN, Rhodankalium, Kaliumthiocyanat,entsteht beim Zusammenschmelzen von Kaliumcyanid und Schwefel.Es bildet zerfließliche Prismen und findet, ebenso wie das Ammonium-rhodanid, NH 4 -SCN, als Reagens auf Ferrijonen Verwendung (Bd. I,S. 423). Beide Salze lösen sich sehr leicht in Wasser unter starkerTemperaturerniedrigung. Das Ammoniumrhodanid lagert sich beimErhitzen auf 180° in Sulfoharnstoff um (S. 204).
Ammoniumrhodanid, NH 4 SCN, entsteht in beträchtlicher Menge aus Ammoniak,Blausäure und Schwefel in der LAMING'schen Gasreinigungsmasse, die das Leucht-gas zu seiner Reinigung durchstreichen muß (S. 36), und wird daraus technisch ge-wonnen. Auch durch Erhitzen von Schwefelkohlenstoff und Ammoniak in alkoholischerLösung wird es dargestellt. Dieser Prozeß verläuft in zwei Stufen, indem zunächst dasAmmoniumsalz der Dithiocarbaminsäure gebildet wird, das dann Schwefelwasserstoffabspaltet:
CS 2 + 2NE, = H 2 N-CS.S-NH 4 = NiC-S-ML, + H 2 S
Merkurirhodanid, Hg(SCN) 2 , Rhodanquecksilber, wird aus Kaliumrhodanid-und Morkurinitratlösung als weißer, amorpher Niederschlag erhalten. x\ngezündet,verglimmt es unter lebhaftem Aufschwellen und Hinterlassung einer sehr voluminösenAsche, wobei es giftige Quecksilberdämpfe entwickelt. Es bildet das Material zurHerstellung der Pharaoschlangen.
Die Ester der Rhodanwasserstoffsäure oder Rhodanalkylesind nicht sehr beständig, da sie sich beim Erhitzen bald in dieisomeren Isothiocyansäureester umlagern. Sie entstehen durch De-stillation von Rhodankalium mit Älkyljodiden:
C 2 H 5 J + KSCN = C 2 H 6 ■ SCN + K.T.
Es sind in Wasser unlösliche Flüssigkeiten von lauchartigem Geruch.Daß das Alkyl in ihnen an Schwefel gebunden ist, ergibt sich daraus,