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2 (1912) Organischer Teil
Entstehung
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Leuchtgas.

zur Rotglut erhitzt, so polymerisiert es sich zu Benzol, C 6 H 6 , undandern Kohlenwasserstoffen. Das unter Atmosphärendruck stehendeAcetylen ist nicht explosiv, von besonderer Explosionsgefahr aber sindGemische von Acetylen und Luft. Das Gemisch eines brennbaren Gasesmit Luft ist nur bei einem bestimmten Mischungsverhältnis explosions-fähig. Während ein Gemenge von Leuchtgas mit Luft nur dann zurExplosion zu bringen ist, wenn die Menge des Leuchtgases wenigstens 7und höchstens 30 Volumprozente beträgt, sind Gemische von Acetylenmit Luft explodierbar, deren Acetylengehalt zwischen 5 und 80 Volum-prozenten liegt. Auch das unter starkem Druck stehende reine Ace-tylen explodiert, wenn es an einer Stelle erhitzt wird, mit äußersterHeftigkeit. Die explosiven Eigenschaften des komprimierten Acetylensund die seiner Silber- und Kupferverbindung zeigen, daß die dreifacheBindung die Festigkeit der Molekel nicht erhöht, sondern vielmehreine gewisse Spannung hervorruft.

Das zur Beleuchtung dienende, aus Calciumcarbid und Wasser entwickelteAcetylen wird zur Reinigung durch Chlorkalkröhren geleitet, wo es von Phosphor-wasserstoff und Schwefelwasserstoff befreit wird. Die gewöhnlichen Gasbrennersind für Acetylenflammen nicht geeignet, da sie zu große Öffnungen besitzen undstarkes Rußen veranlassen. Die Acetylenbrenner besitzen daher Ausströmungs-öffnungen von kapillarer Feinheit, so daß das ausströmende Gas sich sofort gründ-lich mit Luft mischt. Das hat zur Folge, daß der Druck des ausströmendenAcetylens 3—5mal so groß sein muß wie der des Steinkohlengases. Der Aus-strömungsteil muß zur Verhinderung der Bildung von Polymerisationsprodukten, diedie Öffnung verschmieren, möglichst kühl gehalten werden und besteht daher ausSpeckstein, einem schlechten Wärmeleiter. Acetylenanlagen dürfen nach gesetz-licher Vorschrift weder über noch unter bewohnten Räumen und nur mit leichterBedachung eingerichtet werden.

Die Homologen des Acetylens besitzen diesem sehr ähnliche Eigen-schaften. Allylen, C 3 H 4 oder CH 3 — C = CH, ist ein Gas, Crotonylen, C 4 H 6 oderCH 8 — C = C — CH 3 , ist eine bei 27» siedende Flüssigkeit.

Leuchtgas.

Wenn kohlenstoffhaltige Stoffe, wie Holz, Steinkohle, Öl, unterLuftabschluß erhitzt werden, so entweicht ein mit leuchtender Flammebrennendes Gas, das aus Kohlenwasserstoffen, Wassersloif, Kohlen-oxyd usw. besteht. Man bezeichnet dieses Verfahren der Zersetzungorganischer Substanzen als trockne Destillation. In größtem Maß-stabe wird heute die Steinkohle diesem Prozeß unterworfen, indemsie in großen, aus Schamotte gefertigten, durch Koks geheizten Re-torten auf Weißglut (1200—1400°) erhitzt wird. Hierbei entstehendrei Arten von Zersetzungsprodukten: 1. Ein nicht flüchtiger, festerRückstand, der Koks, 2. Teer und Ammoniakwasser, die entweichenund sich beim Abkühlen der Destillationsprodukte kondensieren,3. Gasförmige Produkte. Diese enthalten reichliche Mengen von Am-moniak, Schwefelwasserstoff und Cyanverbindungen, die sich bei derVerwendung des Gases zur Beleuchtung störend bemerkbar machenwürden. Man leitet es daher durch Wasser, um ihm das Ammoniakzu entziehen, und über mehrere, auf flachen Hürden ausgebreiteteSchichten der Gasreinigungsmasse, die aus einem Gemisch vonEisenvitriol, Ätzkalk und Sägespänen (Lamings Gasreinigungsmasse)oder heute meistens aus gepulvertem Raseneisenstein besteht, der imwesentlichen Ferrihydroxyd darstellt. Hier werden Schwefelwasser-stoff und Cyanverbindungen zurückgehalten, und das gereinigte Gaswird in Gasometern gesammelt. Der von der Gasreinigungsmasse