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1 (1910) Anorganischer Teil
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Kaliumpermanganat.

hydroxyd bei Luftzutritt dargestellt, wobei unter dem oxydierendenEinfluß des Luftsauerstoffs zunächst Kaliummanganat entsteht:

Mn0 2 + 2KOH -f 0 = K 2 Mn0 4 -f H 2 0.Die Schmelze wird mit Wasser ausgelaugt und das Kaliummanganatdurch Einleiten von Kohlendioxyd oder Chlor in Kaliumpermanganatübergeführt. Wegen des schnellen Übergangs der Lösung des Kalium-manganats aus Grün in Violett wurde die Schmelze aus Braunsteinund Atzkali früher mineralisches Chamäleon genannt, doch verstehtman heute unter diesem Namen das Kaliumpermanganat.

Das Kaliumpermanganat bildet schwarzviolette, glänzende Prismen,die sich in 16 T. kaltem und in 3 T. siedendem Wasser mit rotvioletterFarbe lösen. Es ist dem Kaliumperchlorat, KC10 4 , isomorph.

Ebenso leicht wie das Permanganat aus dem Manganat entsteht,läßt es sich auch wieder reduzieren, doch geht die Reduktion dannüber das Manganat hinaus bis zu einer Manganoverbindung oderzum Mangansuperoxyd. In schwefelsaurer Lösung vollzieht sichdie Reduktion nach der Gleichung:

2KMn0 4 + 3H 2 S0 4 = K 2 S0 4 ~f- 2MnS0 4 -f 3H 2 0 + 50

oder

2MnO/ + 6R- = 2Mn" -f 3H,0 + 50.

Das siebenwertige Mangan gibt also fünf Wertigkeiten ab, indem sichan Stelle des violetten Anions MnO/ das nur sehr schwach rosa ge-färbte Kation Mn" bildet. In neutraler Lösung gibt das sieben-wertige Mangan nur drei Wertigkeiten ab, geht also in den vier-wertigen Zustand über, und es entsteht Mangansuperoxydhydrat:2KMn0 4 -f 3H 2 0 = 2K0H + 2Mn0 2 • H 2 0 -j- 30.

Zwei Molekeln Kaliumpermanganat geben also in saurer Lösung fünf,in neutraler oder alkalischer Lösung nur drei Atome Sauerstoff ab,was sich übersichtlicher ergibt, wenn man den Gleichungen dieFormeln des Anhydrids der Übermangansaure zugrunde legt:

Mn,0 7 = 2MnO + 50

Mn 2 0 7 = 2Mn0 3 + 30.

Sowohl in saurer, als in alkalischer Lösung tritt aber die Reaktionnur bei Gegenwart oxydierbarer Substanzen ein, die den Sauerstoffchemisch zu binden vermögen. Infolge dieser leichten Sauerstoff-abgabe ist das Kaliumpermanganat ein sehr energisches Oxydations-mittel. Beim Zusammenreiben des trocknen Salzes mit leicht ver-brennlichen Stoffen kann unter Explosion Entzündung erfolgen. Esfindet als Desinfektionsmittel ausgedehnte Verwendung, wird zwar inder bakterientötenden Wirkung von den Quecksilbersalzen weit über-troffen, ist aber ein sehr wirksames Desodorans. Es dient auch infolgeseiner stark oxydierenden Wirkung bei manchen Vergiftungen alsGegenmittel, so werden Phosphor zu phosphoriger Säure, Cyankaliumzu cyansaurem Kalium, Morphin zu Oxymorphin oxydiert. Es wirdin solchen Fällen in O,lprozentiger Lösung zur Magenausspülung be-nutzt. Auch bei Schlangenbiß soll es wirksam sein, wenn es ineinprozentiger Lösung rings um die Bißstelle in das Gewebe einge-spritzt wird. Wegen seiner leichten Reduzierbarkeit dürfen Lösungendes Kaliumpermanganats nicht durch Papier filtriert und nicht inFlaschen mit Korkstöpsel aufbewahrt werden. Auf der Haut und auf