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1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
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374
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Borsäure.

Borchlorid, BC1 S , entsteht beim Überleiten von Chlor über amorphes Bor alseine farblose, an der Luft rauchende, bei 18° siedende Flüssigkeit. In analoger Weiseentsteht das bei 90° siedende Borbromid, BBr 3 , und das aus farblosen, bei 43°schmelzenden Kristallen bestehende Borjodid, BJ 3 .

Das Borfluorid, BF 3 , ist ein farbloses Gas von stechendem, erstickendem Geruch,das sich bei —110° verflüssigt. Man erhält es durch Erhitzen eines Gemisches vonBoroxyd und Flußspat mit konzentrierter Schwefelsäure. Die Heaktion verläuft in zweiStufen, aus Flußspat und Schwefelsäure entwickelt sich Fluorwasserstoff:

CaF 2 + H,S0,

: CaSO,

2 HF,

und dieser wirkt auf das Boroxyd unter Entwicklung von Borfluorid:

B 2 0 3 + 6 HF = 2 BF 3 + 3 H 2 0.des Bors, indem es nicht zu Borsäure und Fluorwasserstoffsäure hydrolysiert wird,sondern es entsteht Borfluorwasserstoffsäure, HBF 4 :Gegen Wasser verhält sich das Borfluorid anders, als die andern Halogenverbindungen

4BF 3 -

:3HBF 4 + B(OH) 3 .

Diese Säure ist eine komplexe Verbindung, sie stellt eine Vereinigung von Borfluoridund Fluorwasserstoff dar: BF 3 -4- HF = HBF 4 . Man kennt sie nur in wässeriger Lösungund in Salzen, von denen das Kaliumsalz, KBF 4 , Kaliumborfluorid, das bekannteste ist.

Boroxyd und Borsäure.

Das Bor bildet mit Sauerstoff nur eine Verbindung, das Bor-oxyd, B 2 0 3 , auch Borsäureanh'yürid genannt, das durch Ver-brennung des Bors oder beim Glühen von Borsäure entsteht:

2B(OH) 3 ==B 2 0 3 + 3H 2 0.

Es ist eine spröde, glasartige, hygroskopische Masse, die bei 577°schmilzt, sehr feuerbeständig; ist und erst bei etwa 1500° verdampft.In Wasser löst es sich unter Wärmeentwicklung zu Borsäure. BeimGlühen des Boroxyds mit Metalloxyden entstehen Salze der Borsäure,Borate. Infolge seiner Glühbeständigkeit vermag es beim Erhitzenflüchtige Säuren, wie Salpetersäure und Schwefelsäure, aus ihrenSalzen auszutreiben und au ihre Stelle zu treten (vgl. das gleicheVerhalten der Phosphorsäure S. 197).

Borsäure, H 3 B0 3 , Acidum boricum, findet sich sowohl in freiemZustande, als auch in Form von Boraton in reichlicher Menge in derNatur. Die heute in Europa im Handel befindliche Borsäure stammtfast ausschließlich aus den Lagunen von Toskana. Dort entströmendem Erdboden auf Gebieten vulkanischer Tätigkeit, die den Namen„Fumarolen" führen, reichliche Mengen von Wasserdämpfen, die Bor-säure mit sich führen, die durch Kondensation der Wasserdämpfeund Abdampfen der Lösung gewonnen wird. Die Möglichkeit, dieBorsäure der Fumarolen trotz der geringen Menge, in der sie in denDämpfen enthalten ist, auf billigem Wege zu gewinnen, beruht darauf,daß die natürlichen heißen Dampfströme als AVärmequelle zum Ab-dampfen benutzt werden. Man bringt über den Stellen, denen dieDämpfe entströmen, Bassins an, die mit Wasser gefüllt und in die dieDämpfe hineingeleitet werden. Die Konzentration der so erhaltenenBorsäurelösung geschieht in großen Pfannen, unter denen die natür-lichen Dämpfe hinströmen. Die allmähliche freiwillige Abscheidnngder Borsäure aus den Dämpfen ist namentlich bei Sasso (in derNähe von Siena) zu beobachten, die natürlich vorkommende Bor-säure führt daher auch den Namen Sasso tin. Die Borsäure ansden Fumarolen ist durch zahlreiche Beimengungen, Ammoniumsull'alund andere Salze, verunreinigt und wird durch Umkristallisieren ge-reinigt. Auch aus Boraten, wie ans dem natürlich vorkommenden