Radium.
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zum Leuchten. Mannigfach sind die chemischen Wirkungen, die dieRadiumstrahlen hervorrufen: Wasser, Chlorwasserstoff, Kohlendioxyd,Ammoniak werden durch sie in ihre Elemente zerlegt und auch ausihnen wieder aufgebaut, eine Lösung von Jodoform in Chloroformoder Benzol, die im Dunkeln tagelang unverändert bleibt, wird, wennsich einige Milligramm Radiumbromid in der Nähe befinden, nachwenigen Minuten unter starker Färbung der Lösung zersetzt. Glas wirdbei andauernder Einwirkung von Radiumstrahlen braun, Steinsalzw ird blau gefärbt. Man hat berechnet, daß von einer gegebenen MengeRadi um innerhalb 1900 Jahren die Hälfte zerfallen ist. Das Radiummüßte demnach in meßbaren Zeiträumen völlig verschwunden sein,und es liegt daher die Vermutung nahe, daß es auch seinerseits durchUmwandlung eines andern Stoffs entsteht. Tatsächlich, hat sich fest-stellen lassen, daß das Uran, in dessen Begleitung das Radium stetsvorkommt, seine Muttersubstanz ist. Aus der Pechblende konntennoch andere Elemente isoliert werden, denen ganz ähnliche Wirkungenzukommen wie dem Radium, so das Polonium, das Radiumblei,Radiothor und Aktinium. Alle diese Elemente sind radioaktiv.Das Polonium ist ein dem Wismut, das Aktinium ein dem Thor nahe-stehendes Element. Alle diese Stoffe lassen sich auf zwei Ursub-stan.zen zurückführen, auf das Uran und das Thor. Durch Abbau desElements Uran entsteht das Radium, aus diesem über mehrere Stoffehinweg das Polonium, und aus diesem das nicht mehr radioaktive"lei. Ebenso geht eine andere Reihe radioaktiver Elemente vom Thorau s. Uran und Thor sind die beiden Elemente mit den höchstenbisher bekannten Atomgewichten (238,5 und 232,42) und man kannsich vielleicht vorstellen, daß ihre Atome mit Masse überladen sind,Wodurch Spannungen entstehen, so daß sie durch Absplitterungkleinster Teilchen in Elemente mit kleineren Atomgewichten über-gehen. Da eine fortdauernde Umwandlung des Urans in Radium statt-findet, das Radium aber weiter zerfällt, so ist das Verhältnis zwischenUran und Radium in den natürlichen Mineralien ein ganz konstantes,und zwar beträgt die Radiummenge, die 1 g Uran in einem beliebigenUranmineral entspricht, 3,8-10~ 7 g.
Nach Ramsay findet unter dem Einfluß der Radiumemanationauch eine Umwandlung anderer Elemente statt, und es hat den An-schein, als ob sie allgemein so verliefe, daß Elemente mit höheremAtomgewicht in solche mit niederem Atomgewicht derselben Gruppedes periodischen Systems umgewandelt würden, z. B. Kupfer in Lithium,^dictum in Kohlenstoff.
Die Radiumstrahlen üben sehr starke physiologische Wir-kungen aus. Auf der menschlichen Haut kann eine mehrstündigeBestrahlung sehr schwer heilende Entzündungen erzeugen, auf dieAugen wirken die Strahlen schädlich', Pflanzen und kleine Tiere werdendurch sie in wenigen Stunden getötet, auch auf MikroorganismenWirken sie vernichtend. Zu Heilzwecken wird die Bestrahlung durch■^adiumpräparate heute bei Hautleiden, bei tuberkulösen und kfebsigen^eschwüren und Lupus angewandt. Das Radiumsalz wird in einerKapsel aus Kautschuk, die auf einer Seite durch eine Glimmerplatteverschlossen ist, über die zu bestrahlende Stelle gebracht, es bildensich auf der Haut zunächst Entzündungen, dann Blasen, und die be-strahlten Gewebe sterben ab.