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1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
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Stickstoff.

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Eigenschaften. Der Stickstoff ist ein färb- und geruchlosesGas, das durch eine sehr geringe Reaktionsfähigkeit ausgezeichnetist. .Er ist in Wasser sehr wenig löslich, 1 Liter Wasser von 10° löst15 ccm, reichlicher löst er sich in Alkohol. Er brennt nicht und unter-hält nicht, die Verbrennung. Ein Tier, das in eine Atmosphäre vonreinem Stickstoff gebracht wird, erstickt alsbald, der Tod ist abernur eine Folge des Mangels an Sauerstoff, der durch die Atmungdem Blute zugeführt werden muß, und nicht etwa einer schädlichenWirkung des Stickstoffs, der sich' ganz indifferent verhält. Das spezi-fische Gewicht des Stickstoffs, bezogen auf Sauerstoff (0 2 = 32), be-trägt 28, dies ist also sein Molekulargewicht (genau 28,2), er ist dem-nach etwas leichter als Sauerstoff. Daß die Stickstoffmolekel aus zweiAtomen besteht, läßt sich auf folgende Weise beweisen. Das Ammoniak-gas, eine Verbindung von Stickstoff mit Wasserstoff, besitzt seinerDichte zufolge das Molekulargewicht 17. Dieses Gas entsteht unterder Einwirkung des elektrischen Funkens' durch Vereinigung von lVol.Stickstoff mit 3 Vol. Wasserstoff, und es enthält auf 14 GewichtsteileStickstoff 3 Gewichtsteile Wasserstoff. Das Atomgewicht des Stick-stoffs kann daher nicht größer sein als 14, es ist aber auch keine Ver-bindung bekannt, aus der sich ein kleineres Atomgewicht berechnete,dieses ist mithin gleich dem halben Molekulargewicht. Ein Liter Stick-stoff wiegt bei 0° und 760 mm Druck 1,250 g. Durch sehr starkeAbkühlung gelingt es, den Stickstoff zu einer farblosen Flüssigkeitzu verdienten, die unter Atmosphärendruck bei -195° siedet. Be-schleunigt man die Verdunstung durch Verminderung des Drucks, soerfolgt eine sehr starke Temperaturerniedrigung, die zur Folge hat,daß der Stickstoff zu einer bei -- 214° schmelzenden Kristailmasseerstarrt. Die kritische Temperatur des Stickstoffs liegt bei -145°,bei der er durch 1 einen, Druck von 35 Atmosphären verflüssigt wird.

Als Bestandteil der Luft bewirkt der Stickstoff eine starke Herab-setzung der Lebhaftigkeit der Verbrennung. Es gibt nur sehr wenigeElemente, die sich mit Stickstoff direkt verbinden und stets nur beisehr hoher Temperatur. Einige Metalle, wie Magnesium und Calcium,verbinden sich bei Rotglut mit Stickstoff zu sogenannten Nitriden,Mg 3 N 2 , Magnesiumnitrid und Ca 3 N,, Calciumnitrid, und mit Sauerstoffgeht er unter dem Einfluß sehr starker elektrischer Ströme Verbin-dungen ein. Während bei der Verbindung brennbarer Gase mit Sauer-stoff Wärme frei wird, wird bei der Vereinigung von Stickstoff mitSauerstoff Wärme gebunden. Darum kann der Stickstoff im Sauerstoff,auch wenn die Vereinigung einmal eingeleitet ist, nicht von selbstweiterbrennen, sondern die hierzu erforderliche Energie muß fort-dauernd zugeführt werden.

Die Reaktionsträgheit des elementaren Stickstoffs steht im Gegen-satz zu dem Verhalten seiner Verbindungen, die zum großen Teil sehrreaktionsfähig sind. Unter ihnen gibt es viele, die von außerordent-licher praktischer Bedeutung sind, vor allem gilt das vom Ammoniakund der Salpetersäure, aber auch 1 viele kohlenstoffhaltige Verbindungendes Stickstoffs sind als Sprengstoffe, Farbstoffe und Arzneimittel vonhervorragender Wichtigkeit. Zwischen dem elementaren Stickstoff derLuft und dem chemisch gebundenen besteht ein gewisses Gleich-gewicht. Tiere und Menschen decken den Gehalt an Stickstoffverbin-dungen, an Eiweißstoffen, den sie zu ihrer Ernährung brauchen, nur