Druckschrift 
1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
Seite
156
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

156

Stickstoff.

V i

Mengen Stickstoffverbindungen finden sich nur in Chilg, wo dasNatriumnitrat, NaN0 3 , mächtige Lager bildet. Sehr verbreitet ist erin den organischen Verbindungen, so ist er eins der Elemente, ausdenen sich die für alle Lebewesen unerläßlichen Eiweißstoffe auf-bauen und bildet einen wichtigen Bestandteil vieler anderer, intierischen und pflanzlichen Organismen gebildeter Verbindungen. Einstickstoffhaltiges tierisches Stoffwechselprodukt ist der Guano, dersich an den Küsten von Chile und Peru in großen Lagern findet undder aus verwitterten Exkrementen von Vögeln besteht. Auch derChilesalpeter hat sich vermutlich aus organischen Verbindungentierischen Ursprungs gebildet. Das Ammoniak und die Nitrate, diebeiden anorganischen Verbindungsarten des Stickstoffs, die in ge-ringer Menge fast überall verbreitet sind, verdanken ihre Entstehungdem Zerfall der sehr kompliziert zusammengesetzten und unbestän-digen organischen Verbindungen, die wir unter dem Namen Eiweiß-stoffe zusammenfassen, und an denen bei den Pflanzen namentlichsolche Organe reich sind, die der Ernährung und Fortpflanzung dienen,wie Samen und Zoosporen. Viel reicher als die Pflanzen sind dieTiere an Stickstoffverbindungen, deren Gewebe fast nur aus ihnenbestehen.

Die Trennung des Stickstoffs der Luft vom Sauerstoff kann auchdadurch erfolgen, daß man die Luft durch ein glühendes Rohr leitet,das mit Kupferspähnen gefüllt ist. Das Kupfer verbindet sich mitdem Sauerstoff zu Kupferoxyd, während der Stickstoff unverändertdurch das Rohr hindurchgeht. Aber der aus der Luft gewonneneStickstoff ist nicht rein, die Luft besteht nicht nur aus Stickstoff undSauerstoff, sondern sie enthält etwa 1 o/o eines andern gasförmigenElements, des Argons, und ferner stets geringe Mengen von Wasser-dampf und Kohlendioxyd. Es gelingt leicht, Sauerstoff, Wasserdampfund Kohlendioxyd zu entfernen, es ist aber nicht möglich, den Stick-stoff durch einfache Mittel vom Argon zu befreien, der aus der Luftgewonnene Stickstoff ist daher stets argonhaltig. Chemisch reinerStickstoff läßt sich aber gewinnen, wenn man ihn aus seinen Ver-bindungen abscheidet. Hierzu dient am geeignetsten das Ammonium-nitrit, NH 4 N0 2 , das eine Vereinigung zweier stickstoffhaltiger Ver-bindungen, des Ammoniaks, NH 3 , und der salpetrigen Säure, HN0 2 ,darstellt. Erhitzt man das Salz, so zerfällt es in Stickstoff und Wasser :

NH 4 N0 2 ==N 2 + 2H 2 0.Da das Ainmoniumnitrit nur schwer darzustellen ist, so erhitzt manzweckmäßig konzentrierte Lösungen von Kaliumnitrit und Ammonium-chlorid. Die beiden Salze setzen' sich zu Kaliumchlorid und Ammönium-nitrit um, und dieses zerfällt:

KN0 2 + NILCl = KCl -f N 2 -j- 2H 2 0.Man kann auch den Stickstoff des Ammoniaks in Freiheit setzen,indem man den Wasserstoff dieser Verbindung durch Natriumhypo-bromit oxydiert:

2 NH 3 -| - 3 NaBrO == N 2 -f 3 NaBr -f 3 H 8 0,oder indem man Chlor in wässeriges Ammoniak leitet:

2NH, + 3C1, = N,-|-6HC1,wobei aber Vorsicht nötig ist, da sich hierbei eine explosible Ver-bindung von Chlor mit Stickstoff bildet.