Die wirtschaftlichen Grundlagen des Fetthärtungsprozesses.
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Unter solchen Umständen ist für industrielle Fetthärtung vor allem billigerWasserstoff erforderlich. Dort wo der Wasserstoff als Nebenprodukt (z. B.bei elektrolytischen Alkaliverfahren usw.) oder durch natürliche Energiebillig zu haben ist, erledigt sich dieses Problem leicht. In anderen Fällenaber hängt die Lukrativität schon von diesen Kosten wesentlich ab, da Wasser-gas aus verschiedenen Gründen nicht zur Verwendung gelangt. So z. B.besitzt es nach den Versuchen Walters 1 antikatalytisch wirkende, nicht leichtzu entfernende Verunreinigungen, durch welche die Wirkung der Kontakt-masse viel früher erlischt, als es beim Arbeiten mit reinem Wasserstoff derFall wäre, wodurch die Ersparnis für das Gas schon durch die vermehrtenKosten für die Katalysatormasse aufgehoben wird. Weitere Schwierigkeitenbestehen nach Walter darin, daß infolge der starken Wasserstoffverdünnungauch die zur Hydrogenisierung erforderliche Zeitdauer zu groß wird und dieHärtung überhaupt nicht so weit getrieben werden kann, wie mit Wasser-stoff. Wenn schon bei Verwendung reinen Wasserstoffs ein beträchtlicherTeil desselben unter allen Umständen den Apparat unverbraucht verläßt,um wie viel mehr ist dies bei dem verdünnten Wassergas der Fall, nachdemdie katalytische Übertragung des Wasserstoffs keineswegs proportional mitdessen Verdünnung verläuft! — Wie groß der Mehrverbrauch bei Anwendungvon Wassergas an Wasserstoff würde, läßt sich aus der Angabe Walters be-messen, nach welcher selbst von zweckmäßig zusammengesetztem Wassergasnur etwa 17 Proz. ausgenützt werden könnten. Demnach kommt für Fett-härtungszwecke nur elektrolytischer Wasserstoff, eventuell ein solcher durchReduktion mit Eisen, oder nach dem Verfahren von Linde in Betracht. Soviel bekannt, wird z. B. in den „Germania-Werken" der Wasserstoff nach demEisen -Wasser dampf verfahren hergestellt und sorgfältigst gereinigt.Er soll ohne Verzinsung und Amortisation pro in 3 13 bis 15 Pfennige kosten 2 ,was wiederum pro kg auf etwa 1,60 bis 1,70 Mark berechnet werden kann.Dies gilt aber nur für reichlicheren Verbrauch von Wasserstoff, also für größereAnlagen, die etwa pro Stunde 30 m 3 Wasserstoff benötigen. Bei geringeremVerbrauch steigen die Kosten wesentlich. Wenn schon die Verzinsung solcherWasserstoffgewinnungsanlagen nicht gering zu veranschlagen ist, so mußsie noch um diejenige Quote erhöht werden, welche für die Verzinsung derGesamtanlage entfällt. Der Preis des Wasserstoffs nach dem Linde-Verfahrenist weiteren Kreisen bis nun nicht bekannt. Wohl aber weiß man, daß schondie Anschaffungskosten für die Anlage sehr beträchtlich sind. Sachs hat dieKosten für eine Wassorstoffanlage nach Linde-Frank-Caro mit 50 m 3 Stunden-leistung zu 180 000 Mark, für größere Leistungen zu 240 000 bis 280 000 Markangegeben. Man wird daher die Verzinsung und Amortisationskosten einerso erheblichen Kapitalsinvestierung nicht außer acht lassen können. Dazukommen die Kosten für den Katalysator. Sie werden deshalb unterschätzt,weil er, richtig hergestellt, nur in einer Menge von 2 Proz. angewandt werdenmuß und theoretisch sich dauernd betätigen könnte. Dies ist aber tatsächlich
1 Waller, Seifensieder-Zeitung 1913, Nr. 1.
2 Die Preisangaben beziehen sich auf die Verhaltnisse vor dem Kriege.