Die Synthese von Fettsäureglyceriden.
die Fettsäuren mit der für das Monoglycerid berechneten Menge Glycerinim geschlossenen Rohre, stellte aus dem so gewonnenen Monoglycerid inanaloger Weise das Diglycerid und aus diesem schließlich das Triglyceridher 1 . Franz Hundeshagen, welcher zum zweiten Male die Stearinsäureglyceridegelegentlich seines Versuches einer Lecithinsynthese herstellte, erhitzte teil-weise ebenfalls im geschlossenen Rohre, teilweise aber entfernte er schondas Wasser und erkannte die Vollendung der Reaktion an dessen überdestil-lierter Menge in bezug auf das theoretische Erfordernis 2 . Daß trotzdem dieSynthese natürlicher Glyceride je nach den eingehaltenen Versuchsbedingungennicht eindeutig verlaufen muß, konnte HuridesJiagen daran erkennen, daß eraus Stearinsäure und einem auf 230 bis 250° C erhitzten Glycerin zu einemDiglycerinstearat (OH) 2 C 3 H 5 OC 3 H 5 OHC 18 H3 5 0 2 gelangte 3 .
Scheij trug der Umkehrbarkeit dieser Reaktion bereits Rechnung; esgelang ihm dadurch, daß er Glycerin in einem Überschusse von Fettsäurenanwandte und durch die Reaktionsmasse einen Luftstrom leitete 4 , die Reak-tion durch vollständige Entfernung des Reaktionswassers zugunsten derTriglyceridbildung zu verschieben 6 . Freilich ist hierbei die Bildung vonMono- und Diglyceriden durchaus nicht ausgeschlossen und es empfiehltsich, will man ein reines Triglycerid erhalten, das Reaktionsprodukt wieder-holt aus passenden Lösungsmitteln umzukrystallisieren. Daß sich bei An-wendung flüssiger Fettsäuren die Luft besser durch Kohlensäure ersetzenläßt, ist selbstverständhch und so finden wir bei jedem folgenden technischenBestreben, Triglyceride synthetisch herzustellen, die Prinzipien der theore-tischen Erkenntnis dieser Synthese befolgt. Die Frage, welche Ausbeutenhierbei entstehen können, hat J. Beilud 6 , der sich in letzter Zeit eingehendmit der direkten Synthese der Glyceride unter gewöhnlichem Druck beschäf-tigte, beantwortet; er stellte die Glyceride durch Verwendung der stöchio-metrischen Mengen nach der Gleichung: 1 Mol. Glycerin + 3 Mol. Fett-säure ;<± Glycerid -f- Wasser her. Die Reaktion beförderte er bezüglichder Bildung und des Austritts des Wassers durch Anwendung eines Vaku-ums. Wird das Gemenge derart auf 180 bis 260° C erwärmt, so war unterEntweichen des Wasserdampfes die Veresterung innerhalb 2 Stunden beinahevollkommen; die Ausbeute erreichte 95 bis 98 Proz. Auch in einer analogfördernden Kohlendioxydatmosphäro verlief die Reaktion, selbst unter nor-malem Drucke, glatt.
Unter ähnlichen Umständen konnte Beilud auch eine direkte Syntheseeiniger höherer Cetylester durchführen. Die Reaktion verlief unter nor-malem Druck, als durch ein Gemenge äquimolekularer Teile Stearinsäure
1 Berthelot, Les corps gras d'origine animal, Paris 1815; ferner Annales de Chim.et de phys., 3. Serie XLI, 1854, S. 216.
2 Hundeshagen, Journ. £. prakt. Chemie [2] 28, 227.
3 ibid. [2] 38, 252.
4 Scheij, Recueil des travaux chim. des Pays-Bas 18, 169.
6 Vgl. über den Chemismus der Glyceridsynthesen: Ulzer und KUmont, Allgemeineund Physiolog. Chemie d. Fette, Berlin, Jul. Springer 1906.
8 Beilud, Vortrag i. d. Sect. Rom d. societa chim. (Vgl. Chem.-Ztg., Ref. 1911.)