412
Zwölftes Kapitel.
in die Pars mastoidea (37) und diese in die knorpelige Hinterhaupts-schuppe (27) über. Nur an zwei Stellen sind auch im hinteren Teil desknorpeligen Primordialcranium Verknöcherungen aufgetreten, welcheerst später zu besprechen sind, nämlich in den Partes condyloideae (9)und in der Mitte der Schuppe (10).
b) Das häutige und das knorpelige Viszeralskelett.
Außer dem knorpeligen Primordialcranium entwickeln sich amKopfe noch zahlreiche Knorpelstücke (Fig. 408), welche den Wandungender Kopfdarmhöhle zur Stütze dienen, in ähnlicher, wenn auch nichtdirekt vergleichbarer Weise, wie im Bereich der Wirbelsäule die Rippenin den Rumpfwandungen entstehen. Sie bilden zusammen einen Skelett-apparat, der in der Reihe der Wirbeltiere sehr tiefgreifende, interessanteMetamorphosen erfährt. Während er bei den niederen Wirbeltieren einemächtige Entfaltung erreicht, verkümmert er zum Teil bei den Reptilien,Vögeln und Säugetieren: mit dem Teil aber, welcher bestehen bleibt, gibter die Grundlage für den Gesichtsschädel ab. Ich beginne mit einerkurzen Skizze der ursprünglichen Verhältnisse niederer Wirbeltiere, be-sonders der Selachier.
Wie schon in einem früheren Kapitel (S. 201) beschrieben wordenist, werden die Seitenwände der Kopfdarmhöhle von den Schlundspalten
£• c * ___4» M.Pt er
frup
Fig. 408. Kopf eines Haifisch-Embryovon 11 Linien Länge. Nach Parker.
Tr RATHKEsriier Schädelbalken, Pl.PtPalato- Quadratum.JAf« Mandibularknor-pel, Hy Hyoidbogen, Br. 1 erster Kie-menbogen, Sp Spritzloch, CV erste Kie-menspalte, Lch Rinne unter dem Auge,Na Nasenanlage, E Augapfel, Au Ohr-blase, C. 1, 2, 3 Gehirnblasen, Hm Hemi-sphären, f.n.p Stirnnasenfortsatz.
durchsetzt. Die Substanzstreifen zwischen ihnen heißen die häutigenSchlund- oder Viszeralbogen. Siebestehen aus einer bindegewebigenGrundlage, die nach außen von Epithel überzogen wird, aus quer-gestreiften Muskelfasern und aus den Schlundbogengefäßen (s. S. 385).Sie werden, da sie verschiedene Aufgaben zu erfüllen haben und dem-gemäß auch eine verschiedene Form gewinnen, als Kiefer-, Zungenbein-und Kiemenbogen unterschieden. Der vorderste von ihnen ist derKieferbogen; er dient zur Begrenzung der Mundhöhle. Ihm folgt, nurdurch eine rudimentäre Schlundspalte, das Spritzloch, getrennt, derZungenbeinbogen, welcher zum Ursprung der Zunge in Beziehung steht.An ihn schließen sich gewöhnlich fünf Kiemenbogen an.
Zur Zeit, wo das häutige Primordialcranium verknorpelt, findenauch Verknorpelungsprozesse im Bindegewebe der häutigen Schlund-bogen statt und lassen die knorpeligen Schlundbogen (Fig. 408) ent-stehen. Diese zeigen eine regelmäßige Gliederung in mehrere über-einander gelegene, durch Bindegewebe beweglich verbundene Stücke.
Der Kieferbogen zerfällt, wie das Skelett des ausgebildeten Tiereszeigt (Fig. 405), auf jeder Seite in ein knorpeliges Palatoquadratum (O)und in einen Unterkiefer (U) (Mandibulare). Beide tragen in der sie über-ziehenden Schleimhaut die Kieferzähne. Die beiden Unterkiefer werdenin der Medianebene durch eine straffe Bindegewebsmasse untereinander