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Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
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Die Organe des Zwischenblattes oder Mesenchyms.

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Beim Menschen beginnt der Verknorpelungsprozeß [am Anfangdes 2. Monats. An einzelnen Stellen der Gewebsmasse, welche die Chordaumhüllt, scheiden die Zellen eine knorpelige Grundsubstanz zwischensich aus und rücken weiter auseinander, während auf anderen dazwischengelegenen, kleineren Strecken das Gewebe seinen Charakter nicht ver-ändert (Fig. 301, 326 w u. 400 v). Auf diese Weise sondert sich die skelett-bildende Schicht in zahlreiche, auf dem Längsdurchschnitt heller aus-sehende Wirbelkörper (Fig. 400 v) und in die sie trennenden Zwischen-wirbelscheiben (Ligamenta intervertebralia, li).

Mit dem Auftreten einer gegliederten Wirbelsäule hat die Chordaihre Rolle eines stützenden Skelettstabes eingebüßt. Sie ist daher auchvon jetzt ab einem allmählichen Untergang verfallen. Die in den Wirbel-körper eingeschlossenen Teile werden in ihrem Wachstum gehemmt,während die kleineren, in den weichen Zwischenwirbelscheiben gelegenenStrecken zu wuchern fortfahren (Fig. 400 ch). Dadurch gewinnt jetztdie Chorda, wie man zu sagen pflegt, einperlschnurartiges Aussehen; verdickte, kugeligeAbschnitte hängen durch dünne Verbindungs-fäden untereinander zusammen. Später schwin-det die Chorda in den Wirbelkörpern ganz,zumal wenn diese zu verknöchern beginnen;nur intervertebral erhält sie sich, wenn auchvon ihrer Umgebung undeutlich abgegrenzt,und liefert durch Wucherung ihrer Zellen dieGallertkerne der Zwischenwirbelscheiben.

Kurz nach dem Erscheinen der Wirbel-körper sind auch die Anlagen der dazu ge-hörigen Bogen zu bemerken; sie entstehen alskleine selbständige Knorpelstückchen in derdas Bückenmark umhüllenden Membran innächster Nähe der Wirbelkörper, mit denensie bald verschmelzen (Fig. 301 wb). IhrWachstum ist ein ziemlich langsames. In der8. Woche erscheinen sie beim Menschen nochals kurze Fortsätze der Wirbelkörper, so daß

das Rückenmark dorsalwärts von der häutigen Membran^ bedeckt wird.Im 3. Monat wachsen sie einander am Rücken entgegen, doch kommtes erst im folgenden Monat zu einer vollständigen Verschmelzung undzur Entstehung knorpeliger Wirbeldorne. Der zwischen den knorpeligenBogen gelegene Teil der Membran liefert den Bandapparat.

Beim Verknorpelungsprozeß nehmen die entstehenden Wirbel-körper eine bestimmte, gesetzmäßige Stellung zu den Rumpf- undMuskelsegmenten ein, in der Weise, daß sie jederzeit an zwei derselbenangrenzen, zur Hälfte an ein vorhergehendes, zur Hälfte an ein nach-folgendes. Oder in anderen Worten: Wirbelkörper und Muskel-segmente decken sich nicht, sondern alternieren in ihrerStellung miteinander. Die Notwendigkeit einer derartigen Ein-richtung ergibt sich von selbst aus der Aufgabe, welche Wirbelsäuleund Muskulatur zusammen zu erfüllen haben. Die Skelettachse mußzwei entgegengesetzte Eigenschaften vereint zeigen: sie muß fest, aberauch biegsam sein, fest, um als Stütze des Rumpfes zu dienen, biegsam,um seinen Bewegungen nicht hinderlich zu sein. Da ein einheitlicherKnorpelstab nicht genug Biegsamkeit besitzen würde, kann der Ver-

O. Hertwig, Die Elemente der Entwicklungslehre. 5. Aufl. 26

f 7 Fig. 400. Längsschnittdurch die Wirbelsäule eines8 Wochen alten mensch-lichen Embryo. Nach Köl-

LIKER.

v knorpeliger Wirbel-körper, li Intervertebral-ligament, ch Chorda.