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Zwölftes Kapitel.
sich, indem sie Flüssigkeit in ihr Protoplasma aufnehmen, umhüllensich mit derben Membranen und gewinnen so ganz das Aussehen vonPflanzenzellen. Nur an der inneren Fläche der Chordascheide (Fig. 399)bleiben die Zellen klein und protoplasmatisch und bilden eine besondereSchicht, das Chordaepithel, welches durch Vermehrung und Umwand-lung seiner Elemente eine Zunahme der Chordasubstanz herbeiführt.Bei allen höheren Wirbeltieren (Reptilien, Vögeln, Säugern) beginntdie Chorda, schon gleich nach ihrer ersten Anlage, in einzelnen Ab-schnitten rudimentär und überhaupt als Stützgebilde ganz unbrauch-bar zu werden.
Eine noch bedeutendere Rolle in der Ent-wicklung des Achsenskeletts als die Chorda spieltdas Mesenchym in ihrer Umgebung. Wie eben-falls schon früher dargestellt wurde (S. 122),bildet sich aus einem Abschnitt der Rumpfseg-mente, dem Skierotom (Fig. 139 sä, Fig. 252 TU),ein Gallertgewebe, welches sich zwischen denKeimblättern und den aus ihnen sich anlegendenOrganen ausbreitet. Es wächst um die Chordaherum und liefert ihr eine besondere Hülle, dieskeletogene Chordascheide; von hier breitet essich nach oben um das Nervenrohr aus und er-zeugt eine Schicht, die sogenannten häutigenWirbelbögen. Auch seitlich dehnt sich bei denEmbryonen das Mesenchym aus, dringt in dieLücken zwischen die einzelnen Rumpfsegmentehinein und wandelt sich in dünne Bindegewebs-platten, die Zwisehenmuskelbänder (Fig. 247,Fig. 249 li) (Ligamenta intermuscularia), um,durch welche die Rumpfmuskulatur in einzelneMuskelsegmente (ms) (Myomeren) zerlegt wird.An der vorderen und an der hinteren Flächedieser Platten finden die Muskelfasern einenAnsatz und Stützpunkt (vgl. Fig. 249 und den Text auf S. 244 u. 245).Das hier in seiner Ausbreitung beschriebene [Mesenchymgerüstbildet die Grundlage, aus welcher sich die Wirbelsäule nebst ihren An-hangsgebilden entwickelt; daher es denn auch in passender Weise alsskelettbildende Schicht oder mit einem noch älteren Namen als„häutige Wirbelsäule" bezeichnet wird. Es erfährt sehr verschieden-artige Modifikationen in den einzelnen Klassen |der Wirbeltiere undruft so die verschiedenartigsten Formen des Achsenskeletts hervor,über welche die Lehrbücher der vergleichenden Anatomie, auf welchehiermit verwiesen wird, nähere Auskunft geben. Wir beschränkenuns hier auf den Menschen und auf die Säugetiere. Wenn man bei diesendie Entwicklung des ursprünglich häutigen Gewebes in der Umgebungder Chorda und des Nervenrohrs weiter verfolgt, so sieht man, daß esnacheinander zwei histologische Metamorphosen erfährt, daß eszunächst teilweise verknorpelt, und daß später die knorpeligen Stückein Knochengewebe umgewandelt werden. Oder mit anderen Worten:die zuerst angelegte, häutige Wirbelsäule geht bald ineine knorpelige über, und diese wird wieder durch eineknöcherne ersetzt. Im einzelnen vollzieht sich der Hergang in folgen-der Weise:
Fig. 399. Querschnittdurch die Wirbelsäuleeines jungen Lachses.
Nach Gegenbaur.
es Chordascheide, kNeuralbogen, k' Hämal-bogen, m Rückenmark,a Rückenaorta, v Kardi-nalvenen.