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Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
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Elftes Kapitel.

werden, machen sie einen Bestandteil des im Darmkanal sieh ansammeln-den Kindspeches aus. Ein stärkerer Wechsel findet beim Menschengleich nach der Geburt statt mit dem Ausfall der Wollhaare, die anmanchen Stellen des Körpers durch eine kräftigere Behaarung ersetztwerden.

Bei den Säugetieren zeigt das Ausfallen und die Neubildung derHaare eine gewisse Periodizität, welche von der wärmeren und derkälteren Jahreszeit abhängig ist. So entwickelt sich bei ihnen ein Sommer-und ein Winterpelz. Auch beim Menschen wird der Haarwechsel,wenn auch in einer minder auffälligen Weise, von den Jahreszeiten be-einflußt. Das Ausfallen eines Haares wird durch Veränderungen desauf der Papille aufsitzenden Keimlagers eingeleitet. Der Vermehrungs-prozeß der Epithelzellen, durch welchen die Anbildung neuer Horri-substanz geschieht, hört auf; das nicht weiter wachsende Haar löst sichvon seinem Mutterboden ab und nimmt an seinem unteren Ende einekolbige Beschaffenheit an, daher es jetzt als Kolbenhaar bezeichnetwird (Fig. 365); im Haarbalg wird es aber noch durch die fest anschließen-den Wurzelscheiden zurückgehalten, bis es gewaltsam herausgerissenoder durch das an seine Stelle tretende Ersatzhaar nach außen heraus-gedrängt wird.

Über die Entwicklungsweise der Ersatzhaare bestehenzurzeit noch verschiedene Meinungen. Die meisten Forscher lassen sichdas Ersatzhaar auf derselben Papille (Fig. 365 pa) bilden, von welchersich das Kolbenhaar (kh) abgelöst hat. Die durch das Emporrückendes letzteren leer gewordenen Wurzelscheiden (iv) schließen sich zueinem Zellstrang zusammen; sie stellen über der alten Papille gewisser-maßen einen neuen epithelialen Haarkeim dar, dessen über der Papille(pa) gelegene Zellen nach einiger Zeit wieder zu wuchern beginnen undein gleichsam verjüngtes Keimlager liefern. Durch ihre Tätigkeit ent-wickelt sich das Ersatzhaar in der oben für das primäre embryonaleHaar beschriebenen Weise; es wächst allmählich von der Tiefe zur Ober-fläche empor und schiebt dabei das Kolbenhaar so lange vor sich her,bis es ausfällt und dem neuen Gebilde Platz macht.

Nach einer zweiten Ansicht, für welche Stieda in einer soebenerschienenen Untersuchung warm eingetreten ist, und welche ich gleich-falls für gut begründet halte, dient die Papille des ausfallenden Haaresniemals zur Produktion eines neuen, sondern sie atrophiert mit demsie überziehenden Keimlager. Ihre Atrophie ist wahrscheinlich über-haupt die Ursache oder der erste Anstoß zum Haarausfall.

Die Entwicklung einer neuen Papille erfolgt in einer doppeltenWeise. 1. Bei der ersten Haargeneration, die beim Embryo angelegtwird, oder bei den Primärhaaren, läßt sich die Stelle, von der dieBildung eines Ersatzhaares ihren Ausgang nehmen wird, schon sehrfrühzeitig erkennen. Schon an den kolbenförmigen Haarkeimen, diein den Fig. 363 u. 364 abgebildet sind, markieren sich zwei Wülste, diedurch lokale regere Vermehrung der Epithelzellen entstanden sind.Der obere ist die Anlage der Talgdrüse, deren Entwicklung auf einerder nächsten Seiten beschrieben wird; der untere Wulst ist als Haar--bigeJt (Stöhr) bezeichnet (Fig. 363 u. 364) worden; nach Stieda undanderen bedeutet er die Stelle, die später zum Keim des sekundärenHaares auswächst und eine bindegewebige Papille erhält, über welchersich wieder ein kleiner Haarkegel bildet. 2. Bei allen späteren Haar-generationen entsteht kein sogenanntes Haarbeet, sondern es wächst