Die Organe des äußeren Keimblattes.
351
Die Epidermis macht nur einen Bestandteil der Haut des Er-wachsenen oder des Integuments aus; den anderen, an Masse über-wiegenden Teil, die Lederhaut oder das ßorium, liefert das Zwischen-blatt oder Mesenchym. Es stammt in dieser Gegend, wie schon früher(S. 123) erwähnt wurde, von der Wand der Kückensegmente ab, welcheder Epidermis zugekehrt ist und als Cutisplatte. (Rabl) unterschiedenwird. Es findet hier die gleiche Erscheinung wie an anderen Häutenund Organen des Körpers statt. Die von den primären Keim-blättern abstammenden Epithellagen treten in nähereBeziehung zu dem Mesenchym, indem sie von ihm eine zur Stützeund Ernährung dienende, bindegewebige Grundlage erhalten. Wiesich das innere Keimblatt mit dem Zwischenblatt zur Darmschlcimhaut,das epitheliale Hörbläschen mit der angrenzenden Stützsubstanz zumhäutigen Labyrinth und die epitheliale Augenblase mit der Chorioidcaund Sclera zum Augapfel vereint, so verbindet sich auch hier die Epi-dermis mit dem Corium zur äußeren Haut.
In den ersten Monaten bildet das Corium beim Menschen eineSchicht dicht zusammenliegender, spindelförmiger Zellen und ist durcheine zarte, strukturlose Grenzmembran (Basalmembran) mit glatterFläche, wie es bei niederen Wirbeltieren dauernd der Fall ist, gegen dieOberhaut abgesetzt. Im 3. Monat sondert es sich in die eigentlicheLederhaut und in das locker werdende Unterhautbindegewebe, in welchemsich bald auch einige Fettträubchen entwickeln. Diese nehmen von derMitte der Schwangerschaft an Zahl so zu, daß bald das Unterhautbinde-gewebe zu einer den ganzen Körper bedeckenden Fettschicht wird.Zu dieser Zeit geht auch die glatte Kontur zwischen Ober- und Lederhautverloren. Die Lederhaut entwickelt an ihrer Oberfläche kleine Papillen,welche in die Keimschicht hineinwachsen und den Papillarkörperder Haut (Corpus papilläre) erzeugen.
Eine höhere Ausbildung erlangt die Haut der Wirbeltiere infolgeähnlicher Prozesse, wie sie vom Darmkanal beschrieben worden sind.Die Epidermis vergrößert ihre Oberfläche nach außen durchBildung von Fortsätzen, nach innen durch Einstülpungen.Indem die aus- und eingestülpten Teile dabei auch ihre histologischeEigenschaften in mannigfaltiger Weise verändern, entsteht eine großeAnzahl verschiedenartiger Organe, welche in den einzelnen Wirbeltier-klassen in ungleicher Weise entwickelt sind und so in erster Linie ihräußeres Aussehen bestimmen. Als Fortsätze nach außen entstehen dieHautzähne und Schuppen, die Federn, Haare und Nägel, als Ein-stülpungen dagegen die Schweiß-, Talg- und Milchdrüsen. Wir werdenuns hier nur mit der Entwicklung der aus der Haut sich bildenden Organebei den Säugetieren, also mit der Entwicklung der Haare, der Nägelund der Drüsen, beschäftigen.
1. Die Haare. Die Anlage der Haare beginnt beim Menschenam Ende des 2. embryonalen Monats an einzelnen Stellen (zuerst inder Gegend der Augenbrauen, der Oberlippe und des Kinnes). Dasallgemeine Haarkleid entwickelt sich erst vom Anfang des 4. Monatsan (Pinkus).
Die gewöhnliche Entwicklungsweise der Haare ist die vom Men-schen bekannte (Stöhr, Stieda u. a.). Es wuchern an einzelnen Stellendie Zellen des Stratum cylindricum und bilden kleine, solide Knötchen,die Haarkeime (Fig. 361). Dieselben wachsen unter lebhafter Ver-mehrung der Epithelzellen in schräger Richtung in die unterliegende