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Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
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Zehntes Kapitel.

sind, verdünnt sich zwischen ihnen die Scheidewand und reißt zuerstin der Mitte des Genitalstranges ein. So entwickelt sich aus ihnen durchWeitergreifen des Prozesses ein einfacher Schlauch, der Uterovaginal-kanal, welcher auch im männlichen Geschlecht als rudimentäres Organangelegt wird und der bereits erwähnte Sinus prostaticus oder Uterusmasculinus ist. (Fig. 278 u.m). Beim Weibe sind am Uterovaginalkanal sehrfrühzeitig ein proximaler größerer und ein distaler kleinerer Abschnittzu unterscheiden, wie von Nagel nachgewiesen worden ist. Der einezeigt auf dem Querschnitt eine querovale Höhlung und wird von einemEpithel aus hohen, schmalen Zylinderzellen ausgefüllt, er wird zur Gebär-mutter; der andere Abschnitt wird zur Scheide. Im 6. Monat beginnensich Gebärmutter und Scheide schärfer voneinander zu sondern. Derobere, die Eileiter aufnehmende Abschnitt erhält sehr dicke und musku-löse Wandungen und eine enge Höhlung und grenzt sich nach abwärtsdurch einen einspringenden, ringförmigen Wulst, der zur Vaginalportionwird, gegen den unteren Abschnitt, die Scheide, ab, die geräumigerbleibt und eine dünnere Wandung besitzt.

Fig. 286. Rekonstruktionsbild des Sinus uro-genitalis mit des Einmündung der Harnblase undder Harnröhre des Geschlechtsstranges von hintenund etwas von links gesehen, rekonstruiert voneinem menschlichen weiblichen Embryo von 29 mm.St.-N.-L. nach Keibel aus Felix Bühler, Ent-wiokl. d. Geschlechtsorgane in Hertwigs Handbuchder vergl. Entwicklungslehre, Bd. III.

hhl Harnblase, hl Harnleiter, hr Harnröhre,sug sinus urogenitalis, ug Urnierengang, uv diezum Utero-vaginalkanal vereinigten MüLLERschenGänge.

Gleich dem Hoden haben auch die Eierstöcke einen nicht un-beträchtlichen Ortswechsel durchzumachen: den Descen sus ovario-rum (Fig. 282 6';'', r). Zurzeit, wo die Urniere zu schwinden beginnt,rücken die Eierstöcke schon im 3. Monat des embryonalen Lebens vonder Gegend der Lendenwirbelsäule in das große Becken hinab, wo mansie median vom Musculus psoas findet. Während des ganzen embryonalenLebens, besonders aber unmittelbar nach ihrem Herabtreten in dasgroße Becken, sind sie verhältnismäßig weit größer als später (Fig. 287)und füllen den größten Teil des Beckens aus. Noch beim Neugeborenenliegen sie auf dem Rande des Beckeneingangs. Wahrscheinlich wirktauch auf diese Lageveränderung das schon oben beschriebene, demweiblichen Gechlecht gleichfalls nicht fehlende Leisten band derUrniere hin (Fig. 282 rm). Es sondert sich hierbei in drei verschiedeneAbschnitte dadurch, daß es eine feste Verbindung mit den MüLLER-schen Gängen an der Stelle gewinnt, wo sie sich zum Geschlechtsstranganeinander legen. Der oberste Abschnitt wird zu einem Zug glatterMuskelfasern, der, vom Parovarium ausgehend, im Hilus des Eierstockeseingebettet ist; er setzt sich in den zweiten Abschnitt oder das Liga-mentum ovarii (lo 1 ) und dieses in das runde Mutterband (rm) fort (Liga-mentum teres uteri). Dieses, aus dem dritten, am mächtigsten entwickeltenAbschnitt des Leistenbandes hervorgegangen, reicht vom oberen Endedes Genitalstrangs bis zur Leistengegend. Hier findet sich, wie im mann-