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Zehntes Kapitel.
mehrere hintereinander gelegene Öffnungen, die Vornierentrichter,mit der Leibeshöhle verbunden ist (Fig. 255 vn).
Kurze Zeit nach ihrer Entstehung erleidet die Anlage in ihrervorderen Hälfte eine vollständige Rückbildung; die hintere Hälfte da-gegen entwickelt sich weiter, weitet sich aus, bleibt aber mit der Leibes-höhle nur durch einen einzigen Nierentrichter in Zusammenhang (Fig.25öw), sei es nun, daß, wie Wijhb angibt, die mehrfachen Trichter zueinem einzigen verschmolzen sind, sei es, daß nach der Darstellung vonRückert alle Trichter bis auf einen einzigen sich schließen und zurück-bilden.
Auch bei den Amphibien legt sich die Vorniere an der Stelle, woRückensegment und Seitenplatte aneinander grenzen, dadurch an, daßan dem parietalen Blatt der letzteren einzelne solide, segmental angeord-nete Wucherungen entstehen, sich aushöhlen (Fig. 253m) und an ihren,dem äußeren Keimblatt zugewandten Enden zu einem Längskanal ver-binden. Der so entstandene Vornierengang (Fig. 253w) hängt bei Ranaund Bombinator durch drei Nierentrichter, bei Triton und Salamanderdurch zwei mit der Leibeshöhle zusammen, die hier etwas erweitert istund als „Vornierenkammer" bezeichnet wird. Die ganze Anlage gewinntbald darauf während des Larvenlebens eine stattliche Ausbildung da-durch, daß die Nierentrichter zu langen, sich vielfach schlängelndenRöhren (Vornierenkanälen) auswachsen.
In ähnlicher Weise legt sich auch bei den Vögeln, an welche sichdie Verhältnisse bei den Reptilien und Säugetieren (Rabl) wieder an-schließen lassen, ein Vornierenkanal in verkümmerter Form an (Fig.137 Wd) und bleibt durch einzelne Trichter mit der Leibeshöhle in Ver-bindung stehen. Er macht sich zuerst bemerkbar bei Hühnerembryonenvon acht Rückensegmenten in der Gegend des 5. bis 7. Segments undentwickelt sich von hier bei älteren Embryonen nach rückwärts bis indie Gegend des 15. Segments (Felix).
Eine eigenartige Beschaffenheit gewinnt endlich die Vorniere, wiees scheint, bei allen Wirbeltieren noch dadurch, daß sich in der Näheihrer Trichter einzelne pilzförmige Wucherungen aus der Wand derLeibeshöhle, und zwar links und rechts von der Ansatzstelle des Darm-gekröses, entwickeln. In jede Wucherung dringt von der Aorta ein Blut-gefäß und löst sich hier ähnlich wie in den MALPiGHischen Körperchender Niere in ein Büschel von Kapillaren auf, die sich gleich darauf wiederzu einem abführenden Gefäß vereinigen. Später geht meist aus den seg-mental angelegten Wucherungen des Bauchfells mit ihrer charakteristischenGefäßanordnung ein größeres, einheitliches Gebilde hervor, der Vor-nierenknäuel (Vornierenglomerulus). Der schematisch gehalteneQuerschnitt (Fig. 254) durch die Vorniere einer 6 mm langen Tritonlarvegibt eine klare Vorstellung über die Lagebeziehungen des Glomerulus(gl) zum Darmgekröse und zu den Nierentrichtern (p).
Nur bei denjenigen Wirbeltieren, bei denen die Vorniere vorüber-gehend wirklich in Funktion tritt, wie bei den Larven der Amphibien,bei den Cyklostomen und Teleostiern, erreicht ihr Glomerulus eine an-sehnliche Entwicklung, während er bei den Selachiern und den Am-nioten rudimentär bleibt und später ganz zurückgebildet wird. Imersten Fall wird wahrscheinlich durch diese Einrichtung Flüssigkeitoder Harnwasser ausgeschieden, das dann durch die Öffnungen der Vor-nierenkanälchen aufgenommen und durch den gleich weiter zu be-sprechenden Vornierengang' nach außen entleert wird. Bemerkenswert