Bildung der äußeren Körperform, des Dottersacks der Wirbeltiere usw. 145
Abschnitte einer einheitlichen Eingfalte sind, wird schließlich derEmbryo ringsum wie von einem hohen Wall umschlossen. Bei weitererVergrößerung neigen dann die Amnionscheiden von vorn und hinten,von links und rechts über dem Rücken des Embryo zusammen (Fig. 152bis 154«/, vaf, haf), treffen sich mit ihren Eändern in der Medianebeneund verwachsen untereinander längs einer Linie, der Amnionnaht, diesich von vorn nach rückwärts schließt. Nur an einer kleinen Stelle,nahe dem Schwanzende, unterbleibt längere Zeit der Verschluß underhält sich eine kleine Öffnung.
Die Verwachsung der Amnionfalten erfolgt genau in derselbenWeise, wie es auf S. 62 (Fig. 47—50) im allgemeinen beschrieben wordenist. Jede Falte (Fig. 152 und 153) besteht aus zwei Blättern, eineminneren und einem äußeren, die am Umschlagsrand ineinander über-gehen und durch einen Spalt getrennt werden, welcher ein Teil deraußerembryonalen Leibeshöhle ist. In der Amnionnaht verschmelzendie entsprechenden Faltenblätter beider Seiten; gleichzeitig geht da-mit Hand in Hand eine Lostrennung der inneren von den äußerenBlättern (Fig. 154). Über dem Rücken des Embryo sind infolgedessenjetzt zwei Hüllen, eine innere und eine äußere, das Amnion (A]und die seröse Hülle (S), entstanden. Das Amnion ist ein Pro-dukt der inneren Faltenblätter (Fig. Ibiah). Es bildet um den Embryoin der ersten Zeit nach seiner Entstehung einen dicht anliegenden Sack,der nur eine sehr kleine, mit Flüssigkeit erfüllte Amnionhöhle ein-schließt. Die seröse Hülle, die sich von den äußeren Faltenblätternherleitet, liegt dem Amnionsack als ein sehr zartes und durchsich-tiges Häutchen dicht an und schließt ihn von außen ein (Fig. 154 und1555).
Was das weitere Verhalten der beiden Hüllen betrifft, so bleibtder Amnionsack bis zum Ende der embryonalen Entwicklung miteiner kleinen Stelle am Bauch des Embryo, die der Hautnabel heißt,in Verbindung. In den Fig. 153—155 ist diese Stelle durch eine ring-förmige Linie Qin) kenntlich gemacht. Hier setzen sich die primitivenSchichten der Rumpfwand in entsprechende Schichten des Amnionfort, so z. B. die Epidermis des Körpers in eine Epithellage, welchedie Amnionhöhle auskleidet. Der Hautnabel der Reptilien und Vögelentspricht daher dem gleichnamigen Gebilde der Fischembryonen(Fig. 151 st), an welchem ja auch der Hautdottersack mit seiner stiel-förmigen Verlängerung in die Bauchwand übergeht. Wie bei den Fischenumschließt er (Fig. 153 A») eine Öffnung, welche den im Embryo ge-legenen Teil der Leibeshöhle (Ih 1 ) mit dem außerembryonalen, zwischenden Eihüllen befindlichen Teil (lh?) verbindet. Ferner tritt durch dieÖffnung der am embryonalen Darm befestigte Stiel des Dottersacksoder der Dottergang hindurch, der in den oben genannten Figurendurch den kleinen Ring (in) bezeichnet ist.
Durch Ausscheiden einer eiweißhaltigen, salzigen Flüssigkeit, desLiquor amnii. v ergrößert sich tle r__Ajnnjonsack mit jedem ' Tage _derjfebrütung! (ileicnze itig wird se ine Wandung kontraktil. In seinemHäutfaserblatt bilden sich einzelne /eilen zu kontraktilen Eascrrf aus.die beim Hühnchen vom 5. Tage der Bebrütung an rhythmische Be-wegungen veranlassen. Man kann die Kontraktionen, etwa 10 in derMinute, bei unverletzter Eischale beobachten, wenn man die Eier gegeneine helle Lichtquelle hält und sich dabei des von Pkeyer konstruiertenOoskops bedient.
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O. Hertwig, Die Elemente der Entwicklungslehre. 5. Aufl.
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