28
Zweites Kapitel.
» 4W/Ur
?w
..-.,. c
% ß
-^M
schälchen reifen Samen von einem Männchen und dann beide in geeig-neter Weise zu mischen. In dieser Art wird die künstliche Befruchtungin der Fischzucht für praktische Zwecke ausgeführt.
Für eine wissenschaftliche Untersuchung ist die Auswahl einergeeigneten Tierart von großer Bedeutung. Wie sich fast von selbst
versteht, sind Tiere mit großen,undurchsichtigen Eiern nicht zuempfehlen; dagegen sind solcheArten geeignet, deren Eier soklein und durchsichtig sind, daßman sie unter dem Mikroskopmit den stärksten Vergrößerungenbeobachten und jedes Fleckchendabei durchmustern kann. Solcheganz vorzüglichen Untersuchungs-objekte sind nun gerade die obenerwähnten Eier von den meistender im Meere lebenden Echino-dermen; daher wollen wir sieauch zum Ausgangspunkt bei derBeschreibung des Befruchtungs-prozesses wählen.
Das reife Ei der Echino-dermen ist schon früher (S. 20)beschrieben worden. Die sehrkleinen Samenfäden (Fig. 22 u.23 A) bestehen, wie bei denmeisten Tieren, 1. aus einemKopf, der einer Spitzkugel ähn-lich aussieht und das Chroma-tin enthält, 2. aus einem kleinen,darauf folgenden Kügelchen, demMittelstück oder Hals, und 3. aus-einem feinen, kontraktilen Faden.Wenn in einem Tropfen Meer-wasser auf dem Objektträgerbeiderlei Geschlechtsprodukte zu
Fig. 23. Befruchtung eines Eies vonStrongylocentrotus lividus. Nach Wilson.A-E Vergr. 1200, F, G Vergr. 600.
A Spermatozoon, n Kopf, m Mittel-stück, Schwanzfaden nur zum Teil ab-gebildet. B — E Oberflächliche Eirindemit eingedrungenem Spermatozoon, welcheseine Drehung um 180° erfährt und umdessen Mittelstück sich eine Strahlung ent-wickelt. F, G Allmähliche Annäherung undVereinigung von Spermakern und Eikern,Zunahme der Strahlung.
sammengebracht werden, so setzensich sofort viele Samenfäden andie Gallerthülle eines Eies an; vondiesen befruchtet aber normaler-weise nur ein einziger, undzwar derjenige, welcher sich zuerstdurch die pendelnden Bewe-gungen seines Fadens der Eiober-fläche genähert hat. Wo er mit der Spitze seines Kopfes an diese an-stößt, erhebt sich das hyaline Protoplasma, welches die Eirinde bildet,zu einem kleinen Höcker, dem Empfängnishügel (Fig. 22^4 u. B, Fig. 23B u. C). Hier bohrt sich der Kopf, getrieben von den pendelnden Be-wegungen des Fadens, in das Ei hinein. Gleichzeitig löst sich währenddes Einbohrens des Samenfadens eine feine Membran (Fig. 22 C) von derganzen Oberfläche des Dotters, vom Empfängnishügel beginnend, ringsumab und wird durch einen immer größer werdenden Zwischenraum ge-