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Strychnin.
bitter. Chemisch, aber nicht physiologisch hat es eine große Ähnlich-keit mit Dihydrostrychnolin, daher ist vielleicht die Formel
.CH,
N = C 20 H 22 O<
^N
anzunehmen.
Das zweite Sauerstoffatom im Strychnin scheint ätherartig ge-bunden zu sein 1 ).
Sowohl dem Strychnolin als auch dem Dihydrostrychnolin fehltjede krampferregende Wirkung.
Tafel untersuchte, ob nicht wie beim Piperidon, so auch im Strychnineine piperidonartige Atomgruppierung die Rückenmarkwirkung ver-ursacht. Zur Entscheidung dieser Frage eignet sich am besten dieelektrolytische Reduktion des Strychnins, dieselbe führte zu zwei Basen,dem Tetrahydrostrychnin und dem Strychnidin
C 21 H 26 N 2 0 2 - (C 20 H 22 O)^CH 2 .OHTetrahydrostrychnin
(C 20 H 22 O)^-CH ;Strychnidin
Aus dem Vergleiche der physiologischen Wirkungen dieser Körperfolgert Tafel, daß die eminente Wirkung des Strychnins als Rücken-marks- und Krampfgift gerade dem Zusammentreffen zweier in dem-selben Sinne wirksamer sauerstoffhaltiger Gruppen in seinem Molekülezuzuschreiben ist. Wird eine Gruppe durch Reduktion verändert, sotritt nur eine Schwächung der Krampfwirkung ein, erst wenn beidereduziert sind, hört die Krampfwirkung überhaupt auf. Dihydrostrych-nolin macht in 2 mg Dosen keine andere Erscheinung als Gelbfärbungder Frösche. 5—10 mg machen starke Lähmungserscheinungen, aberkeine Krämpfe. Im Strychnin sind jedenfalls eine große Zahl ring-förmiger, zum größten Teile hydrierter Gruppen aneinander gegliedert.
Strychnidin erzeugt in 2 mg Dosen typische Strychninkrämpfe.
Methylstrychnin, aus Methylstrychninium erhalten, ist nicht bitter undwirkt, nach Dietrich Gerhardt, wie Strychnin, es ist eine sekundäre Base 2 )
X
CH,
(C 20 H 22 O)=CO/°NH
Äthylstrychninsulfat wirkt schwächer als die Methyl Verbindung')•0,0006 g Strychninbrombenzylat C 21 H„ 2 N 2 0 2 . C 6 H 5 . CH 2 Br be-wirken bei Fröschen anhaltende völlige Lähmung. Wenn Erholung ein-tritt, so folgt ein Stadium der Übererregbarkeit, häufig in der Art derStrychnin Wirkung. Nicht zur Lähmung führende Dosen hatten aus-schließlich diese Wirkung. Die Intensität der Wirkung ist stärkerals die des Strychnins.
x ) Julius Tafel, Liebig's Ann. 301. 285—348.2 ) Julius Tafel, Liebig's Ann. 264. 33.s ) Fr. Loos, Dissert, Gießen 1870.