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Die Arzneimittel-Synthese auf Grundlage der Beziehungen zwischen chemischen Aufbau und Wirkung : für Ärzte, Chemiker und Pharmazeuten
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Beziehungen zwischen Geschmack und Konstitution.

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Die Bemühungen, den Geschmack der Substanzen zu korrigieren,werden meist in der Weise ausgeführt, daß man die reaktionsfähigenGruppen durch Anlagerung von Resten verschließt. Wir haben aberschon bei einigen Körpern gesehen, daß dieses Verschließen der reak-tionsfähigen Gruppen auch den gegenteiligen Erfolg haben kann, daßman eine süße Substanz in eine bittere verwandelt, z.B. bei Glykosid-bildungen. Eine andere Art der Geschmackskorrektur, welche auchvielfach darauf gerichtet ist, ätzende Nebenwirkungen der Substanzen zubeseitigen, ist das Unlöslichmachen der Substanzen, welche dann erst•meist im Darmkanal aufgespalten werden und dort zur Wirkung gelangen.So wird Chinin in das unlösliche Chinintannat übergeführt und diesesüberdies noch im Wasser zusammengeschmolzen und auf diese Weiseentbittert. Hierbei ist zu bemerken, daß eine Reihe von sogenanntenBüßen Chininpräparaten, die der amerikanische Markt liefert, keineswegsChinin, sondern Cinchonin enthält, welches ja an und für sich den intensivbitteren Geschmack nicht besitzt, dem aber die Wirksamkeit des Chininsmangelt. Den unangenehmen herben Geschmack des bei Darmkatarrhso gut wirkenden Tannins, sowie den ebenso unangenehmen Geschmackdes Ichthyols kann man unterdrücken, wenn man Tannin oder Ichthyolin eine unlösliche Verbindung mit irgend einem Eiweißkörper, wieHühner-Eiweiß, Casein oder Leim überführt und diese statt der ur-sprünglichen Substanz verwendet. Diese geschmacklosen und unlös-lichen Eiweißverbindungen werden im Darmkanal aufgespalten unddort die wirksamen Komponenten entwickelt. In diese Kategoriegehört auch das von M. v. Nencki in die Arzneimittelsyntheseeingeführte Salolprinzip. Es werden hierbei wirksame aromatischeSäuren mit wirksamen Alkoholen oder Phenolen esterartig gebunden,und diese unlöslichen Verbindungen werden im Darme zum Teil durchdas verseifende Enzym der Bauchspeicheldrüse, zum Teil durch dieBakterienwirkung in ihre wirksamen Komponenten gespalten. Beidieser Art von Synthese spielt nicht nur der Geschmack, sondern auchhauptsächlich die ätzende Wirkung und die Giftigkeit der betreffendenArzneimittel eine große Rolle. Die Kenntnis, diese schädliche Neben-wirkungen und den schlechten Geschmack durch Veresterung zu unter-drücken, verdanken wir M. v. Nencki. In neuerer Zeit haben insbesondereSynthesen mit Phosgengas und Äthylkohlensäurechlorid für diese Körper-klasse (besonders Phenole) große Bedeutung erlangt. Es gelingt aufdiese Weise die ätzende Wirkung des Kreosots und des Guajacols zumit erdrücken, es gelingt den bitteren Geschmack des Chinins zu mäßigen,sowie den scharfen Geschmack mancher Substanzen wie Menthol zukoupieren.

Wilhelm Sternberg i) hat sich mit der Frage nach dem Zusammen-hange zwischen dem chemischen Baue und Geschmacke der süß undbitter schmeckenden Substanzen beschäftigt und behauptet, daß denElementen als solchen gar kein Geschmack zukommt. . Die Kohlen-

J ) Dubois Arch. f. Physiol. 1S!)S. 451; ebenda 18!)!). 367. Zeits. d. Vereinsf. Rübenzuckerindustrie, IS!)!). 376. Ber. d. Deutschen Pharmazeut. Ges. 15.Heft 2. (1905).

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