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Die Arzneimittel-Synthese auf Grundlage der Beziehungen zwischen chemischen Aufbau und Wirkung : für Ärzte, Chemiker und Pharmazeuten
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Stereochemisch bedingte Wirkungsdifferenzen.

Tetramethylarsoniumzinkjodid, Methyltriäthylstiboniumhydrat, Tetra -äthylphosphoniumjodid.

Tetram ethylarsonium Jodid hat nach den Untersuchungen von Bürgizentral lähmende und curareartige Eigenschaften, wirkt aber nicht aufdas Herz. Es wird im Organismus nur zum Teil zerlegt, der größereTeil unverändert im Harn ausgeschieden. Es hat keine Arsenwirkung 1 )-

Es läßt sich aber dann weiter zeigen, daß die Curarewirkung keines-wegs von allen um ein fünfwertiges Element angeordneten Radikalenabhängt, sondern vielmehr nur von den zwei Gruppierungen anden manifest gewordenen potentiellen Valenzen, welchesterisch eine durchaus verschiedene Anordnung haben,von den drei übrigen (man erinnere sich an die Vorstellungen von vant'Hoff und Willgerodt darüber), oder von denen eine eine ganz be-sondere Stellung inne hat, die andere den Stellungscharakter der dreiHauptvalenzen verändert (Modell Bischoff-Wedekind). Durch dieUntersuchungen von Kunkel 2 ) sowie Curci 3 ) nämlich ist es sicher-gestellt, daß die Sulfinbasen, z.B. das Trimethylsulfinhydrür (CH 3 ) 3 -S.OH, curareartig wirken. Bei der Bildung dieser Base ist der zwei-wertige Schwefel in den tetravalenten übergegangen.

Aber auch für den Übergang eines einwertigen Elements in eindreiwertiges läßt sich dasselbe nachweisen. Viktor Meyer 4 ) verdankenwir die Kenntnis, daß Jod unter Umständen Verbindungen stark basi-schen Charakter verleihen kann. So sind die Jodoniumverbindungenals Substanzen anzusehen, in welchen Jod als dreiwertiges Elementfungiert, und tatsächlich hat die von R. Gottlieb 4 ) durchgeführte physio-logische Prüfung des salzsauren Jodoniums (C 6 H 5 ) 2 J.C1 dessen curare-artige Wirkung ergeben.

Wir ersehen aus den vorgebrachten Tatsachen, daß die lähmendeWirkung auf die Endplatten der motorischen Nerven verursacht wirdnicht etwa durch eine bestimmte elementare Zusammensetzung oderdurch die Gegenwart bestimmter Radikale oder durch bestimmte alsZentrum für eine räumliche Anordnung dienende Elemente, sondernsie ist lediglich abhängig von dem Manifestwerden zweier poten-tieller Valenzen, die den an ihnen gebundenen Radikalen eine ganzbestimmte differente Orientierung im Räume geben, unabhängig vonder Anzahl sonst vorhandener Hauptvalenzen und unabhängig vonderen räumlichen Orientierung.

Für die Kobalt-, Rhodium- und Chromammoniakverbindungen zeigteJ. Bock 5 ), daß sie nur durch ihre chemische Konfiguration wirken,während das in die Verbindung eintretende Metall der Wirkung dieserStoffe kein charakteristisches Gepräge verleiht, sondern in dieser Be-ziehung von ganz untergeordneter Bedeutung zu sein scheint.

Die Hexamminkobaltsalze mit dem dreiwertigen komplexen KationCo(NH a ) 6 sind starke curareartige Gifte, die später Muskelzuckungen

!) Emil Bürgi, AePP. 56. 101 (1907).

2 ) Lehrb. d. Toxikologie, Jena 1901.

3 ) Arch. de Pharm, et de Therap. 4. 1896.

4 ) BB. 27. 1592 (1894).

5 ) AePP. 52. 1 (1905).