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4,1 (1919) Dicotyledones : (II. Teil)
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Allgemeine Verbreitung: Einheimisch wohl nur im südosteuropäisch-west-asiatischen, vielleicht auch im nordafrikanischen Steppengebiet; heute infolge des ehemaligenAnbaues oder durch rezente Einschleppung ziemlich verbreitet in Süd- und Mittel- (seltener inNord-) Europa; Vorderasien von Kleinasien und Syrien bis Persien und Indien, Dsungarei, Tur-kestan, Ostsibirien, Sachalin, Mongolei, China; Algerien, Marokko. Verwildert auch in Chile.

Aus dem Formenkreis von Isatis tinctoria ist eine grosse Anzahl von Kleinarten und Formen be-schrieben worden, deren systematischer Wert und geographische Verbreitung durch eingehende monographischeUntersuchungen erneut zu prüfen sind. Ueber den Wert der von Schriftstellern zur Abgrenzung und Unter-scheidung der verschiedenen Sippen herangezogenen Merkmale herrscht in der Literatur eine weitgehendeMeinungsverschiedenheit. Während Trautvetter (a.a.O., 184S) nach der Behaarung bezw. Kahlheit derFrucht die Gattung in zwei Sektionen, Dasycärpae und Gymnocärpae, gegliedert hatte, erklärt Cosson (Com-pendium florae Atlanticae II [1883/7], pag. 299) dieses Merkmal für systematisch ganz geringwertig, da nachden Beobachtungen von Durieu aus den Samen einer und derselben Pflanze kahl- und behaartfrüchtigeIndividuen hervorgingen. 1 ) Auch die Form der Spitze der Frucht (ausgerandet, gestutzt, abgerundet oder bespitzt)ist nach Cosson (a. a. O.) nicht kulturkonstant und schwankt zuweilen auf der gleichen Pflanze. Da Cossonauch der Umrissform der Frucht, die tatsächlich grossen Schwankungen in gradueller Abstufung unterworfenist, nur minimalen systematischen Wert beimisst, kommt er dazu, auf eine Gliederung von Isatis tinctoria völligzu verzichten und alle Formen des Verwandtschaftskreises als blosse Synonyme (nicht einmal Varietäten)dazu zu ziehen. Umgekehrt treffen wir in der Bearbeitung der Gattung Isatis durch N. Busch in der FloraCaucasica critica IX, 4 (1908), pag. 238 bis 253 wiederum eine engere Fassung des Speziesbegriffes, indemz. B. I. Taurica und I. canescens spezifisch von I. tinctoria getrennt werden. Da beispielsweise in Siebenbürgenund auf der Krim Sippen mit übereinstimmender Fruchtform, die sich lediglich durch die Behaarung der Frucht zudem zuweilen nur graduell und unscharf unterscheiden, nebeneinander wachsen, erscheint es angezeigt,die Fruchtform zum erstklassigen Einteilungsprinzip zu erheben und die Behaarung der Frucht erst in zweiterLinie zu verwerten. Die für Mitteleuropa und die angrenzenden Gebiete in Betracht kommenden Sippen lassensich in folgender Weise anordnen:

1. Frucht im Mittel etwa doppelt so lang als breit. Fruchtfach häufig nur mit kielartigem Mittel-nerv, vom Flügelsaum durch eine Furche abgesetzt. Flügel oft deutlich netzaderig:

I. var. praecox (Kit. ap. Tratt. pro spec. ex descr. nee ic, Trautv.) Koch (= var. y Koch in M. K.,= I. tinctoria Baumg. et auet. Transsilv. nee L., = I. campestris Schur nee Steven). Frucht in der Jugendspateiförmig, an der Spitze gestutzt, zur Reifezeit (Fig. 776 a) elliptisch-verkehrteiförmig, am Grunde stumpf,an der Spitze gestutzt-abgerundet. Im Gebiete nur verschleppt in Istrien (vgl. oben); urwüchsig in Ungarn,Siebenbürgen, Rumänien, der Plerzegowina, Bulgarien, Südrussland und im Ural. Eine stark angenäherte Formauf dem Chaumont im Neuenburger Jura (Vetter! in Herb. Univ. Zürich). Zerfällt nach der Behaarung derFrucht in 2 Unterabarten: subvar. leioeärpa Ledeb. (pro var.). Frucht kahl; subvar. hebecärpa (DC. prospec.) Ledeb. [pro var.] (= I. littorälis ß hebecärpa Ledeb. pro parte [quoad syn. DC], = I. littorälis ß Stevenex DC, = I. dasycarpa Ledeb. Fl. Ross. in syn. nee Trautv., = I. littorälis Besser [nee Steven] ex Ledeb.,= I. lasioeärpa Schur nee Ledeb.). Frucht wenigstens am Fruchtfach + stark flaumig-filzig (Fig. 776b, c),im Alter zuweilen verkahlend (Hieher die Pflanze von Fianona!).

II. var. alpfna Koch (= I. Dalmätica Miller?, = I. hirsuta Pers., = I. tinctoria ö microcarpa DC.?,= I. heteroeärpa Andrz. sec. Trautv., = I. Villärsii 2 ) Gaudin, Trautv., = I. tinctoria f. Villarsii H. Jaccard,= I. alpina Thuill. nee Vill. nee AU. 3 ). Frucht in der Jugend elliptisch, beiderends spitz, zur Reifezeit(Fig. 7/6d, e) elliptisch-verkehrt-eiförmig, am Grunde spitz, an der Spitze stumpflich. Stengel undLaubblätter meist rauhhaarig. Trotz der von der var. vulgaris stark abweichenden Fruchtform handelt essich vielleicht doch nur um einen abnormen Zustand der Pflanze (Verstümmelungsform?), da die var. alpina

1 ) Immerhin ist hervorzuheben, dass es sich dabei um die Mendel' sehe Aufspaltung eines Bastardesgehandelt haben kann.

2 ) Vgl. Bd. IV, pag. 126, Fussnote 3.

3 ) Die echte I. alpina Vill. (Prosp. 1779, Fl. Delph. et Hist. pl. Dauph.), All. (1785) (= I. Appenm'naTen.) ist den französischen Westalpen (am Monte Viso bis auf italienisches Gebiet reichend) und dem mittlerenAppennin eigen; sie unterscheidet sich von I. tinctoria durch niedrigen, gedrängten Wuchs, durch aus einervielköpfigen Grundachse entspringende, am Grunde aufsteigende und daselbst holzige, dann aufrechte Stengel,durch bedeutend grössere ([4] 4'/2 bis 5 mm lange) Blüten und zur Reifezeit grosse, meist elliptisdhe (etwa 15bis 22 : 8 bis 13 mm), an beiden Enden gleichförmig abgerundete, seltener breit verkehrt-eiförmige, am Randevon einem dünnen, pergamentartigen Hautsaum umzogene Früchte (Fig. 776 r). Ueber die Nomenklatur vgl.Fouche-Prunelle in Bull. Soc. Bot. France VII (1860), pag. 702/3.