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Stengelblätter gestielt, dreieckig-eiförmig, leierförmig-fiederspaltig, mit vom Grunde nachder Spitze rasch seichter werdenden Einschnitten und dreieckigen, spitzen, meist gezähntenLappen, deren unterstes Paar in der Regel am grössten und am tiefsten abgetrennt ist;Zähne oder Läppchen knorpelig bespitzt. Obere Stengelblätter lanzettlich, am Grunde stiel-artig verschmälert, gezähnt bis ganzrandig. Blütenstände end- und achselständig, trag-blattlos, nach dem Verblühen verlängert; offene Blüten etwas tiefer stehend als die Knospen.Blütenstiele etwa so lang wie die Blüten. Blütenknospen schmal-ellipsoidisch. Kelchblätteretwa 3 J /2 bis 4 mm lang, linealisch-elliptisch, stumpf, fast aufrecht, die seitlichen am Grundedeutlich gesackt, die mittleren (äusseren) an der Spitze behörnelt. Kronblätter lebhaft gelb,fast doppelt so lang als der Kelch, mit rundlich-verkehrteiförmiger, in den etwa gleich-langen Nagel verschmälerten Platte. Frucht auf aufrecht-abstehendem, etwas gebogenem,dünnem, etwa 5 bis 8 mm langem Stiel, fast aufrecht, von der Achse entfernt, linealisch (etwa 25bis 40 mm lang und 1 mm breit), beiderends etwas verschmälert, durch die fast sitzende Narbebespitzt (Griffel 0 oder höchstens vereinzelt bis V 2 mm lang); Fruchtklappen gewölbt,etwas gekielt, kahl, 1-nervig (mit meist undeutlichen Seitennerven); Scheidewand durch-scheinend, ihre Zellen verlängert, mit schwach verdickten Wänden; Narbe 2-lappig, mitausgebreiteten Lappen. Samen 1-reihig, etwa 20 in jedem Fach, verlängert-ellipsoidisch, etwasüber 1 mm lang und 1 ji so breit, gelbbraun, fast glatt, bei Benetzung nicht verschleimend.Keimling (stets?) schief seitenwurzelig; Würzelchen stark vorspringend. — V bis VIII.
Hie und da in Nord- und Westdeutschland (mit südrussischem Getreide einge-schleppt) auf Oedland oder an Ackerrändern in der Nähe von Mühlen und Hafenanlagen,vermöge der ausdauernden Wurzel oft jahrelang an der gleichen Stelle sich erhaltend.Bisher beobachtet in der Umgebung von Berlin x ) bei den Rüdersdorfer Kalkbergen(beständig seit 1887 mit Sisymbrium Loeselii, altissimum und Orientale), bei der KöpenickerDampfmühle (1889 bis 1894), bei der Weigelschen Dampfmühle in Oranienburg (1893), beiPotsdam und bei der Borsigmühle in Moabit (1896); bei Hamburg (Winterhude) seit 1888,bei der Dampfmühle von Uetersen in Holstein und bei Lübeck; in den Rheinhäfen vonUerdingen Bez. Düsseldorf (seit 1909, Höppner!) und Crefeld (seit 1911, Bonte!), vonLudwigshafen (seit 1905, Zimmermann!) und Karlsruhe (1910, Kneucker!).
Allgemeine Verbreitung: Einheimisch im südöstlichen Russland (besonders amUnterlauf der Wolga und des Don, z. B. in der Umgebung der Getreide-Exporthäfen Taganrogam Asowschen Meer und Rostow am Don; vielleicht auch im Gouv. Kursk und in der Ukraine),an Gebüschrändern und auf Oedland in der Nähe menschlicher Wohnungen; verschleppt auchin Livland (bei Riga, 1894), in den Niederlanden (bei Deventer [vor 1900], neuerdings beiRotterdam! und Arnhem!) und in Frankreich (Argenteuil bei Paris, 1902, Mouillefarine!).
S. Wolgense wurde früher mehrfach mit S. polymorphum (vgl. Bd. IV, pag. 154) und S. Pyrenäicum(nr. 1235) verwechselt, unterscheidet sich jedoch von der ersteren Art leicht durch die im Bestimmungsschlüssela n g e gebenen Merkmale, von der letzteren durch weniger tief fiederspaltige Laubblätter mit verhältnismässiggrösserem Endabschnitt, durch grössere Blüten, behörnelte Kelchblätter, dichtere Fruchtstände, meist 1-nervigeFruchtklappen usw. Brassica juncea, die unserer Art im blühenden Zustand stark ähnelt, unterscheidet sichdurch einjährige Wurzel, nicht dreieckig-spiessförmige untere Stengelblätter, noch ansehnlichere Blüten (Platteder Kronblätter rundlich, plötzlich in den sehr schmalen Nagel zusammengezogen), deutlichen, langen Griffelbzw. Schnabel, der '/a bis fast ebenso lang ist wie der Rest des Fruchtknotens, und durch halbkugelig-kopfigeNarbe. Die Art tritt nach Behrendsen (a. a. O.) in 2 durch die Tracht auffällig verschiedenen Formen auf:einer Ende Mai und Anfang Juni blühenden und im Juli die Früchte reifenden Frühform mit niedrigem,schlankem, nur oberwärts verästeltem Stengel und der Tracht von S. polymorphum, und einer im Juli blühendenund im August fruchtenden Spätform von gedrungenerem Wuchs, mit stärkerer, meist schon in der unterenHälfte des Stengels beginnender Verästelung, ausgezeichnet ferner durch mehr bläulichgrüne Farbe des Stengelsund der Laubblätter und die oft sehr ausgesprochene Spiessform der letzteren. Die Frühform entspricht nach
») Vgl. Behrendsen in Verhandlungen des Bot. Ver. der Prov. Brandenb. XXXVIII (1896), pag. 7 9 bis 83.